# taz.de -- Wassertourismus in Berlin: Berlin ködert Touristen
> Wirtschaftssenatorin und die Tourismusgesellschaft läuten Aktionsmonat
> für nachhaltigen Wassertourismus ein. Teilnahme ist einfach und wird
> belohnt.
(IMG) Bild: Gehen vielleicht auch mal zusammen baden: Sabine Wendt, Rikke Holm Petersen, Franziska Giffey ( v. l. n. r.)
Nahezu geräuschlos gleitet das Solarschiff „Hermine“ durch die Spree. Mit
an Bord: Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Passend zum Thema der
schwimmenden Pressekonferenz trägt sie einen blauen Zweiteiler. Zusammen
mit der Geschäftsführerin der Tourismusgesellschaft visitBerlin läutet
Giffey einen Tag vor Himmelfahrt den Beginn des Aktionsmonats „Nachhaltiger
Wassertourismus“ ein. Bis zum 14. Juni soll der gehen, eine Verlängerung
ist denkbar. Auch Berlins erster digitaler Gewässeratlas, der einen
Überblick über Badeanstalten, Restaurants und Cafés an den Gewässern gibt,
wird von Bord aus freigeschaltet.
„Tu Gutes für Gutes“ ist das Motto des Aktionsmonats, rund 40 Unternehmen
beteiligen sich an dem Pilotprojekt. Zielgruppe sind nicht nur Touristen,
sondern auch alteingesessene Berlinerinnen und Berliner. Die Anforderungen
sind denkbar gering. Wer mit dem Fahrrad oder der Bahn anreist oder etwas
für den Schutz der Gewässer tut, sei es Müll aus dem Wasser fischen, Blumen
pflanzen oder sich bei einem geführten Spaziergang an der Havel einfach nur
bildet, bekommt eine kleine Belohnung.
Was sich im ersten Moment nach einer richtig guten Idee anhört, entpuppt
sich beim näheren Hinsehen als Berlin-Marketingaktion mit Ökotouch.
Messbare Ergebnisse, im Sinne von saubereren Havelstränden und weniger Müll
im Wannsee werde die Aktion nicht haben, räumt die Wirtschaftssenatorin
ein. Das sei auch gar nicht das Ziel. „Wir wollen nicht die BSR ersetzen.“
Vielmehr gehe es darum, Menschen zu motivieren, mehr für ihre Umgebung zu
tun.
Auf Nachfrage der taz wird Giffey konkreter. Das Pilotprojekt sei in etwa
vergleichbar mit der Aktion Kehren-Bürger. Kehren-Bürger sind Anwohnerinnen
und Anwohner, die in ihren Wohnkiezen Straßenputztage organisieren. Die BSR
stellt dafür Besen, Zangen und Müllbeutel zur Verfügung. Das seien
motivierte Leute, so Giffey, „aber von den Kehren-Bürgern erwartet auch
niemand, dass sie die Verantwortung für die Stadtsauberkeit übernehmen.“
## Werbeblock mit Glückwünschen
Die „Hermine“ hat inzwischen den Treptower Park erreicht und wendet. Nach
Giffey ergreift Sabine Wendt, Geschäftsführerin von visitBerlin das Wort.
„Sensibilisieren und unsere Wirtschaft mit den Angeboten stärken“ sei das
Ziel, betont Wendt.
Die Tourismusmanagerin von Kopenhagen, Rikke Holm Petersen, groß,
graublond, Pferdeschwanz, Jeans und Jackett, beendet den Werbeblock an Bord
mit Glückwünschen. Die dänische Hauptstadt war 2024 mit einer ähnlichen
Aktion Vorreiter und damit Vorbild für visitBerlin. Ihre Erfahrung sei,
dass Besucher „hoch motiviert“ seien und bereit, etwas zurückzugeben, sagt
Holm Petersen. „Wir glauben, dass Tourismus eine Kraft für positiven Wandel
sein kann.“
40 Unternehmen, von Hotels, über Kanuvermieter, Restaurants und Biergärten
beteiligen sich an dem Aktionsmonat. Die einzelnen Mitmachangebote loben
sie direkt aus und belohnen sie auch. Von rund 5.000 Einzelaktivitäten ist
die Rede. Interessierte müssen sich für die Aktionen vorher anmelden. Eine
[1][Übersicht über alle Projekte] gibt es auf [2][der Website] von
visitBerlin, die das Projekt koordiniert
Die Reederei Hadynski etwa gewährt bei Anreise mit Rad oder Zug 25 Prozent
Rabatt auf ihre Schiffsrundfahrten. Gäste des Hotels Stadtbad Oderberg, die
mehr als drei Nächte bleiben, können gratis am Nachtschwimmen teilnehmen.
„Wer länger bleibt, reist nachhaltiger“, erklärt eine Mitarbeiterin des
Hotels bei der Pressekonferenz. Das Strandbad Plötzensee belohnt Mithilfe
beim Pflanzengießen oder Unterstützung von mobilitätseingeschränkten
Menschen am See mit einem Freiticket.
## Schon länger im Programm
Die „Hermine“ ist wieder an ihrer Anlegestelle am Märkischen Ufer
angekommen. Unter den Leuten, die von Bord gehen, ist auch der Inhaber von
Kayak Berlin Tours, Michael Scheel. Seine 30 Kajaks liegen am Urbanhafen in
Kreuzberg. Begleitete Clean-up-Touren im Landwehrkanal habe er schon länger
im Programm, erzählt Scheel. Was man da so alles heraushole:
Drogenspritzen, Lachgasluftballons, E-Scooter. Ein Dildo sei schon
dabeigewesen. Oder ein Autoatlas von 1983. Sogar eine Pistole hätten sie
schon aus dem Wasser gezogen.
Im Aktionsmonat bietet Scheel vergünstigte Clean-up-Touren an. Boote mit
dem kuriosesten Müll erhalten Gutscheine für Touren. Das sei bei ihm schon
immer so, sagt Scheel. Am Wochenende gibt es noch freie Plätze.
14 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.visitberlin.de/de/berlinpay
(DIR) [2] https://www.visitberlin.de/de/berlinpay
## AUTOREN
(DIR) Plutonia Plarre
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