# taz.de -- Umweltschützer wechselt zu Stahlkonzern: Klimakläger wechselt die Seiten
       
       > Donald Pols war das Gesicht der Klimaklagen gegen Shell. Nun will er
       > woanders Nachhaltigkeit fördern – ausgerechnet beim Mega-Verschmutzer
       > Tata Steel.
       
 (IMG) Bild: Hier in Den Haag war er noch für Milieudefensie unterwegs: Donald Pols 2024 vor Beginn der Berufung im Prozess gegen Shell
       
       Bizarrer Paukenschlag in der niederländischen Klimabewegung: Donald Pols,
       seit 2015 Direktor der Umweltorganisation Milieudefensie, wird zum 1. Juni
       Nachhaltigkeitsdirektor beim Stahlkonzern Tata Steel in den Niederlanden.
       Dessen Fabrikkonglomerat in der Hafenstadt IJmuiden hat die höchsten CO₂-
       und Stickstoffemissionen des Landes und wurde von Pols mehrfach als dessen
       „größter Verschmutzer“ bezeichnet.
       
       Erst im April belegte die regionale Umweltbehörde Tata Steel, das seinen
       Hauptsitz im indischen Mumbai hat, mit einem Bußgeld in Höhe von
       achteinhalb Millionen Euro. Der Grund: das Ausstoßen gesundheitsschädlicher
       Stoffe wie des Kohlenwasserstoffs Benzol und sogenannter PAK-Verbindungen.
       Die können [1][laut Umweltbundesamt] unbeabsichtigt in der Stahlindustrie
       und bei Verbrennungsprozessen entstehen; sie können [2][krebserregend und
       fortpflanzungsgefährdend sein, das Erbgut verändern und in der Umwelt
       schlecht abgebaut] werden.
       
       Der Südafrikaner Pols, der [3][stets mit Hut auftrat] und durch den Prozess
       gegen den Energiekonzern Shell zum international bekannten Gesicht von
       Milieudefensie wurde, nannte seinen Wechsel in einer Pressemitteilung einen
       „logischen nächsten Schritt“. Jahrelang habe er „von außen Druck auf
       Unternehmen ausgeübt, um Klima-Ambitionen in konkrete Handlungen umzusetzen
       – auch mithilfe des Gerichts. Diese Erfahrung nehme ich mit nach innen.“
       Bei Tata Steel könne er zeigen, dass mehr Nachhaltigkeit in der Industrie
       „nicht nur erzwungen, sondern auch von innen angetrieben werden kann“.
       
       Milieudefensie, der niederländische Zweig des Klimaschutznetzwerks Friends
       of the Earth International, nannte Pols' Schritt „unvereinbar“ mit einer
       weiteren Tätigkeit und setzte ihn darum bereits am Montag vor die Tür. „Wir
       sind sehr enttäuscht von seiner Entscheidung, sich Tata Steel
       anzuschließen“, sagte Marty Smits, Vorsitzender des Aufsichtsrats, [4][in
       einer Erklärung]. Die NGO sei erst zufrieden, wenn „alle großen
       Verschmutzer sich an das Pariser Abkommen halten. Dabei suchen wir aktiv
       den Dialog, behalten aber immer unsere Unabhängigkeit.“
       
       ## Pols' Wechsel: ein schlechter Scherz?
       
       Die Personalie Pols sorgte in den Niederlanden für ungläubige Reaktionen.
       Selbst Milieudefensie selbst hielt die Nachricht zunächst für einen Scherz.
       Noch Ende April hatte Pols im Küstenstädtchen Egmond vor einer Weltkarte in
       flammenden Rot- und Orangetönen [5][den Start eines neuen Prozesses gegen
       Shell verkündet]. Der Konzern soll davon abgehalten werden, Hunderte neue
       fossile Quellen zu erschließen. „Wenn wir gefährlichen Klimawandel
       verhindern wollen, ist jedes neue Öl- und Gasfeld eines zu viel“, sagte
       Pols.
       
       Durch den Rechtsstreit mit dem Großkonzern wurde Milieudefensie zu einem
       der international bekanntesten Akteure auf dem Gebiet der Klimajustiz. Im
       Mai 2021 verfügte ein Gericht in Den Haag, Shell müsse seine CO₂-Emissionen
       bis 2030 um 45 Prozent gegenüber 2019 reduzieren. Ende 2024 erkannte das
       Gericht im Revisionsverfahren den Einspruch Shells an. Zwar bestätigte es
       die Verantwortung des Konzerns zur Bekämpfung von Folgen der Erderwärmung,
       [6][wies aber das konkrete Ziel von 45 Prozent zurück]. Derzeit läuft ein
       Kassationsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof.
       
       Mit Gerichten wird Pols auch in seiner neuen Position zu tun haben:
       Anwohner*innen fordern von Tata Steel mindestens 1,4 Milliarden Euro
       Schadenersatz dafür, dass der Stahlriese sie jahrelang
       gesundheitsschädigenden Emissionen ausgesetzt hat.
       
       6 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/persistente-organische-schadstoffe-pop/polycyclische-aromatische-kohlenwasserstoffe-pak
 (DIR) [2] https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/polyzyklische-aromatische-kohlenwasserstoffe
 (DIR) [3] https://youtube.com/shorts/RCGKiJTuaTw?si=9M1-Z8nhwMGZgozk
 (DIR) [4] https://en.milieudefensie.nl/news/donald-pols-leaves-friends-of-the-earth-netherlands
 (DIR) [5] /Klimaklage-in-den-Niederlanden/!6172621
 (DIR) [6] /Oel-Konzern-muss-CO-Ausstoss-nicht-senken/!6045610
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tobias Müller
       
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