# taz.de -- OB-Wahl in Görlitz: Kein Naturgesetz
       
       > Der CDU-Oberbürgermeister verteidigt sein Amt gegen eine starke AfD. Es
       > zeigt: Kluge Bündnisse der demokratischen Parteien können sie stoppen.
       
 (IMG) Bild: Der Oberbürger von Görlitz nach seiner Wiederwahl: Octavian Ursu, CDU
       
       An passenden Sprichwörtern mangelt es nicht. „Einigkeit macht stark“ etwa,
       oder „Nichts verbindet mehr als gemeinsame Feinde“. In Görlitz an der Neiße
       haben die politischen und zivilgesellschaftlichen Kräfte seit der
       Oberbürgermeisterwahl 2019 jedenfalls gleich zwei Lektionen gelernt:
       Uneiteler Verzicht auf aussichtslose Kandidaturen und parteiübergreifende
       Unterstützerbündnisse können auch vermeintlich aussichtsreiche
       AfD-Kandidaten stoppen. Und der Rückzug für einen integrationswilligen,
       verbindlichen und mehrheitlich anschlussfähigen Kandidaten kann ungeachtet
       politisch-inhaltlicher Differenzen ein Dienst am Gemeinwesen bedeuten.
       
       Der momentan unaufhaltsam scheinende Durchmarsch der AfD ist kein
       Naturgesetz. Görlitz ist es nach sieben Jahren zum zweiten Mal gelungen,
       Sebastian Wippel von der AfD bei der Stichwahl am Sonntag auf 10
       Prozentpunkte Abstand gegenüber [1][Amtsinhaber Octavian Ursu von der CDU
       zu halten]. Wippel muss das so frustriert haben, dass er dem Wahlsieger
       nicht einmal gratulierte und den Görlitzern unterstellte, sie wollten ein
       „Weiter so“ und wüssten nicht, was gut für sie sei.
       
       Die 55.000-Einwohner-Stadt Görlitz verdient diese Aufmerksamkeit, weil sie
       sich zu einer Art Frontstadt im Kampf der AfD um Aufstieg und Prestige
       entwickelte. Deren Co-Vorsitzender Tino Chrupalla nahm 2017 dem damaligen
       CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer kurz vor dessen Wahl zum
       sächsischen Ministerpräsidenten den sicher geglaubten Wahlkreis ab. „Auch
       ein Besenstiel wäre gewählt worden“, wurde damals mit Blick auf Chrupallas
       Qualitäten und die Wechselstimmungslage gewitzelt.
       
       Aus der gleichen Stimmung heraus aber schaffte es ein Unterstützerbündnis
       zum zweiten Mal, den CDU-Kandidaten Octavian Ursu dennoch ins Rathaus zu
       bringen. Die Grünen und die Wählervereinigungen „Motor für Görlitz“ und
       „Bürger für Görlitz“ standen ebenfalls hinter ihm. [2][Verhinderung ist per
       se noch keine Politik]. Spätestens aber seitdem die AfD in Sachsen-Anhalt
       ihre Machtergreifungsfantasien offenbart hat, ist sie für die Demokratie
       essenziell geworden.
       
       1 Jun 2026
       
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