# taz.de -- Nominiert für den panterpreis 2026: Eine Sendung für Austausch im Kiez
       
       > Von der Marzahner Nachbarin über einen Grünen-Politiker bis zur Band aus
       > Aleppo: In der Sendung Radio Connection kommen sie alle zu Wort.
       > Aufgenommen wird in einer Geflüchtetenunterkunft.
       
 (IMG) Bild: Man kennt sich: Inzwischen haben sich Sendung und ihre Macher:innen in Nachbarschaft etabliert
       
       [1][taz panterpreis] | Eine mehrsprachige Radiosendung auf Deutsch und
       Arabisch, Farsi oder Französisch? Konzipiert und produziert in einer
       Geflüchtetenunterkunft? Gemeinsam von Geflüchteten und Menschen ohne
       Fluchterfahrung? Mit Stimmen, die sonst vielleicht kaum jemand hört? Die
       von Blickwinkeln berichtet, die andere Medien gar nicht einfangen können?
       Und die die Nachbarschaft zusammenbringt?
       
       Genau das ist [2][Radio Connection]. Seit 2019 gibt es das Projekt in
       Berlin-Marzahn. Und seitdem wird jeden Donnerstag von 15 bis 16 Uhr eine
       Sendung im freien Radio Berlin-Brandenburg ausgestrahlt, die auch
       nachträglich auf der eigenen Website zu hören ist.
       
       ## Ein Zelt im Zimmer
       
       Die Themen sind vielfältig: mal geht es um die Situation der Frauen in
       Afghanistan, mal um die politische Lage in Iran, um Umweltthemen, queeres
       Leben in Marzahn oder das Asylrecht in Deutschland. Regelmäßig sitzen
       unterschiedliche Gäste bei Radio Connection am Mikro; vom Grünen-Politiker
       bis zur Band aus Aleppo. Ausgestrahlt wird abwechselnd eine offene Sendung
       und eine Episode der Reihe „Marzahn am Mikro“.
       
       Aufgenommen wird in einer Geflüchtetenunterkunft. Mittlerweile hat die
       Redaktion dafür sogar ihr eigenes Studio. Das war nicht immer so. „Am
       Anfang mussten wir bei jeder Aufnahme neu auf- und abbauen“, erzählt
       Susanne Bayer. Sie hatte 2016 die Idee für Radio Connection. „Da die Räume
       in der Unterkunft extrem glatt waren und die Akustik dadurch extrem
       schlecht, haben wir immer noch ein Zelt im Raum aufgebaut, um darin unsere
       Sendungen aufzunehmen.“
       
       ## Aufgenommen in einer Geflüchtetenunterkunft
       
       Gestartet hat Radio Connection als „Kunst am Bau“-Projekt, das der Senat im
       Rahmen der ersten zehn Modularen Geflüchtetenunterkünfte ausgeschrieben
       hatte. „Die Menschen brauchten nicht Gestaltung an Wänden und
       Treppenhäusern, sondern Unterstützung, um anzukommen“, sagt Bayer. Sie
       schlug eine regelmäßige Radiosendung als partizipatives Projekt für
       Bewohner:innen und Nachbarschaft vor und gewann. Der Verein radio
       connection e.V. wurde gegründet, ein mobiles Studio angeschafft und ein
       Team zusammengestellt, das Radios in die Gemeinschaftsküchen hing.
       
       Heute sitzen jeden Donnerstag von 16 bis 19 Uhr mindestens 25 Leute im
       offenen Redaktionstreffen zusammen, schlagen Themen vor und planen die
       wöchentlichen Sendungen. Auch eine Sendungskritik gehört dazu. „Es soll
       keine Hierarchien geben“, sagt Bayer. „Die Gruppe entscheidet zusammen über
       Themen, es gibt keine Chefredaktion. Für manch einen Journalisten aus dem
       Ausland ist das erstmal ungewohnt.“
       
       Auch Schnitt und Übersetzungen werden wenn möglich im Team gemacht. Denn
       die Sendungen sind immer zweisprachig, auf Deutsch und einer weiteren
       Sprache. Der größte Teil der Redaktion arbeitet ehrenamtlich. Nur um die
       Technik kümmern sich zwei Tontechniker. Und eine Halbzeitstelle für die
       Koordinierung gibt es. Susanne Bayer kümmert sich unter anderem um
       Förderungskonzepte. Denn: „Ohne können wir das Projekt nicht
       aufrechterhalten.“
       
       ## Austausch in der Nachbarschaft
       
       Und das wäre ein Verlust für den Kiez. Denn bei Radio Connection geht es
       nicht nur um spannende Unterhaltung und informative Sendungen. Es bedeutet
       auch Austausch in der Nachbarschaft, neue Kulturen und andere Blickwinkel
       kennenlernen. Und das in einem Kiez, in dem es zu Beginn große Proteste
       gegen die Geflüchtetenunterkünfte gab. Mittlerweile aber habe sich Radio
       Connection richtig etabliert, erzählt Bayer. Wenn sie Gesprächsanfragen in
       der Nachbarschaft stellten, komme oftmals die Rückmeldung: „wir kennen
       euch.“
       
       Radio Connection ist übrigens offen für alle, die Lust haben, Radio zu
       machen. Ob mit oder ohne Migrationserfahrung, ob professionelle:r
       Journalist:in oder komplett unerfahren. Jede:r ist willkommen.
       
       1 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /!v=4269299f-23bb-40f2-a4ea-2b1b1ae40192/
 (DIR) [2] https://www.radioconnection-berlin.de/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ruth Lang Fuentes
       
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