# taz.de -- Women's Six Nations in Schottland: Ein Sport für Engländerinnen
       
       > Im Frauenrugby dominieren die „Red Roses“ alles. Schottland wurde mit
       > 7:84 weggefegt. Besonders ärgerlich, weil der Sport kurz vor einem Boom
       > steht.
       
 (IMG) Bild: On top: Englands Demelza Short holt sich den Ball im Spiel gegen Schottland
       
       Zahlen zeigen ziemlich viel. Mit 30.498 Menschen war das
       Murrayfield-Stadion in Edinburgh so gut gefüllt wie noch kein anderes
       Frauensportereignis in Schottland.
       
       Es geht um Frauenrugby, genauer um die [1][Women’s Six Nations] im
       [2][Rugby] Union. Da hat England am Samstag die Gastgeberinnen quasi vom
       Platz gefegt. 7:84 lautet das Ergebnis aus schottischer Sicht. Oder, wie es
       die [3][BBC-Expertin] Jade Konkel ausdrückte: „Schottland war heute einfach
       nicht gut genug, und die Statistik spricht für sich selbst.“ Zahlen zeigen
       halt recht viel.
       
       Dass England dieses Spiel gewonnen hat und sich als Favorit präsentiert,
       verwundert niemand. 21 der 30 seit 1995 ausgespielten Turniere haben die
       Red Roses bislang gewonnen. Da ist ein eventueller 22. Erfolg keine
       Überraschung.
       
       Aber wie sie das machen, das irritiert. Schließlich leiden die „Red Roses“
       unter einer großen Verletzungsmisere. „Rein theoretisch müsste das Team von
       Trainer John Mitchell mit 13 fehlenden Spielerinnen aus dem
       Weltmeisterkader – bedingt durch Karriereende, Verletzungen oder
       Schwangerschaft – Probleme auf dem Platz haben“, hat der [4][Guardian]
       analysiert.
       
       Zudem fehlten nach dem Auftaktspiel gegen Irland – ein deutlicher
       33:12-Sieg – weitere Leistungsträgerinnen, die sich da verletzt hatten.
       Englands Chefcoach Mitchell führte das sogar noch nach dem triumphalen Sieg
       als mildernden Umstand an: „In den vergangenen Wochen gab es viele
       Veränderungen, da einige unserer wertvollsten Spielerinnen und auch einige
       junge Talente schwer verletzt waren.“
       
       Für den Guardian zeigt der Sieg nun jedoch vor allem, wie verbreitet in
       England Frauenrugby ist. „Die ‚Red Roses‘ beweisen, welch unerschöpfliches
       Talentpotenzial in ihnen schlummert.“ Unglaublich viele Talente und eine
       sehr professionelle Vorbereitung. Das ist die Botschaft dieses 84:7.
       
       ## Englische Härte, schottische Lernbereitschaft
       
       „Wir trainieren sehr hart, mehr als das Spiel eigentlich erfordert“,
       erklärte Mitchell. „Wir sind ein sehr leistungsorientiertes Team und in
       Topform. Wenn wir unser Spiel verstehen und klar aufziehen, dann können die
       Spielerinnen ihr volles Potenzial ausschöpfen.“
       
       Sein schottischer Kollege, Sione Fukofuka, war gleich in mehrfacher
       Hinsicht geknickt: Zum einen geschah die Klatsche an seinem ersten
       Arbeitstag als Nationaltrainer. Und zum anderen ist eben das Heimturnier,
       von dem er und die schottische Öffentlichkeit etwas erwarten. „Wir werden
       von England etwas lernen und es dann besser machen“, bekannte Fukofuka.
       
       Rachel Malcolm, Kapitänin des schottischen Teams, versuchte zu
       relativieren: „In unserer aktuellen Phase des Zyklus ist England noch kein
       Team, mit dem wir mithalten können. Positiv ist jedoch, dass wir uns heute
       einige gute Chancen erarbeitet haben.“
       
       England dominiert das Frauenrugby. Das ist die eine Erkenntnis, die,
       zugegeben, nicht allzu sehr juckt. Es gibt jedoch noch eine andere Lehre,
       und die ist aus schottischer Sicht besonders ärgerlich. „Heute ging es um
       so viel mehr als nur um das Spiel“, sagte Malcolm in Angesicht der
       Rekordkulisse für ihre Sportart.
       
       Sie formulierte auch eine Botschaft an die Fans: „Ich möchte mich ganz
       herzlich bedanken. Heute ist ein Traum wahr geworden. Die Leistung und das
       Ergebnis entsprachen zwar nicht unseren Wünschen, aber ihr habt etwas
       geschaffen, das wir in unserer Karriere nie für möglich gehalten hätten.
       Lasst uns das wiederholen!“ Nur eben das Ergebnis nicht.
       
       19 Apr 2026
       
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