# taz.de -- Windkraft-Ausbau in Schleswig-Holstein: Nabu kritisiert „Goldgräberstimmung“
       
       > Weil es in Schleswig-Holstein derzeit keine gültigen Regionalpläne für
       > den Bau von Windparks gibt, dürfen diese prinzipiell überall geplant
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Gibt zwar ein Postkartenmotiv her, ist aber nicht überall erwünscht: Windpark
       
       Windräder in einer moorigen Niederung, in der Singschwäne und Gänse rasten
       – mit Sorge betrachtet der Naturschutzbund (Nabu), wo in Schleswig-Holstein
       zurzeit Windparks geplant sind. In den Gemeinden herrsche
       „Goldgräberstimmung“, kritisiert Fritz Heydemann, stellvertretender
       Vorsitzender des Nabu-Landesverbandes.
       
       Der Run auf neue Flächen ist möglich, weil das Land zurzeit keine gültigen
       Regionalpläne für den Ausbau neuer Windparks hat. Stattdessen gilt die
       sogenannte Öffnungsklausel. Sie gebe den Gemeinden einen „positiven
       Handlungsspielraum“, heißt es vom [1][Landesverband erneuerbare Energie
       (LEE)].
       
       Der Nabu [2][spricht von „rücksichtslosen Planungen“]. Das Land, das die
       Pläne genehmigen muss, verweist auf die allgemeinen Regeln für Natur- und
       Flächenschutz.
       
       Dass Gemeinden gegen geltendes Recht verstoßen würden, sagt der Nabu zwar
       nicht. Aber es herrsche „planerischer Wildwuchs“, bei dem Grenzen
       ausgereizt werden. Denn es gehe ums Geld, sagt Fritz Heydemann: „Investoren
       sehen die Chance, die Gemeinden zur Planung entsprechender Windparks zu
       bewegen, unterfüttert mit in Aussicht gestellten üppigen finanziellen
       Beteiligungen bis hin zu Geldgeschenken.“
       
       ## Windparks bringen Geld
       
       Marcus Hrach, LEE-Landesvorsitzender, widerspricht: Anstelle einzelner
       Investor:innen herrsche eine große Vielfalt von Akteur:innen.
       „Insbesondere an der Westküste ist die Bürgerenergie stark vertreten“ –
       gemeint sind kommunale Genossenschaften, in die nur Einheimische eintreten
       dürfen.
       
       Das Innenministerium teilt mit, dass keine gesicherten Erkenntnisse
       vorlägen: Welche Grundeigentümer:innen oder Investor:innen von
       gemeindlichen Windenergieplanungen profitierten, müssten die Kommunen nicht
       mitteilen. Doch grundsätzlich gilt: Windparks bringen Geld, nicht nur für
       Privatleute, sondern auch für die Gemeinden, die sich über Steuereinnahmen
       freuen und [3][darum Planungen vorantreiben].
       
       Auch das Land will und muss mehr Flächen für Windkraft freigeben. Es geht
       um Landstrom; Offshore-Flächen vor den Küsten [4][unterliegen nicht dem
       Landesrecht].
       
       Schleswig-Holsteins schwarz-grüne Regierung spricht schon lange davon, dass
       die zwei Prozent Fläche, die jedes Bundesland für die nachhaltige
       Energiegewinnung zur Verfügung stellen muss, erreicht sind.
       
       Allerdings messen die selbst ernannten Windkraft-Musterschüler:innen nach
       der „Rotor-in“-Methode, bei der anstelle der Standfläche die gesamte Länge
       der Rotorblätter angerechnet wird. Nach diesem Maß braucht
       Schleswig-Holstein daher mehr Fläche für Windräder. Es fehlt auch noch
       einiges, um bis 2030 auf die Zielmarke von 15 Gigawatt installierte
       Leistung zu kommen.
       
       Laut Homepage des grün geführten Umwelt- und Energiewendeministeriums
       drehen sich in Schleswig-Holstein rund 3.200 Windräder mit einer Leistung
       von neun Gigawatt Strom. Knapp 500 weitere Anlagen sind genehmigt. 89
       weitere Anträge liegen im Innenministerium, das die Genehmigungen erteilt,
       vor.
       
       Einige Parks sollen auf Flächen entstehen, die das Land früher
       ausgeschlossen hatte, meist aus Gründen des Natur- oder Artenschutzes, sagt
       Ministeriumssprecher Tim Radke. Diese Anträge zu stellen, sei das Recht der
       Gemeinden, aber aus Sicht der Landesregierung sei „eine einheitliche
       Planung unter der Berücksichtigung der Schutzbelange von Mensch, Natur und
       Tier eindeutig zu bevorzugen“.
       
       Doch ihre Windkraft-Planung ist Schleswig-Holsteins Regierungen in den
       vergangenen Jahren mehrfach um die Ohren geflogen: Gerichte hoben [5][die
       Regionalpläne, die detailliert Flächen vorgeben, wieder auf, zuletzt 2024].
       Geklagt hatten Anwohner:innen, teils weil sie mehr, teils weil sie weniger
       Windkraft wollten. Immerhin hat die Regierung Mitte Mai eine [6][Neufassung
       seines Landesentwicklungsplans beschlossen].
       
       Keine Solarparks in Naturschutzgebieten 
       
       Auch die überarbeiteten Regionalpläne sollen im Lauf des Jahres fertig
       werden. Anträge der Gemeinden, die bis dahin nicht rechtsgültig sind, wären
       damit vom Tisch.
       
       Der Konflikt zwischen Energiewende und dem Schutz unberührter Flächen
       betrifft auch die Solarparks. Deren Ausbau haben die Kommunen allein in der
       Hand – allerdings gelten dabei Regeln, teilt das Ministerium mit.
       
       In Gebieten, die für Natur- und Landschaftsschutz sowie Tourismus oder
       Erholung vorgesehen sind, dürfen keine „raumbedeutsamen
       Solar-Freiflächenanlagen“ gebaut werden. Auch regionale Grünzüge, durch die
       sich Wild von Ort zu Ort bewegt, sind tabu. Bevorzugt werden zurzeit
       dagegen die Streifen neben Autobahnen oder Bahntrassen mit Photovoltaik
       belegt.
       
       26 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.lee-sh.de/verband/
 (DIR) [2] https://schleswig-holstein.nabu.de/politik-und-umwelt/energie/windenergie/index.html
 (DIR) [3] /Studie-zur-regionalen-Energiewende/!6177792
 (DIR) [4] /Offshore-Windflaechen-Total-Energies-und-BP-verlieren-Interesse-an-ersteigerten-Seegebieten/!6180189
 (DIR) [5] /Gericht-stoppt-Regionalplan/!5997143
 (DIR) [6] /Schleswig-Holsteins-Regionalplanung/!5981659
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Offshore-Windkraft: Ohne Förderung geht's nicht
       
       Manche Unternehmen haben sich verkalkuliert und zögern nun, eine Anlage zu
       bauen. Aber sie sollten Flächen für das Allgemeinwohl zurückgeben können.