# taz.de -- Strich auf Kurfürstenstraße in Berlin: Das Elend verbieten
> Anwohner im Stadtteil Schöneberg fordern ein Sperrgebiet gegen
> Straßenprostitution. Auch die CDU will ein Verbot, stößt damit bei den
> anderen Parteien aber auf Ablehnung.
(IMG) Bild: Polizeieinsatz auf der Kurfürstenstraße
dpa | Prostitution tagsüber auf der Straße, offener Drogenhandel, Gewalt
und Verwahrlosung prägen einen Teil der Kurfürstenstraße in Mitte und
Schöneberg. Nachbar:innen leiden seit Jahren unter den Zuständen und
wollen nun öffentlich protestieren. „Unser Kiez, unser Zuhause“, heißt eine
für den 25. Juni geplante Demonstration auf dem Zwölf-Apostel-Kirchplatz.
Die Anwohner:innen fordern ein Sperrgebiet gegen Straßenprostitution in
der Nähe von Kitas, Schulen und Seniorenheimen sowie Maßnahmen gegen den
Drogenhandel und -konsum in der Öffentlichkeit. „Keine Zuhälterei, keine
Ausbeutung von Frauen“, heißt es weiter.
Auch die Berliner CDU macht sich für ein Verbot von Straßenprostitution
stark, und zwar in der ganzen Stadt. Damit stößt sie auf Widerspruch bei
der Opposition, aber auch beim Koalitionspartner SPD. Ihr Wahlprogramm will
die CDU am Dienstag beschließen. Darin steht: „Wir wollen das Ende der
Straßenprostitution in ganz Berlin und werden sie in einem ersten Schritt
im Kurfürstenkiez und rund um den Nollendorfplatz verbieten.“
Es dürfe nicht länger hingenommen werden, dass ein Berliner Kiez unter
Kriminalität, Verwahrlosung und massiven Belastungen der Anwohnerinnen und
Anwohner leide. „Die staatliche Finanzierung von [1][Verrichtungsboxen]
oder anderer Infrastruktur für das Geschäft von Zuhältern lehnen wir ab.“
CDU-Fraktionschef Dirk Stettner war mit dem Thema Ende Mai an die
Öffentlichkeit gegangen: „Die Frauen werden unter unfassbaren hygienischen
Bedingungen ausgebeutet, Kinder und Jugendliche direkt mit gekauftem Sex,
Drogen, Gewalt konfrontiert“, sagte er der B. Z. „Die CDU will das nicht.“
Sein Fazit: „Wir müssen Straßenstriche in ganz Berlin verbieten.“
## Verbot ist keine Lösung
Den Koalitionspartner von der SPD überzeugt das nicht. „Die CDU macht es
sich mit dieser Forderung zu einfach. Wer glaubt, Straßenprostitution lasse
sich durch ein Verbot lösen, verwechselt Symbolpolitik mit wirksamem
Gewaltschutz“, kritisierte die frauenpolitische Sprecherin der
SPD-Fraktion, Mirjam Golm.
„Die Realität verschwindet dadurch nicht – sie wird lediglich aus dem
öffentlichen Raum verdrängt und für Hilfsangebote schwerer erreichbar.“
Viele Frauen seien nicht freiwillig in der Prostitution tätig und häufig
von Armut, Gewalt oder Menschenhandel betroffen, betonte Golm. „Gerade
deshalb ist Verdrängung der falsche Weg.“ Notwendig seien starke
Hilfsangebote und echte Ausstiegsperspektiven.
Die Fraktionsvorsitzende der Linken, Anne Helm, erklärte, soziale Probleme
bekämpfe man nicht mit dem Polizei- oder Strafrecht. „Neben der
verschärften Repression gegenüber den Frauen führt das nur zur Verdrängung
in anliegende Straßen oder Grünanlagen.“ Helm forderte
Unterstützungsangebote wie „Räume, in denen die Frauen ihrem Gewerbe
nachgehen könnten“.
Für die Grünen teilte die Sprecherin für Gleichstellung, Bahar Haghanipour
mit: „Sexarbeit ist gesellschaftliche Realität. Daher ist ein Verbot von
Sexarbeit keine Lösung.“ Die Forderung nach einem Sperrbezirk führe nur zur
Verlagerung an andere, oftmals unkontrollierte Orte. Die Aufgabe müsse
sein, die Situation vor Ort zu verbessern – für Nachbarinnen und Nachbarn,
Sexarbeitende und alle Menschen im Kiez.
Die Situation im Kurfürstenkiez sei geprägt von Obdachlosigkeit,
psychischen Erkrankungen und Drogenkonsum. Die Forderung nach einem
Sperrbezirk sei falsch. „Der Senat darf die Bezirke Mitte und
Tempelhof-Schöneberg nicht länger alleine lassen.“
## CDU: Innensenatorin kann handeln
CDU-Fraktionschef Stettner kündigte laut dem Tagesspiegel an, das Verbot
solle schnellstmöglich umgesetzt werden, Innensenatorin Iris Spranger (SPD)
könne eine Rechtsverordnung erlassen. Die Senatsinnenverwaltung erklärte
daraufhin, dazu sei eine Abstimmung mit den Senatsverwaltungen für
Gesundheit, Bildung und Soziales nötig.
Auch die Innenverwaltung argumentierte, ein Verbot würde
Straßenprostitution nicht beseitigen, sondern lediglich verlagern, oft in
das Verborgene, mit entsprechenden Risiken für die Prostituierten. Ein
Sprecher von Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) ergänzte: „Es geht
nicht darum, Sexarbeit zu verbieten, sondern sie so zu gestalten, dass es
keine Ausbeutung, keine Diskriminierung und keine Gewalt dabei gibt.“
7 Jun 2026
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