# taz.de -- „Robodogs“ von Künstler Beeple in Berlin: Richtige Tiere?
       
       > In der Berliner Neuen Nationalgalerie zeigt der Künstler Beeple seine
       > Robodogs. Sie laufen dank KI und haben die Köpfe von Tech-Milliardären
       > oder Künstlern.
       
 (IMG) Bild: Beeple. Regular Animals, Neue Nationalgalerie, 2026
       
       Der amerikanische Künstler Mike Winkelmann (Künstlername „Beeple“)
       beschäftigt sich mit digitaler Kunst, künstlicher Intelligenz und Robotnik.
       In der Neuen Nationalgalerie lässt er derzeit auf einem kleinen
       eingezäunten Quadrat im Tiefgeschoss sieben pudelgroße gelbe Roboterhunde
       wackelnd herumgehen, sich vorne beschnüffeln und hinten von ihnen
       aufgenommene Fotos ausstoßen. Gelegentlich nehmen sie nach Hundeart Platz.
       Bleiben sie zu lange sitzen, wechselt eine Assistentin ihre Akkus. Die
       Zuschauer ringsum sind begeistert und zücken ihre Handys. Aber das machen
       sie ja überall, und wie stets ist auch hierbei von „immersiv“ die Rede. Die
       Ausstellung heißt „Regular Animals“.
       
       Robodogs gibt es viele, daneben auch noch Roboter-Kakerlaken, -Zebrafische,
       -Katzen und -Bienen. Eine [1][„Robobee“, von den Bienenforschern der FU
       entwickelt], beherrscht die Bienensprache bereits so gut, dass die lebenden
       Bienen in ihrer Nähe zu dem von ihr gewiesenen Ort fliegen. Man erhofft
       sich damit Fortschritte in der Gehirnforschung.
       
       Anders die „Mobees“ von Harvard-Forschern: Sie sollten bei anhaltendem
       Bienensterben diese Tiere ersetzen, wurden dann aber für militärische
       Zwecke – als „Minidrohnen“ – weiterentwickelt. „Die Militärs fantasieren
       bereits von riesigen Schwärmen tödlicher Insekten, die, auf 3D-Druckern
       hergestellt, 1 Dollar pro Stück kosten“, schreibt die [2][US-Journalistin
       Lisa Margonelli, deren Buch „Underbug“ (2018) von Robotertermiten handelt]
       – ebenfalls ein Harvard-Projekt.
       
       Außer solchen tierisch anmutenden Robotern gibt es schon seit Längerem
       Schachroboter und neuerdings auch einen Tischtennis spielenden Roboter
       namens „Ace“. Er reagiert zehnmal so schnell wie menschliche Spieler,
       berichtete die Zeitschrift Nature im April.
       
       ## Hunderoboter mit Köpfen von Musk, Zuckerberg, Bezos
       
       Der Name „Roboter“ wurde 1920 vom tschechischen Schriftsteller Karel Čapek
       ins Spiel gebracht. Im Tschechischen gab es bereits das Wort „robota“
       (Arbeit) und „robot“ (Zwangsarbeit). Čapek dachte bei seinem Roboter an den
       jüdischen Mythos vom Golem, einem künstlichen Menschen, aus Buchstaben und
       Lehm gefertigt, der gewaltige Kraft besitzt, aber keinen freien Willen. Man
       muss ihm Aufträge erteilen.
       
       Für Beeples Hunderoboter gilt etwas anderes: Sie sind zwar programmiert,
       kommen aber als schwerreiche Auftragserteiler daher, insofern als sie im
       Gegensatz zu ihrem technoiden Körper realistische Silikonköpfe haben. Dabei
       handelt es sich um Beeple selbst und um Elon Musk, Mark Zuckerberg, Jeff
       Bezos, Pablo Picasso, Andy Warhol und [3][Nam June Paik], der als Einziger
       lacht. Dass es sich dabei um den koreanischen Künstler handelt und nicht um
       den nordkoreanischen Diktator, ist eine Vermutung von mir, denn im
       Leporello zur Ausstellung taucht er nicht als Robodog auf.
       
       Stattdessen wird Paik darin als „historischer Gegenpunkt“ erwähnt, weil er
       bereits in den sechziger Jahren „robotische Skulpturen“ schuf, die
       allerdings nur so aussahen und ansonsten vor allem blinkten und flimmerten.
       Paiks „Andy Warhol Robot“ (1994) wurde in der Neuen Nationalgalerie neben
       Beeples Roboterhunde-Spielplatz aufgestellt. Er besteht aus Fernsehgeräten,
       Filmkameras und Tonbandspulen.
       
       ## Warhol und Paik als künstlerische Vorläufer
       
       Für beide, Paik und Beeple, ist Andy Warhol eine „zentrale Referenzfigur“,
       weil er die „Verbindung von Kunst, Massenmedien, Celebrity-Kultur und
       serieller Reproduktion verkörperte“. So gesehen sind Warhol und Paik
       künstlerische Vorläufer von Beeple, der seine Robodogs erstmalig mittels KI
       zum selbständigen Laufen brachte, weswegen die Silicon-Valley-Milliardäre
       als Köpfe von Beeples Hunderobotern ebenfalls „zentrale Referenzpunkte“
       sind.
       
       Wohingegen die anonymen Konstrukteure der anderen, eben erwähnten Roboter
       wissenschaftlichen Zwecken dienten beziehungsweise dienen. Und Picasso gut
       und gerne für künstlerische Ideen am laufenden Band stehen könnte („Nicht
       suchen, sondern finden!“).
       
       Der tschechische Medienphilosoph und Kommunikationsforscher Vilém Flusser
       hat einmal gesagt – auf einer Konferenz im Allgäu: „Alle Kunst ist noch
       Vorkunst. Das Zeitalter der wahren Kunst beginnt erst mit der Herstellung
       selbstreproduktiver Werke.“ Davon sind Beeples Roboterhunde noch weit
       entfernt, dass sie fähig sind, weitere Robodogs hervorzubringen – so wie
       jetzt nur ihre kleinen Ausdrucke.
       
       Beeple wurde übrigens damit bekannt, dass er täglich ein digitales Bild auf
       Tumblr postete, [4][„Everydays: The First 5000 Days“ genannt, die er für
       69,3 Millionen Dollar in der Kryptowährung „Ether“ versteigern ließ]. Er
       ist damit die Nummer drei der teuersten lebenden Künstler hinter Jeff Koons
       und David Hockney.
       
       6 May 2026
       
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