# taz.de -- Trends im Tischtennis: Raus aus der biederen Ecke
       
       > Was ist im Tischtennissport möglich? Wer die Hotspots ausfindig macht,
       > bekommt so einiges mit über Hypes und Tribes.
       
 (IMG) Bild: Die große Welt des Tischtennis
       
       Was ist eigentlich die Hauptstadt des Tischtennis? Man könnte annehmen, da
       dieser Sport von China dominiert wird, müsste es eine chinesische Stadt
       sein, zum Beispiel Chongqing, wo das erste WTT Champions des Jahres
       stattfand. Es könnte aber auch London sein, wo an diesem Dienstag, den 28.
       April, die Weltmeisterschaft startet, in diesem Jahr für die Teams, also
       nicht im Einzel. London ist auch kein zufälliger Ort, denn genau hier hat
       auch die allererste Tischtennis-WM stattgefunden, vor genau 100 Jahren. Es
       gilt also ein großes Jubiläum zu feiern. Tusch!
       
       Vielleicht ist aber sogar Berlin die heimliche Hauptstadt des Tischtennis,
       denn hier trafen sich noch vor 1926 zum ersten Mal die Vertreter der
       jeweiligen Landesverbände, um überhaupt mal ein paar Geraden zu ziehen und
       Netzhöhen und Zählweisen zu bestimmen und sich auf diese allererste WM zu
       einigen. Das ist lange her, aber auch heutzutage ist Berlin wieder ein
       Hotspot, im Sommer findet hier zum ersten Mal ein WTT Feeder statt; bei den
       Frauen gibt es den ttc eastside, der in der Bundesliga mit den Ton angibt;
       und außerdem finden hier allerlei Hypes und Tribes rund ums Tischtennis
       meist ihren Anfang.
       
       Zum Beispiel das Konzept des Tischtennisladens. In Prenzlauer Berg, einer
       eher prosperierten Zone der Hauptstadt, feiert zeitgleich im Mai der
       „[1][Ding Dong Ping Pong Club]“ sein Einjähriges, ein Laden, in dem alles
       modern und hightech ist, zu dem es aber für Menschen auf Digital Detox
       keinen Zugang gibt. Mit anderen Worten, ohne die App geht nichts. Mit App
       aber geht alles: Zugang 24/7, es gehen Turniere, Spinmessungen,
       Trainingseinheiten, Play Dates.
       
       „Tischtennis ist das Kondom unter den Schlagsportarten“, fand Betreiber
       Waldemar Zeiler, ein schönes Bonmot, mit dem er vermutlich ausdrücken
       wollte, dass Tischtennis ein wenig aus der biederen Ecke herauskommen
       sollte, sich da aber, vergleicht man das mit Trendsportarten wie dem Padel,
       noch etwas schwertut.
       
       ## Zu wenige Ehrenamtliche
       
       Mit dem gewöhnlichen Vereinsleben hat der [2][Ding Dong Club] möglichst
       wenig zu tun. Was, so Zeiler, auch daran liegt, dass in Berlin alles zu
       ist: Vereine nehmen niemanden mehr auf, weil sie das logistisch nicht mehr
       stemmen können. Zu wenig Ehrenamtliche, tatsächlich ein Problem im Sport,
       nicht nur im Tischtennis, auch beim Fußball.
       
       Und so entstehen Parallelstrukturen, nicht nur in Parks, sondern auch in
       Läden. Strukturen, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht später zurück
       zu den Verbänden finden. Dabei muss es gar nicht so neoliberal oder
       New-Economy-mäßig zugehen – die reine Spaßfraktion kann sich beispielsweise
       im „Königlichen Tischtennis Club Berlin“ treffen, da gibt es vier
       Joola-Tische, Bier und Betreuung im [3][Hotel Berlin, Berlin]. Mit Style
       und Glam.
       
       Wie die beiden jeweils auf ihre Ideen gekommen sind? Oh, sie waren mal in
       New York, da gibt es diesen Laden, den u. a. Susan Sarandon gegründet hat,
       das „Spin New York“ im Flatiron District. Da haben wir sie also, die echte
       heimliche Hauptstadt des Tischtennis. New York. Mir geht es da bislang eher
       so wie Udo Jürgens in seinem Lied, ich war noch niemals in New York. Aber
       jetzt muss ich da wohl mal hin.
       
       28 Apr 2026
       
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