# taz.de -- Hindu-Tempel in Neukölln: Eröffnung nach 20 Jahren Bauzeit
> An der Hasenheide wird die Eröffnung des Tempels gefeiert, der für die
> Community große Bedeutung hat. Zuletzt war ein nationalistischer
> Politiker zu Gast.
(IMG) Bild: Der Sri-Ganesha-Hindu-Tempel in Berlin wird heute eröffnet und feiert dies mit mehrtägigen Feierlichkeiten und Ritualen
Jethendra RC steht am Rande der Hasenheide vor dem prunkvoll verzierten
Hindu-Tempel, dessen Turm 17 Meter in die Höhe ragt. Zehn Jahre lang hat er
an dessen Konstruktion mitgearbeitet. In diesem Moment kommt Amit Chougule
aus dem Tempel heraus, in dem gerade ein hinduistisches Ritual begangen
wird. Chougule ist Verantwortlicher für die Gäste des Tempels.
Über Jethendra RC sagt er: „Er ist ein besonderes Mitglied, wir nennen ihn
großer Bruder.“ Dieser reagiert bescheiden, die anderen hätten genauso viel
für den Tempel getan. „Aber niemand so viel wie du“, entgegenet Chougule.
Über 20 Jahre haben sich Planung und Bau des Sri-Ganesha-Hindu-Tempels in
Neukölln gezogen, dem zweiten Hindu-Tempel in Berlin und [1][dem größten
bundesweit]. An diesem Mittwoch wird er eröffnet. Es finden Rituale für
geladene Gäste statt. Am Wochenende sind die Feierlichkeiten dann offen für
alle.
Der Tempel, verziert mit Ornamenten und Götterfiguren, ist Ganesha
gewidmet, einer hinduistischen Gottheit: „Ganesha gilt als Zerstörer von
Hindernissen“, sagt Jethendra, weshalb Hindus anlässlich von Bauarbeiten
zuerst zu Ganesha beten würden.
## 20 Jahre Bau und viele Hürden
„Es waren vielleicht nur 0,001 Prozent, die ich beitragen konnte, aber ich
kam her, wann immer ich Freizeit hatte, um beim Bau zu helfen“, so
Jethendra. [2][Immer wieder stockten die Arbeiten]. Ein Grund für die
Verzögerung des Baus, dessen Finanzierung auf Spenden basierte, war der
mangelnde Geldfluss, so Jethandra „Beim Beginn 2005 standen kaum 20.000
Euro zur Verfügung. Bis zur Fertigstellung sind jetzt mehr als eine Million
Euro ausgegeben worden.“ Jetzt fehle nur noch der Feinschliff, darunter
Wege und die Bepflanzung der Umgebung.
Für Seema Timmawagol, die seit einem Jahr in Berlin lebt und im Rahmen der
Einweihungsfeier Teil des Ritual-Teams ist, hat der neue Tempel eine große
Bedeutung: „Für die Community ist es seit 20 Jahren ein Traum, dass der
Tempel fertig wird. Dabei wurden so viele Steine in den Weg gelegt.“ Sie
denkt zurück an den schlichten Raum, der In Neukölln zuvor übergangsweise
zur Verfügung stand: „Man braucht diese Aura, die der Tempel jetzt hat.“
Jethendra schätzt die Zahl der in Berlin lebenden Hindus auf 47.000.
„Unsere Community wird jetzt einen wunderschönen Ort haben, um
zusammenzukommen, Rituale durchzuführen, Feste zu feiern, zu lernen und die
Kultur weiterzugeben“, sagt er.
Der Tempel sei nicht nur für Hindus, sagt Késhav Greedhur, ebenfalls Teil
des Teams, das sich um die Besucher:innen kümmert. „Ich glaube, es gibt
viele Leute, die Fragen haben. Die Leute hier in der Umgebung können
herkommen und sehen, wofür dieser Tempel steht“. Jethendra ist dankbar für
den Rückhalt der Nachbarschaft: „Sie standen immer hinter uns, all die
Jahre.“
## Hindu-nationalistische Bezüge
Der Tempel an der Hasenheide fällt allerdings auch durch zweifelhafte
Beziehungen auf: Im April hat dort Dattatreya Hosabale gesprochen,
Generalsekretär der Rashtriya Swayamsevak Sangh (RSS). Die „Nationale
Freiwilligenorganisation“, wie RSS auf deutsch heißt, ist eine
hindu-nationalistische Organisation mit teilweise faschistischer Ideologie.
Mit mehreren Millionen Mitgliedern ist RSS de facto die größte
rechtsextreme Organisation der Welt. Sie schürte in der Vergangenheit immer
wieder [3][Hass und Gewalt gegen Muslime.] Sie wird als einer der
Hauptverantwortlichen für die antimuslimischen Pogrome gesehen, die sich ab
1992 im ganzen Land ausgebreitet haben. Ein hindu-nationalistischer Mob
hatte damals die historischen Babri-Moschee zerstört. Die Unruhen forderten
Tausende Tote, mehrheitlich Muslime.
Den Neuköllner Tempel hat Generalsekretär Hosabale im Rahmen des
100-jährigen Bestehens von RSS besucht. Laut Angaben des deutschen Zweigs
Hindu Swayamsevak Sangh (HSS) kamen etwa 200 Personen zu der Veranstaltung.
Der Tempel war dabei nicht die einzige Station bei dem Berlin-Besuch: Es
soll laut RSS auch Treffen in der CDU-Parteizentrale sowie mit mehreren
Mitgliedern des Abgeordnetenhauses gegeben haben.
3 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Luzie Fuhrmann
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