# taz.de -- „Gelatiere ist kein geschützter Beruf“
       
       > Die große Welle der italienischen Eisdielen kam in den 60ern und 70ern
       > nach Deutschland (West). Die Kunst des Handwerks zu pflegen, sei weiter
       > wichtig, sagt Annalisa Carnio vom Verband Uniteis
       
       Interview Sabine Berking
       
       taz: Frau Carnio, in Ihrem Verband Uniteis e. V. haben sich die
       italienischen Eismacher in Deutschland zusammengeschlossen. Wie viele
       Mitglieder haben Sie? 
       
       Annalisa Carnio: Wir vertreten circa 1.000 Mitglieder, die 2.200 Eisdielen
       betreiben. Vorstand und Präsidium arbeiten ehrenamtlich, nur ich als
       Generalsekretärin und Pressesprecherin bin gemeinsam mit einer Sekretärin
       angestellt.
       
       taz: Uniteis e. V. wurde erst 1969 gegründet. Warum? 
       
       Carnio: Schon in den 20er-Jahren gab es italienische Eismacher in
       Deutschland, die meisten aber kamen in den 30ern, nachdem 1927 die
       elektrische Eismaschine von Otello Cattabriga patentiert wurde. Während des
       Krieges haben viele ihre Läden verloren und nicht alle sind nach 1945
       zurückgekommen.
       
       taz: Und die anderen kamen später? 
       
       Carnio: Die große Welle kam, als die Deutschen in den 50ern und 60ern
       Italien als Urlaubsland entdeckten. Die Eisdiele war für viele im Vergleich
       zu Gaststätte oder Kneipe lebendiger, moderner und schöner. Oft waren die
       neuen Gelatieri der deutschen Sprache nicht mächtig und brauchten Hilfe bei
       Anträgen, Lizenzen, Bestellungen. Da entstand unter den schon Etablierten
       die Idee, eine Stelle zu gründen, um die Neuen zu unterstützen. Wir sind
       ein deutscher Verein mit deutscher Satzung.
       
       taz: Was sind die Ziele von Uniteis e. V.? 
       
       Carnio: Gelatiere ist kein geschützter Beruf, daher ist die Kunst des
       Handwerks, die Verbreitung der Kenntnisse des Eismachens als Teil der
       italienischen Kultur für uns besonders wichtig. Natürlich geht es nach wie
       vor auch um Beratung, heute zum Beispiel bei Umweltstandards, Verpackung,
       Hygienevorschriften und so weiter.
       
       taz: Hatte die Pandemie Auswirkungen auf den Eiskonsum? 
       
       Carnio: Natürlich. Eissalons mussten geschlossen bleiben. Das hat jedoch
       dazu geführt, dass sich viele mit der digitalen Vermarktung beschäftigten.
       Eis wird seitdem auch geliefert. Und der Eiswagen ist in neuer Version,
       elektrisch betrieben, wieder da, und bringt Eis auch in kleinere
       Ortschaften, wo sich auch die Älteren über ein handwerklich hergestelltes
       Eis freuen.
       
       taz: Gibt es eine Konkurrenz zwischen industriell und handwerklich
       hergestelltem Eis? 
       
       Carnio: So würde ich das nicht formulieren. Industriell hergestelltes Eis
       ist ein anderes Produkt: Es muss monatelang haltbar sein und hat deshalb
       einen höheren Fettgehalt. Ich esse im Kino auch gern mal ein Cornetto. Das
       Eis aus der Eisdiele in der Waffel ist dagegen immer ein besonderes
       Erlebnis.
       
       taz: Ihr Verband kürt immer eine Eissorte des Jahres. Was ist es diesmal? 
       
       Carnio: Pinocchio. Viele kennen Pinocchio als Eisbecher für Kinder. Wir
       wollten etwas Neues, zum 200. Geburtstag von [1][Carlo Collodi], dem
       Schöpfer der Geschichte. Es ist eine Melange aus Milcheis und
       Erdbeersorbet, dekoriert mit Grissini oder Hörnchen in Schokolade, die an
       Pinocchios Nase erinnern sollen.
       
       taz: Und was ist Ihre persönliche Lieblingssorte?
       
       Carnio: Stracciatella aus sehr gutem Milcheis und Schokostücken, die im
       Mund richtig knacken müssen.
       
       20 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Carlo_Collodi
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sabine Berking
       
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