# taz.de -- Kürzungen bei Forschungsgesellschaft: Rotstift bei Fraunhofer
> Bei der Fraunhofer-Gesellschaft sollen rund 1.200 Vollzeitstellen
> gestrichen werden. Grund für den Sparkurs sei ein Rückgang an Aufträgen.
(IMG) Bild: Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt bei Ihrem Besuch der Fraunhofer Gesellschaft am 25. Februar
Bei der Fraunhofer-Gesellschaft wird der Rotstift angesetzt. Die größte
öffentliche Organisation für angewandte Forschung in Europa muss sparen.
Die Aufträge von staatlichen Kunden sind zurückgegangen. Im Jahr 2025 sei
durch weniger Drittmittelaufträge ein strukturelles Defizit von 2 Prozent
entstanden, das durch den Abbau von rund 1.200 Vollzeitstellen kompensiert
werden soll, teilte Fraunhofer-Präsident Holger Hanselka den Beschäftigten
in einer internen Videokonferenz mit.
„Um Fraunhofer konsequent noch resilienter und wieder finanziell stabil
aufzustellen, müssen wir handeln“, erklärte Hanselka. Beim Personalabbau
solle auf Sozialverträglichkeit geachtet werden. „Bei einer natürlichen
Fluktuation von jährlich rund 8 Prozent ist dies eine lösbare Aufgabe“, so
[1][Hanselka.]
In der Vergangenheit sei ein Teil des Wachstums der
[2][Fraunhofer-Gesellschaft], die 30.900 Beschäftigte hat und 2026 ein
Budget von 3,2 Milliarden Euro, durch „einen überproportionalen Anteil an
öffentlichen Mitteln“ getragen worden, die jedoch „nicht durch
Anschlussfinanzierungen verstetigt werden konnten“, berichtete der
Fraunhofer-Präsident aus der Münchner Zentrale. Vor dem Hintergrund der
aktuellen „Rahmenbedingungen wie steigender Kosten, schwacher Konjunktur,
knapper werdenden öffentlichen Mitteln und geopolitischen Unsicherheiten“
müsse nach neuen Lösungen für eine „langfristige Tragfähigkeit“ gesucht
werden.
Das Modell des Vorstands, das Hanselka präsentierte, nennt sich „Transform
FhG“ und soll über drei Teilprojekte eine Ertragssteigerung,
Effizienzsteigerung und Kostensenkung sowie die Konsolidierung des
Personalhaushalts erreichen.
Neben den bundesweit 75 Instituten soll auch die Zentralverwaltung der
Forschungsorganisation in München auf den Prüfstand gestellt werden. Für
dieses „ZV ReDesign“ genannte Projekt wurde eigens die Unternehmensberatung
Roland Berger engagiert. Die direkten Gespräche mit den Instituten über
Einsparungen sollen noch im Juni beginnen, um zu Ergebnissen bis zum
Jahresende zu kommen. Beratungen mit dem Betriebsrat, vor allem zu den
Veränderungen im Münchner Vorstand, gab es schon im Mai.
Die anstehenden Einschnitte werden auch Gesprächsthema bei der
Fraunhofer-Jahrestagung sein, die am 10. Juni 2026 unter dem Motto
„Transfer für unsere Zukunft“ in Leipzig stattfindet. Einer der Hauptredner
ist Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender der BMW AG und stellvertretender
Vorsitzender des Senats der Fraunhofer-Gesellschaft, dessen Unternehmen
selbst mit einschneidenden Veränderungen in der Mobilitätstechnik befasst
ist. Festlicher Höhepunkt ist die jährliche Verleihung der
Joseph-von-Fraunhofer-Preise an junge und arrivierte Forscher.
Korrekturhinweis: In einer früheren Version war von einem Rückgang der
Aufträge der deutschen Industrie die Rede. Das ist nicht der Fall.
4 Jun 2026
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