# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es nicht ohne etwas Theater geht
Schwül ist es an diesem frühen Theatertreffenmaidienstagabend in
Wilmersdorf. Diesig hängt die Luftfeuchtigkeit von Niesel und erster Hitze
in den Kastanienbäumen. Aufgeregtes Stimmengemurmel steigert sich, als die
Klingel ertönt. Das Ensemble des Theater Basel wird eine der besten zehn
Inszenierungen spielen. Entschuldigung, Entschuldigung, Darf ich bitte.
Kleidung reibt. Voll sind die Reihen, graue oder keine Haare, beige
Trenchcoats, teure Perlen mischen sich mit Wasserstoff-peroxidierten
Vokuhilas, Raverhosen, Humana-Hemden und Streberrollkrägen: klassisches
Berliner Theaterpublikum.
Das Licht geht aus, das Licht geht an, das Stück geht los, es räuspert sich
die dritte Reihe. Erneut. Mit Vehemenz. Dann: „Entschuldigen Sie, machen
Sie bitte ihr blinkendes Telefon aus.“ „Das ist mein Hörgerät“, so laut,
als wäre es doch schon ausgestellt. Glucksendes Lachen in den ersten
Reihen. Leichte Irritation auf der Bühne. Am Ende alles von vorn. Darf ich
bitte, Entschuldigung, Entschuldigung.
Vor den Berliner Festspielen blinken die Lichterketten des Parkhauses:
„Lustig, hast du gehört, das mit dem Hörgerät?“ „Nee, hab meins vergessen.“
Hilka Dirks
16 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Hilka Dirks
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