# taz.de -- Mandelson-Affäre in Großbritannien: „Eine gewisse Geringschätzung“
       
       > Großbritanniens Premierminister Keir Starmer steht weiter in der
       > Defensive. Der gefeuerte Spitzenbeamte Olly Robbins erhebt deutliche neue
       > Vorwürfe.
       
 (IMG) Bild: Premierminister Keir Starmer verlässt am 20. April seinen Amtssitz in 10 Downing Street
       
       In Westminister wird wieder großes politisches Drama gespielt.
       Großbritanniens Labour-Premierminister Keir Starmer hatte einst eine
       Politik der ruhigen Hand versprochen – nun ist er selber Hauptakteur. Das
       Unterhaus in London war bis zum letzten Platz gefüllt, als Starmer am
       Montagnachmittag Stellung zu den neuesten Vorwürfen gegen ihn im
       Zusammenhang mit Peter Mandelson bezog – der von ihm im Dezember 2024
       ernannte und im September 2025 wieder gefeuerte britische Botschafter in
       den USA, ein Veteran der Labour-Partei und ein alter Freund des
       Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.
       
       Der neueste Akt in diesem Drama hatte am vergangenen Donnerstag begonnen,
       als [1][der Guardian enthüllte], dass Mandelson die fällige
       Sicherheitsüberprüfung vor Aufnahme seines Botschafterpostens nicht
       bestanden hatte, aber trotzdem berufen wurde. Das habe er jetzt erst
       erfahren, sagte Starmer dazu und feuerte den für Sicherheitsüberprüfungen
       zuständigen [2][höchsten Beamten im Außenministerium, Olly Robbins].
       
       Die Beamten hätten ihm nicht erzählt, dass Mandelson den Sicherheitscheck
       nicht bestanden habe, wiederholte Starmer im Unterhaus – weder bei seiner
       Berufung noch nach seiner Entlassung. Man habe alle Abläufe korrekt
       eingehalten.
       
       Ein Schönheitsfehler bei dieser Selbstverteidigung: Starmer hatte Mandelson
       ernannt, ohne auf die Sicherheitsüberprüfung zu warten, obwohl [3][seine
       Epstein-Freundschaft] da schon bekannt war. Der damalige Kabinettssekretär
       im Amt des Premierministers, Simon Case, hatte vergeblich empfohlen, die
       Prüfung abzuwarten.
       
       ## „Starmer wollte die Antworten nicht hören“
       
       Die gesamte Opposition fordert mittlerweile Starmers Rücktritt und wirft
       ihm vor, Beamte zu Sündenböcken zu machen. Starmer habe unzureichende
       Fragen zu Mandelson gestellt, weil er die Antworten nicht hören wollte, so
       der Vorwurf der konservativen Oppositionschefin Kemi Badenoch.
       
       Starmer dazu: Er habe Mandelson direkt Fragen gestellt und der habe
       gelogen. Erst die Enthüllungen der Epstein-Akten hätten neue Fragen
       aufgeworfen. Zahlreiche Medienberichte haben aber Zweifel daran geschürt,
       dass Starmer wirklich so wenig über Mandelson gewusst haben kann.
       
       Am Dienstagmorgen hatte der gefeuerte Spitzenbeamte im Außenministerin,
       Olly Robbins, selbst Gelegenheit, Stellung zu beziehen. Befragt vom
       Auswärtigen Ausschuss des Parlaments, stellte er die Dinge etwas anders dar
       als Starmer am Vortag. Mandelson sei nicht einfach durch die
       Sicherheitsüberprüfung gefallen, stellte er klar. Die zuständigen Experten
       hätten ihn zu einem „Grenzfall“ erklärt und gesagt, sie würden dazu neigen,
       seine Berufung abzulehnen.
       
       Er selbst, so Robbins, sei dann im Gespräch mit dem zuständigen Team zum
       Schluss gekommen, die mit Mandelson verbundenen Risiken seien zu
       bewältigen, daher habe er grünes Licht gegeben. Die Details der
       Sicherheitsüberprüfung habe er selbst nie zu Gesicht bekommen, das sei auch
       gar nicht üblich. Sie seien nur mündlich besprochen worden. Es sei auch
       völlig ausgeschlossen, Prüfergebnisse an Politiker weiterzugeben.
       
       ## Ungehöriger Druck aus 10 Downing Street
       
       Ohnehin war Mandelsons Berufung zum Botschafter eigentlich längst klar
       gewesen, als die Sicherheitsüberprüfung stattfand, so Robbins.
       Premierminister Keir Starmer hatte sie verkündet, König Charles III. hatte
       sie bestätigt, die US-Regierung hatte zugestimmt und das
       Akkreditierungsverfahren war eingeleitet, außerdem genoss Mandelson bereits
       diplomatische Akteneinsicht – alles, bevor Robbins am 20. Januar 2025
       oberster Beamter im Außenministerium wurde und die Sache auf den Tisch
       bekam. Der ehemalige Stabschef Starmers, Morgan McSweeney, hat bereits
       dafür volle Verantwortung übernommen und im Februar sein Amt niedergelegt.
       
       Das Büro des Premierministers habe eine „Atmosphäre des Drucks“ erzeugt und
       „eine gewisse Geringschätzung gegenüber dem
       Sicherheitsüberprüfungsprozesses“ an den Tag gelegt, so Robbins.
       
       Eher nebenbei brachte Robbins eine klare Angelegenheit potenzieller
       Korruption ans Tageslicht. Eine Person in Starmers Amtssitz 10 Downing
       Street habe im März 2025 darum gebeten, für Starmers [4][zurückgetretenen
       Kommunikationschef Matthew Doyle] einen hochrangigen Botschafterposten zu
       finden, und Robbins dazu aufgefordert, diese Anfrage vor dem Außenminister
       geheim zu halten.
       
       Wer diese Person in 10 Downing Street war, wollte Robbins nicht sagen. Aus
       der Postensuche für Doyle wurde nichts – später wurde ihm Freundschaft mit
       einem wegen Pädophilie verurteilten Labour-Politikers nachgewiesen.
       
       Im Anschluss an die Ausschusssitzung setzte Außenministerin Yvette Cooper
       eine interne Untersuchung an. Premier Starmer war nicht da, als sie das im
       Unterhaus bekanntgab. Auch nicht bei einer von der Opposition beantragte
       aktuellen Stunde am Nachmittag. Starmer müsse Verantwortung übernehmen, er
       habe das Parlament getäuscht und müsse zurücktreten, so die konservative
       Oppositionschefin Kemi Badenoch.
       
       21 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.theguardian.com/politics/2026/apr/16/revealed-mandelson-failed-vetting-but-foreign-office-overruled-decision
 (DIR) [2] /Politskandal-Grossbritannien/!6172211
 (DIR) [3] /Keir-Starmer-in-der-Krise/!6152408
 (DIR) [4] /Labour-Krise-in-Grossbritannien/!6153701
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Daniel Zylbersztajn-Lewandowski
       
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