# taz.de -- was für eine woche: „Bei so viel Pathos möchte man meinen, es ginge um die erste Marsmission“
       
       Ruth Lang Fuentes 
       
       Der Kader steht. Und: Es ist WM, wenn der Kader steht. Sagt jedenfalls der
       DFB. 26 Spieler hat Männerfußball-Bundestrainer Julian Nagelsmann nun
       offiziell nominiert. Schwerer als jedes Turnier selbst sei das gewesen,
       sagte er auf [1][der Pressekonferenz am Donnerstag]. Das glaubt man ihm.
       Die Torwartfrage rund um Manuel Neuer wird vermutlich noch bis ins Turnier
       hinein diskutiert werden. Und der Druck, mal wieder über die Vorrunde
       hinauszukommen, ist spürbar.
       
       Nagelsmann wünscht sich dafür unterstützende Euphorie im Land. Der DFB
       appelliert an die Gefühle der Fans, sein Instagram-Account sorgt mit
       Kinderfotos von Jamal, Kai, Schlotti und Co für „Gänsehautmomente“, aber
       eher der unangenehmen Sorte Gänsehaut. Mama, Ehefrau und Kinder äußern
       ihren Stolz, der Bundestrainer lobt im Stil einer Zeugnisvergabe. Bei so
       viel Pathos möchte man fast meinen, hier ginge es um die Nominierung für
       die erste Marsmission. Dann fallen Worte wie „Straßenkicker“,
       „Eins-zu-eins-Dribblings“, „Gier, das Tor zu verteidigen“. Es geht also
       doch nur um Fußball.
       
       Zur politischen Lage in den USA fällt deswegen natürlich auch kein einziges
       Wort. Es ist schließlich WM, wenn nicht über Politik gesprochen wird.
       
       23 May 2026
       
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