# taz.de -- Die Wahrheit: Das 17. Bundesland
> Die Wahrheit-Expedition: Neu entdeckte Insel in der Antarktis soll
> deutsch werden. Das Kanzleramt ist dagegen, der Außenminister dafür.
(IMG) Bild: Einsam liegt das Eiland im antarktischen Eis Foto: reuters
Eisig schlagen die wilden Fluten des Weddellmeers gegen die spitzen Felsen
des noch namenlosen Eilands. Erst vor wenigen Tagen war es von der
Besatzung des Bremerhavener Forschungsschiffs „Polarstern“ in der
nördlichen Antarktis entdeckt worden. Zahlreiche Hobbypaddler haben seither
versucht, in kleinen Motorbooten, Kajaks oder selbstgebastelten Flößen die
Insel zu erreichen, um als erste einen Fuß darauf zu setzen – vergebens.
Die erfolgreicheren hängen in Fetzen von den schroffen Klippen.
Eine bislang unkartierte Insel scheint in Zeiten globaler
Satellitenüberwachung schwieriger zu finden zu sein als ein Hundehaufen in
braunem Laub. Doch die Forscher hatten Glück: Länglich und von schmutzigem
Weiß war die Insel im Eismeer bislang niemandem als solche aufgefallen.
So auch nicht der Meeresbiologin Dr. Heike Link. Sie hatte die vorherige
Expedition der Polarstern geleitet und ärgert sich, dass nicht sie zur
Entdeckerin wurde. „Ich weiß noch, wie wir an dem Trümmerhaufen
vorbeigefahren sind und ich sagte: ‚Ach, das ist nur der Stummel einer
selbstgedrehten Zigarette des antarktischen Riesen-Yetis.‘“
Wenig ist bislang über die Insel bekannt. Die Topografie des etwa 130 Meter
langen, 50 Meter breiten und etwa 16 Meter über dem Wasser aufragenden
Landstreifens konnte nur grob mit Drohnenaufnahmen erfasst werden. Im
Westen sind vor allem zerklüftete Gesteinsformationen vorherrschend, die
sich in der Mitte zu scharfkantigen Blöcken auftürmen und nach Osten hin
als Felszacken ins Meer abfallen. Wichtige Fragen bleiben jedoch weiterhin
unbeantwortet. So konnte beispielsweise nicht abschließend geklärt werden,
ob das Inselchen bewohnt ist. Mittelalterlichen Karten zufolge könnten in
der Gegend kopflose grüne Menschen in unterirdischen Grotten hausen, wo sie
sich von Schlamm ernähren.
Laut Antarktis-Expertin Dr. Link gibt es deutliche Anzeichen für eine
subterrane Schlamm-Esser-Kolonie. „Wie auf den Bildern zu sehen ist, sind
die Felsen mit Vogelkot bedeckt. Wahrscheinlich halten die Bewohner sich
dort Vögel als Haustiere, etwa um mit den Eiern ihre Schlammdiät
aufzupeppen oder um den Tieren das Schlamm-Essen beizubringen.“
## Frage der Besiedlung
Links These beinhaltet politischen Sprengstoff – hängt von der Frage der
Besiedlung nicht zuletzt der völkerrechtliche Status der Insel ab. Denn
nachdem die Entdeckung des Eilands von einem deutschen Forschungsschiff aus
erfolgte, will Außenminister Johann Wadephul die Anerkennung als deutsches
Übersee-Bundesland zumindest prüfen lassen. Zwar sind Annexionen im Gebiet
der Antarktis nach internationalem Recht untersagt, doch das, so Wadephul
mit norddeutscher Sophistik, sei kein Problem, das sich angesichts der
gegenwärtigen politischen Weltlage nicht ignorieren ließe.
Mit seinem Vorstoß macht sich der Außenminister in der Regierung nicht nur
Freunde. „Eine Eingliederung ins deutsche Staatsgebiet, hätte eine
Anwendung deutschen Rechts zur Folge“, heißt es in einer Pressemitteilung
aus dem Bundeskanzleramt. Damit wäre es möglich, die Insel zu bewohnen und
zugleich von deutschen Sozialleistungen zu profitieren. „Ob Grundsicherung
oder Zahnarztbesuche – einem Leben in Saus und Braus auf einer einsamen
Südseeinsel stünde nichts mehr im Weg. Und das kann nun wirklich niemand
wollen“, meint Kanzleramtsminister Thorsten Frei.
Zunächst muss jedoch ein Name für das Jung-Eiland gefunden werden. Nach
internationalen Gepflogenheiten darf zuerst die Entdecker-Crew einen
Vorschlag machen. Antarktis-Biologin Heike Link zufolge stehen bereits
etliche Ideen auf der Liste. „Polalaland“, „Insel Felsenburg“ oder „Insel
Verlag“ werden von der Polarstern-Besatzung Chancen eingeräumt. Doch auch
andere wollen bei der Benennung mitmischen: der Bundesaußenminister setzt
sich für „Südfriesland“ ein.
Für welchen Namen man sich am Ende auch entscheiden mag – für die
Abenteuerlustigen im Weddellmeer zählt ohnehin nur, dass sie als erste auf
dem Eiland waren. Gerade wird ein Windsurfer von einer Riesenwelle weit ins
Inselinnere getragen und vom spitzesten Felsen aufgespießt. Ein grüner,
schlammiger Arm schiebt sich aus dem Boden und zieht den armen Teufel in
die Tiefe.
17 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Valentin Witt
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