# taz.de -- Nominiert für den panterpreis 2026: Unzensiert aus dem Knast
       
       > der lichtblick ist die älteste Gefangenenzeitung Deutschlands. Seit 1968
       > berichtet sie unzensiert aus der der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel.
       > Die Redaktion ist weiter auf Spenden angewiesen.
       
 (IMG) Bild: Zwei, die alles stemmen: lichtblick-Redakteure Steffen Kahrels (l.) und Ferdi Balci
       
       [1][taz panterpreis] | Fragt man Steffen Kahrels nach dem einen Artikel,
       den er geschrieben hat und an den er heute noch denkt, erzählt er von
       Türschildern. Dahinter steckt eine Geschichte über Diskriminierung und
       Selbstermächtigung, über Diversität und Identität. Über ein konservatives
       Justizvollzugssystem, das plötzlich ein kleines bisschen progressiv wird.
       Und nicht zuletzt über die Wirkmacht freier Presse.
       
       Das Jahr 2022 war kein gutes für der lichtblick, die einzige deutsche
       Gefangenenzeitung ohne Zensur: Ein Redakteur soll das Redaktionstelefon für
       Straftaten missbraucht haben. Der Berliner Senat löste die bereits 1968 in
       der Justizvollzugsanstalt Berlin-Tegel gegründete Zeitung auf. Erst einmal
       war Schluss. Ende 2022 dann der Neuanfang: Die taz panterstiftung
       unterstützte den Aufbau einer neuen Redaktion mit journalistischen
       Workshops und neuem Layout. Kahrels war einer der Teilnehmer – und wurde
       dann einer der neuen Redakteure.
       
       Im Workshop hatte Kahrels sich mit den Rechten von trans Personen im
       Vollzug beschäftigt. In den nächsten Monaten kamen immer mal Gefangene zu
       ihm, bedankten sich für den Text und erzählten, was sie beschäftigt. Oft
       nannten sie das Türschild: „Belegt, 1 Mann“ stand an jeder Zelle in Tegel.
       Das nutzten andere Gefangene, um den trans Gefangenen ihre Identität als
       Frau oder non-binäre Person abzusprechen, erzählten sie.
       
       Stimmen nach draußen 
       
       Kahrels fragte bei der JVA-Leitung an. Die soll zunächst gesagt haben, das
       Anliegen habe „keinerlei Relevanz“, bevor sie vorschlug, einzelne Gefangene
       könnten auf Antrag ein anderes Schild bekommen. Dann plötzlich der
       Sinneswandel: Auf einer eigens dafür einberufenen Konferenz wurde
       beschlossen, alle Schilder auszutauschen. Da sowieso jeweils nur eine
       Person auf jeder Zelle liege, reiche die Information „belegt“ völlig aus.
       Und das dank Kahrels Presseanfrage.
       
       [2][Etwa 30 Gefangenenzeitungen gibt es aktuell in Deutschland], keine ist
       so alt wie der lichtblick – und keine andere erscheint ohne Zensur.
       Jura-Professorin Christine Graebsch sieht das kritisch, wie sie der taz im
       vergangenen Jahr sagte. „Es ist wichtig, dass es Gefangenenzeitungen gibt,
       damit die Stimmen der Gefangenen nach außerhalb der Mauern dringen können.
       Allerdings ist dies authentisch nur dann möglich, wenn eine
       Gefangenenzeitung nicht von der Anstalt zensiert wird.“
       
       „Wir haben kaum eine Lobby als Gefangene“, sagt Ferdi Balci, der seit Juli
       2025 Redakteur des lichtblick ist. Einerseits sei die Wahrnehmung vieler
       Menschen außerhalb der Mauern von den Insassen häufig eine völlig falsche.
       Auch deshalb brauche es den lichtblick. Um den Menschen im Gefängnis eine
       Stimme zu geben, ihnen bei Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen Gehör zu
       verschaffen und den Menschen draußen ein realistisches Bild vom Leben
       innerhalb der Mauern zu vermitteln.
       
       ## Digitale Abozahlen steigen
       
       Gefangene genauso wie interessierte Menschen draußen wissen das zu
       schätzen. Rund 7.000 Exemplare druckt die Redaktion regelmäßig. 2026 haben
       die Abozahlen sogar zugenommen, berichtet Kahlrels. Netto seien seit Januar
       300 Abos hinzu gekommen. Ein großer Teil davon digital – zur Freude der
       Redaktion, weil das Geld spart.
       
       Geld, das ist nämlich knapp, die Redaktion ist regelmäßig auf Spenden
       angewiesen. Zuletzt hat sie die Auflage sogar auf 5.000 reduziert, um Geld
       zu sparen. Dass das die Nachfrage kaum deckt, zeigt eine Szene, die Kahrels
       der taz beschreibt: „Sobald der Lieferant die Palette bei uns abgestellt
       hatte, waren die Zeitungen praktisch schon vergriffen."
       
       Gefangene sind allerdings weiterhin auf Printausgaben angewiesen.
       [3][Internetzugang haben die wenigsten von ihnen.] Auch deshalb braucht es
       den lichtblick, der zuverlässig – und kostenlos – alle deutschen
       Haftanstalten beliefert. Ein paar wenige Abonnenten gibt es auch im Ausland
       – sogar in den USA.
       
       5 Jun 2026
       
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