# taz.de -- was für eine woche: „Wer israelische Künstler ausschließen will, trifft nicht Netanjahu“
Matthias Kalle
Wien, ESC-Woche. Wer zur Fanzone will, stellt sich an wie am Flughafen.
Schwer bewaffnete Polizisten, vor der Stadthalle Demonstrationen, drum
herum Boykottaufrufe und „offene Briefe“. Und warum? Weil in der Halle ein
junger israelischer Sänger namens Noam Bettan probt – und sich dabei von
seinem eigenen Team ausbuhen lässt. Zur Vorbereitung. Weil er weiß, was ihn
erwartet.
Der Vergleich mit Russland wurde in diesen Tagen schnell aufgestellt.
Russland wurde 2022 vom Wettbewerb ausgeschlossen wegen des Angriffskriegs
gegen die Ukraine. Also warum nicht auch Israel? Weil die Fälle nicht
vergleichbar sind. Russland war beim ESC die kulturelle Verlängerung eines
autoritären Staatsapparats. Israel ist eine demokratische Gesellschaft im
Krieg, mit freien Medien, Opposition und einer Öffentlichkeit, die über
diesen Krieg selbst erbittert streitet. Aber wer israelische Künstler
ausschließen will, trifft nicht Netanjahu. Er erklärt ein ganzes Land
kollektiv zum moralisch unzulässigen Sonderfall. Der Sänger wird zum Staat.
Das Lied zur Waffe.
Der ESC sollte einmal beweisen, dass Kultur größer sein kann als Politik.
Diese Woche hat Europa beschlossen, das nicht mehr zu glauben.
16 May 2026
## AUTOREN
(DIR) Matthias Kalle
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