# taz.de -- Öffnungszeiten am Sonntag: Spätibesitzer plant Volksbegehren
> Spätis kämpfen seit Jahren ums Überleben. Nun soll ein Volksbegehren
> weiter helfen: Der Spätverkauf soll auch an Sonn- und Feiertagen öffnen
> dürfen.
(IMG) Bild: Spätis prägen vor allem in der Innenstadt Berlin
Es ist ruhig im Späti von Alper Baba in Neukölln. Wenn man in den Laden
hineingeht, steht einer seiner Mitarbeiter hinter der Theke des kleinen,
aber sehr aufgeräumten Ladens in der Silbersteinstraße. Seitlich gibt es
Bierbänke, denn wie viele Kiezspätis lädt auch dieser zum Verweilen ein –
jedoch nur montags bis samstags. Genau das möchte Baba ändern, der auch
Vorsitzender des Berliner Späti-Vereins ist: Er fordert mit seinen
Kollegen, dass Spätis auch sonntags öffnen dürfen, genauso wie Tankstellen
oder auch Bahnhofsgeschäfte. Dafür planen sie ein Volksbegehren.
„Wir sehen uns nicht als Einzelhandel, sondern als eine Kultur, die sich
Berlin hart erarbeitet hat“, sagt er der taz, „wer Berlin sagt, denkt
sofort an Spätis.“ Die – offiziell Spätverkaufsstellen genannt – wurden in
der DDR überwiegend von Schichtarbeitern genutzt, um sich zu jeder
Tageszeit mit Lebensmitteln versorgen zu können. Das gab es damals in
Westberlin nicht. [1][Heute müssen sie aufgrund des Ladenöffnungsgesetzes
an Sonn- und Feiertagen geschlossen bleiben.]
Etwas versteckt in einer Seitenstraße sitzen auf einer Bank des Spätis eine
Frau und ein Mann. Sie unterhalten sich, rauchen und trinken etwas. Sie
arbeitet in Babas Späti, er schaut gerne vorbei. Sie haben auch schon vom
geplanten Volksbegehren des Späti-Vereins gehört. [2][„Das ist ein sozialer
Treffpunkt“], so die Frau. Sie kenne den Laden seit 2016. Alleinstehende
und ältere Menschen kämen häufiger her, schon wegen der Begegnungen dort:
Finanziell schlechter aufgestellte Personen wie
Bürgergeldempfänger*innen oder auch Rentner*innen hätten kaum
noch Möglichkeiten, an einem Sozialleben teilzunehmen, das Geld kostet.
Manchmal würden auch Menschen, die körperlich eingeschränkt sind, sogar die
Preise verschiedener Spätis vergleichen und für einen günstigeren den
anstrengenderen längeren Weg in Kauf nehmen. Den Unterschiede gebe es
schon,, „manchmal bei 20 Cent pro Flasche“, meint die Frau sie. Die
Nachfrage aber, ob es ein hohes Konkurrenzdenken unter den Spätis gibt,
verneint sie. Es gebe unter den Besitzer*innen ein solidarisches
Miteinander. „Wir nennen uns auch liebevoll Kiezfamilie.“
## Hohe Lebensmittelpreise für den Spätverkauf
Spätis seien ein Familienbetrieb, sagt auch Volksbegehren-Planer Baba. Die
hohen Lebensmittel-, Energie- sowie Gaspreise würden ihnen stark zu
schaffen machen. „Wir sind mit vielen Menschen in Kontakt, die bereits ihre
Läden schließen mussten“, sagt er. „Auch jetzt habe ich im Verein mit
Menschen zu tun, die darüber nachdenken, ihr Geschäft aufzugeben.“ Daher
sei es wichtig, dass ihre Betriebe auch sonntags öffnen könnten. Denn
Sonntage seien die verkaufsstärksten Tage.
Bisher können Spätis zwar am Sonntag öffnen – aber nur, wenn sie als
„Mischbetriebe“ gelten. Das ist der Fall, wenn sie mit entsprechender
Erlaubnis als Einzelhandel Brötchen verkaufen und Bier als Gaststätte.
Beide Betriebe können nach der aktuellen Rechtslage auf der gleichen
Gewerbefläche sein. Entscheidend ist, dass – wie in einer Gaststätte –
Getränke und Speisen zum sofortigen Verzehr bestimmt sind.
Angemeldet hat der Späti-Chef und Vereinsvorsitzende Baba das Volksbegehren
noch nicht. Man stimme sich im Verein noch mit Rechtsanwält*innen über
die Sonntagsöffnung ab, sagt er. Vor seinem Geschäft sitzen währenddessen
die Kunden weiter in der Sonne – es ist schließlich Donnerstag und nicht
Sonntag.
28 May 2026
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## AUTOREN
(DIR) Albertina Pangula
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