# taz.de -- +++ Nachrichten zum Nahostkonflikt +++: Israel greift in Südlibanon weiter an
       
       > Trotz der nominell geltenden Waffenruhe rückt die israelische Armee in
       > Libanon vor und ruft zur Räumung auf. Viele Bewohner ergreifen die
       > Flucht.
       
 (IMG) Bild: Diese Wohnung wurde bei einem israelischen Luftangriff in der südlichen Hafenstadt Sidon getroffen
       
       ## Israels Armee greift erneut im Südlibanon an
       
       Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut im Süden Libanons
       Stellungen der proiranischen Hisbollah-Miliz angegriffen. Es sei
       „Infrastruktur“ der Schiitenmiliz in der Stadt Tyrus attackiert worden,
       teilte die Armee am frühen Morgen mit. Zu möglichen Opfern gab es zunächst
       keine Informationen. Zugleich meldete die Armee, ein mutmaßlicher
       Drohnenangriff auf israelische Truppen im Süden des Nachbarlandes sei
       abgewehrt worden. Das „verdächtige“ Flugobjekt sei über einem Gebiet
       abgefangen worden, in dem Israels Soldaten im Einsatz seien. Die Angaben
       ließen sich nicht unabhängig überprüfen.
       
       Eigentlich [1][gilt seit Mitte April eine Waffenruhe]. Darauf hatten sich
       die israelische und die libanesische Regierung, die selbst keine
       Konfliktpartei in dem Krieg ist, geeinigt. Die Hisbollah selbst lehnt
       Verhandlungen mit Israel ab. Faktisch läuft der Krieg ohnehin weiter.
       Zuletzt hatte sich die Lage erneut deutlich zugespitzt. (dpa)
       
       ## Israels Militär ruft Menschen in Südlibanon zur Flucht auf
       
       Israel weitet seine Militäroffensive im benachbarten Libanon nach heftigen
       Gefechten mit der Hisbollah wieder aus. Am Mittwochabend teilten die
       israelischen Streitkräfte mit, sie würden in Südlibanon mit extremer Härte
       gegen die [2][mit Iran verbündete Schiitenmiliz] vorgehen, und riefen
       Bewohner der Region auf, ihre Dörfer zu verlassen. Zuvor hatte das Militär
       bereits Einwohner der Städte Tyrus und Nabatija und umliegender Orte zur
       Flucht aufgerufen. Es waren die ersten derartigen Evakuierungsaufrufe seit
       Beginn einer Waffenruhe am 17. April. Die Gefechte zwischen Israel und der
       Hisbollah haben aber nie aufgehört. Zuletzt hatten israelische Truppen den
       Fluss Litani überquert und sich der Stadt Nabatija genähert.
       
       Mussa Nasrallah vom libanesischen Zivilschutz sagte der Nachrichtenagentur
       AP am Mittwochabend, es habe mindestens vier israelische Angriffe in der
       Nähe der Stadt Tyrus gegeben, seit das israelische Militär wenige Stunden
       zuvor die Einwohner zur Flucht aufgerufen hatte. Auf den Straßen bei Tyrus
       bildeten sich Staus, als Einwohner versuchten, mit Autos Richtung Norden zu
       fliehen. Diejenigen, die nirgendwohin könnten, würden in der Stadt bleiben,
       sagte Nasrallah. Er und andere Helfer würden älteren Menschen helfen, aus
       der umliegenden Provinz nach Tyrus zu gelangen. Mit den eigenen Autos
       Flüchtende nach Norden zu bringen, sei nicht möglich, weil man dann nicht
       den Verwundeten vor Ort helfen könne, sagte Nasrallah.
       
       Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah flammte am 2. März wieder
       auf, als die schiitische Miliz aus Solidarität mit Iran Raketen auf
       Nordisrael abfeuerte. Seitdem sind in Libanon über eine Million Menschen
       vertrieben worden. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums
       wurden bei israelischen Angriffen über 3.200 Menschen getötet. Viele
       Vertriebene schlafen in öffentlichen Schulen, die zu Notunterkünften
       umfunktioniert wurden, oder in Zelten, die in Lagern in der libanesischen
       Hauptstadt Beirut aufgestellt wurden. Seit [3][Beginn der Waffenruhe] hat
       Israel Beirut nicht mehr angegriffen. Eine Forderung Irans bei den
       Verhandlungen über ein Ende des Krieges mit den USA und Israel ist auch,
       dass der Krieg in Libanon beendet wird. (ap)
       
       ## USA greifen erneut den Iran an. Teheran meldet Vergeltungsschlag gegen
       US-Stützpunkt
       
       Der Irankrieg droht trotz der eigentlich geltenden Waffenruhe erneut zu
       eskalieren: Bereits zum zweiten Mal in dieser Woche griffen die USA in der
       Nacht zum Donnerstag Iran an. Dieser reagierte nach eigenen Angaben mit
       einem Vergeltungsschlag auf den US-Stützpunkt, von dem aus Iran angegriffen
       worden sei. Bei den neuerlichen US-Angriffen wurden nach Angaben eines
       US-Regierungsvertreters im Süden Irans unter anderem vier iranische Drohnen
       abgeschossen. „Zudem griffen die US-Streitkräfte einen iranischen
       Stützpunkt in Bandar Abbas an, von dem gerade eine fünfte Drohne gestartet
       werden sollte“, erklärte der Regierungsvertreter.
       
       Die iranischen Drohnen hätten „eine Gefahr“ für die Straße von Hormus
       dargestellt. Die US-Angriffe seien „begrenzt und rein defensiv“ gewesen,
       betonte der Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte. Ziel sei es
       gewesen, den derzeit geltenden Waffenstillstand „aufrechtzuerhalten“.
       Iranische Medien berichteten von drei starken Explosionen in der Nähe von
       Bandar Abbas, einer Hafenstadt im Süden des Landes. Die Explosionen
       ereigneten sich demnach am Donnerstagmorgen gegen 01.30 Uhr (Ortszeit,
       00.00 Uhr MESZ).
       
       Als Vergeltung für nächtliche Angriffe auf sein Territorium attackierte
       Iran dann kurz vor 5 Uhr nach Angaben des staatlichen Fernsehens einen
       US-Stützpunkt. „Nach der heutigen Aggression des feindlichen US-Militärs
       mit Luftgeschossen auf einen Ort am Rande des Flughafens Bandar Abbas wurde
       der US-Luftwaffenstützpunkt ins Visier genommen, der als Ausgangspunkt des
       Angriffs diente“, zitierte das Fernsehen aus einer Erklärung der
       Revolutionsgarden. Angaben zum Ort des US-Stützpunktes wurden nicht
       gemacht. Allerdings meldete das mit Washington verbündete Golfemirat
       Kuwait, in dem US-Soldaten stationiert sind, Drohnen- und Raketenangriffe
       auf sein Land. „Die kuwaitische Luftverteidigung bekämpft derzeit
       feindliche Raketen- und Drohnenangriffe“, teilten die Streitkräfte des
       Landes im Onlinedienst X mit. (afp)
       
       ## Trump noch nicht zufrieden mit Iranverhandlungen
       
       Aus der Sicht von US-Präsident Donald Trump ist der Verhandlungsstand zu
       einem möglichen Ende des Irankriegs noch nicht zufriedenstellend. In einer
       Sitzung seines Kabinetts im Weißen Haus sagte der Republikaner, Iran sei
       sehr entschlossen: „Sie wollen unbedingt ein Abkommen schließen.“ Die
       US-Regierung sei damit aber noch nicht „zufrieden“. Trump erneuerte die
       Drohung, dass man entweder einen Deal abschließen oder weiter kämpfen werde
       – er sprach davon, dann „die Sache zu Ende“ zu bringen. Damit ist weiterhin
       unklar, ob es zu einem Rahmenabkommen zwischen Iran und den USA kommen
       wird.
       
       Trump hatte am Wochenende Hoffnungen auf eine schnelle Einigung geweckt,
       diese aber später wieder etwas gedämpft, indem er sagte, beide Seiten
       müssten sich die nötige Zeit nehmen. Die USA hatten an der Seite von Israel
       am 28. Februar den Krieg gegen den Iran begonnen. Eine Kernforderung der
       USA ist es, dass das Land niemals in den Besitz einer Atomwaffe kommen
       dürfe. Trump verneinte, dass es mögliche Sanktionslockerungen für Iran
       geben könnte. „Nein, wir sprechen nicht über irgendeine Lockerung von
       Sanktionen“, sagte der Republikaner in der Kabinettsitzung. Auch über
       Gelder, die Iran für sich beanspruche, habe man im Moment weiter die
       Kontrolle. (dpa)
       
       ## Erneut libanesischer Soldat bei israelischem Angriff getötet
       
       Bei einem israelischen Angriff in Libanon ist nach Armeeangaben erneut ein
       Soldat getötet worden. Er sei bei einem Angriff nahe der Stadt Nabatija in
       Südlibanon getötet worden, teilte die libanesische Armee mit. Das
       israelische Militär äußerte sich zunächst nicht. Erst am Dienstag war bei
       einem Angriff ein Soldat getötet worden. Er sei bei einem israelischen
       Angriff in der Bekaaebene ums Leben gekommen, teilte die Armee mit. Sein
       Leichnam konnte am Nachmittag geborgen werden. Das israelische Militär
       teilte mit, die Angelegenheit zu prüfen. (dpa)
       
       ## Kallas: Anhaltender Krieg in der Golfregion ist „in niemandes Interesse“
       
       Vor dem Hintergrund der jüngsten Angriffe der USA und Irans hat die
       EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas von einer „sehr gefährlichen Zone“ zwischen
       Krieg und Frieden gewarnt. „Es liegt in niemandes Interesse, dass dieser
       Krieg weitergeht“, sagte Kallas am Donnerstag vor einem Treffen der
       EU-Außenminister im zyprischen Limassol. Es liege „wirklich im Interesse
       aller, dass die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus
       respektiert wird“, verdeutlichte sie. Im seit drei Monaten andauernden
       Irankrieg gilt eigentlich seit dem 8. April eine Waffenruhe. Die USA
       griffen in der Nacht allerdings erneut Ziele in Iran an. Teheran reagierte
       nach eigenen Angaben mit einem Vergeltungsschlag auf einen US-Stützpunkt.
       
       „Alle bezahlen einen sehr hohen Preis“, sagte Kallas zu der weitgehenden
       Blockade der Straße von Hormus. Es heiße seit „einiger Zeit“, dass ein
       Abkommen über einen Waffenstillstand „sehr nahe“ an einem Abschluss sei. Im
       Falle eines solchen Abkommens müsste danach die Frage nach dem iranischen
       Atomprogramm verhandelt werden. Hier könne Europa mit seinen Experten
       „einen Beitrag leisten“. (dpa)
       
       ## Straße von Hormus: US-Finanzministerium verhängt Sanktionen gegen
       iranische Behörde
       
       Das US-Finanzministerium verhängt Sanktionen gegen die von Iran neu
       gegründete Behörde zur Kontrolle der Straße von Hormus. „Der jüngste
       Versuch des iranischen Militärs, den globalen Seehandel zu erpressen, ist
       ein Beweis dafür, dass die,Economic Fury' das Regime in eine verzweifelte
       Geldnot getrieben hat“, erklärte Finanzminister Scott Bessent am Mittwoch
       (Ortszeit). Die Bezeichnung „Economic Fury“ meint die Ausübung von großem
       wirtschaftlichen Druck auf den Iran – angelehnt an den Namen „Epic Fury“,
       den die US-Regierung dem Militäreinsatz gegen Iran verliehen hat. Iran
       hatte zuletzt eine Behörde zur Kontrolle der Straße von Hormus gegründet,
       die Gebühren für die Durchfahrt durch die strategisch wichtige Meerenge
       erhebt. Der Erklärung des US-Finanzministeriums zufolge drohen die
       Sanktionen auch denen, die diese Gebühren zahlen, da dadurch
       „möglicherweise“ die iranischen Revolutionsgarden „unterstützt“ und
       „Dienstleistungen von ihnen“ erhalten würden. (afp)
       
       28 May 2026
       
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