# taz.de -- Mainz in der Conference Legue: Schöne Schiffsreise
       
       > Für die Mainzer Fußballer könnte die Partie in Straßburg die Krönung
       > einer heiklen Saison werden. Entsprechend zelebrieren die Fans die
       > Anreise.
       
 (IMG) Bild: Geballte Freude: Unter Trainer Urs Fischer läuft es bestens bei Mainz 05
       
       Wenn die gut 300 Mainzer Fans am frühen Donnerstagabend in Kehl anlegen,
       dürften sich viele von ihnen fragen, ob ihr unsicherer Gang an den
       Wellentätigkeiten auf dem Rhein lag – oder am eigenen Aktivismus am Tresen.
       Eine sechseinhalbstündige Schifffahrt („beim Einsatz von Bengalos oder
       Konfettikanonen kann die Fahrt abgebrochen werden“) ab Karlsruhe wird
       bereits hinter ihnen liegen, ehe es mit Bussen über den Rhein zum
       Meinau-Stadion geht.
       
       Das Hinspiel hatten die Mainzer am vergangenen Donnerstag mit 2:0 gewonnen
       und vor allem im ersten Durchgang so deutlich dominiert, wie das zuvor kaum
       einer erwartet hatte. Dabei hätten die Elsässer gewarnt sein können:
       [1][Seit Urs Fischer] auf der Trainerbank sitzt, läuft es bei den
       Rheinhessen. Unter dem in Mainz menschlich nach wie vor hochgeschätzten
       [2][dänischen Energetiker Bo Henriksen] hatte sich zuvor Niederlage an
       Niederlage gereiht. Als Tabellenletzter ging es in die Winterpause – mit 8
       Punkten. Seither kamen 21 dazu, in der Rückrundentabelle ist Mainz Fünfter.
       Und das trotz zahlreicher verletzter Leistungsträger wie Robin Zentner,
       Stefan Bell, Nadiem Amiri oder Benedict Hollerbach, die teils immer noch
       ausfallen.
       
       Umso besser passten die drei Winterneuzugänge, die Sportdirektor Niko
       Bungert verpflichtete: Sheraldo Becker, Phillipp Tietz und Stefan Posch,
       der im Hinspiel überragte. Der Schweizer Stoiker Fischer ist natürlich
       dennoch zu routiniert, um nun in Jubelgeheul auszubrechen: „Geschafft ist
       noch gar nichts. Erst wenn wir rechnerisch durch sind, können wir feiern.“
       
       ## Finale in Leipzig keine Utopie
       
       Die Conference League, in der man bislang allerdings auch meist auf
       Mannschaften unter dem Straßburger Niveau traf, sieht man in Mainz dennoch
       nicht als Ablenkung vom Liga-Alltag. Tatsächlich ist selbst das Finale in
       Leipzig seit dem Hinspiel keine Utopie mehr. Am vergangenen Donnerstag lief
       Straßburg, das seit Sommer 2023 zur BlueCo-Gruppe von Chelsea-Boss Todd
       Boehly gehört, wie gewohnt mit der jüngsten Startelf der französischen
       Ligue 1 auf. In puncto Zweikampfführung und Cleverness machte sich das
       gegen die ausgebufften Rheinhessen bemerkbar. Doch der an sich sympathische
       Jugendkurs ist Teil des BlueCo-Konzeptes, bei dem Racing immer mehr zum
       Farmteam von Chelsea wird.
       
       Die Londoner sollen sich künftig bei den Racingtalenten nach Belieben
       bedienen, so wie sie das bereits beim Trainer taten: Liam Rosenior
       wechselte Anfang Januar quasi über Nacht nach London. Die Straßburger
       Ultras, die auch am Donnerstag viele Hunderte Gäste aus den befreundeten
       Szenen von Hertha BSC und dem Karlsruher SC begrüßen werden,
       [3][protestieren seit Monaten tapfer gegen die „multipropriété“] (auf
       deutsch: multi-club-ownership), auch beim Hinspiel in Mainz schwiegen sie
       deshalb eine Viertelstunde.
       
       Sie geraten mit ihren Protesten aber auch im eigenen Stadion zunehmend in
       die Defensive. Der Mehrheit des Anhangs sind die Eigentumsverhältnisse
       gleichgültig, solange der Tabellenplatz (8.) halbwegs stimmt. Im Hinspiel
       zeigten die Mainzer-Fans ein Solidaritätstransparent. Zehntausend von ihnen
       wären gerne an der Meinau dabeigewesen.
       
       Doch Racing hat das Gästekontingent auf 5 Prozent der Gesamtkapazität
       beschränkt – die 05er hatten den Racingfans derer 10 eingeräumt. Das hat
       allerdings weniger mit französischen Egoismen als damit zu tun, dass die
       dortigen Auswärtsblöcke deutlich kleiner sind als hierzulande – angesichts
       der weit größeren Entfernungen und des Umstands, dass die Spiele meist
       recht kurzfristig angesetzt werden, begleiten jenseits des Rheins weit
       weniger Fans ihr Team auf Auswärtsfahrten.
       
       Den Fans an der Meinau wird sich also mit einem prall gefüllten Gästeblock
       ein seltener Anblick bieten, wenn sie ihr Protestplakat wie gewohnt hinterm
       Tor aufhängen. Die erlaubte Variante „Non à la multipropriété“, wird darauf
       zu lesen sein. Eine englische Version („no to multiownership“) hatte die
       Vereinsführung bei einem Hinrunden-Heimspiel am Eingang konfisziert.
       
       15 Apr 2026
       
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