# taz.de -- Neue Staffel „Euphoria“: „Breaking Bad“ für die Gen Z
> Endlich ist die dritte Staffel von „Euphoria“ da! Rue begibt sich
> weiterhin auf wahnsinnige Sidequests. Aber wie steht es um den Kern der
> Geschichte?
(IMG) Bild: Sydney Sweeney in „Euphoria“
Die HBO-Serie [1][„Euphoria“] verherrlicht Drogenmissbrauch, romantisiert
die Erfahrungen psychisch labiler Teenager und ästhetisiert das Leben
während der Highschool irgendwo in einer Kleinstadt in den USA. Und war
genau wegen ihrer Brutalität und Ehrlichkeit ein Riesenerfolg. Nun kehrt
die Serie für ihre dritte und wohl letzte Staffel zurück. Nach mehreren
Todesfällen, Zerwürfnissen im Cast und Streik im Writers Room, sind die
Charaktäre rund um Rue Bennet mittlerweile aus dem Highschool-Alter raus.
Dabei war bisher genau dieser Aspekt der Serie so tragend. Im Mittelpunkt
steht in der ersten Staffel die 17-jährige Rue Bennet, die ihre Trauer um
den Vater mit jeglichen Pillen, Pulvern und Getränken erstickt. Sie belügt
ihre Familie, bricht auf Partys zusammen, verliebt sich in ihre neue
Mitschülerin Jules, trennt sich und gerät in der zweiten Staffel in die
Hände eines Drogenbosses. Auch ihre Mitschüler:innen verlieren sich in
einem Sog aus Selbsthass, toxischen Beziehungen und Einsamkeit.
Den Ton der Serie, die von Gewalt und Missbrauch erzählt, setzt Rue direkt
in der ersten Folge, als sie Nate Jacobs, den charismatischen, mindestens
narzisstischen und beliebtesten Typen auf ihrer Schule wieder sieht. „And
once during the freshman formal, he tried to finger me on the dance floor
without my permission. But like, that’s America. And if they were throwing
an end of summer party. Of course, I’d fucking go.“
„Euphoria“ war maßgeblich so ein riesiger Erfolg, weil sie uns
–pandemiebedingt zu Hause sitzend – zeigte, was wir draußen verpassten. Wir
sehnten uns nach Freiheit, Exzess und Lebensfreude, all das vereinte die
Geschichte und besonders die Ästethik von „Euphoria“. Nur eben komplett
darüber.
Partyszenen komplett in blau oder rot schimmerndes Licht getaucht,
extravagante Outfits, viel Haut, viel Glitzer, am Anfang sauber aufgeklebt,
am Ende des Abends verschmiert in Augenwinkeln und auf Wangen. „Euphoria“
war in den Themen over the top. Im Look noch mehr. Genau diese Ästethik
feierten die Fans. Bis Skandale und Streiterei in die Realität sickerten.
## Stimmungswechsel
Denn nach zwei Staffeln wandelte sich die Stimmung. Dem Serienschöpfer Sam
Levinson wird vorgeworfen, die gefeierte Ästethik von der
kanadisch-ungarischen Fotografin Petra Collins übernommen zu haben, die
nach eigenen Angaben zu Beginn wenige Monate an der Serie mitgearbeitet
hatte. Bereits 2015, drei Jahre vor Produktionsbeginn, hatte sie auf
Instagram Bilder gepostet mit Teilen des späteren Casts in blauem, soften
Licht, mit extravaganten Haaren und Make-up.
Auch Sidney Sweeny, die die tragische Rolle von Nates Freundin Cassie
Howard spielt, steht mittlerweile in der Kritik. Im Herbst 2025 war sie das
Werbegesicht einer [2][American-Eagle-Jeans-Kampagne], die als rassistisch
und sexistisch kritisiert worden war.
Der Musiker Labyrinth, der gemeinsam mit Zendaya, die herzzereisenden Songs
für die Serie geschrieben hat, löste sich kurz vor der Veröffentlichung der
neuen Staffel mit einem Instagram-Statement von „Euphoria“ und dem Label
Columbia Records. („Ich bin fertig mit der Industrie, fuck Columbia, double
fuck ‚Euphoria‘.“)
Dazu kamen die Verluste von den Schauspielern Angus Cloud und Eric Dane.
Dane, bekannt aus [3][„Grey’s Anatomy“], starb an seiner ALS Erkrankung.
Cloud war ein noch junger, unerfahrener Schauspieler. Serienschöpfer
Levinson hatte, wie er in einem Interview in der [4][New York Times]
schildert, versucht, ihn im Kampf gegen die Drogensucht zu unterstützen.
„Eigentlich sollte sein Charakter am Ende der ersten Staffel sterben, aber
ich konnte es nicht.“
Cloud galt als Fan-Favorit, spielte ironischerweise einen gutmütigen
Drogendealer, der Rue zur Seite stand. Clouds plötzlicher Tod an einer
Überdosis habe ihn während seiner Arbeit an der dritten Staffel nicht
losgelassen, so Levinson. „Ihn zu verlieren, ließ mich darüber nachdenken,
welche Geschichten ich wirklich erzählen will.“ Themen der dritten Staffel
seien „das Gute und Böse, die Freiheit und ihre Konsequenzen und dass
Gefühl, jederzeit sterben zu können“.
Mindestens zweimal blickt daher die nun ein wenig ältere, aber kaum weisere
Rue in der ersten Folge der neuen Staffel dem Tod ins Auge. Sie arbeitet
mittlerweile bei Drogenboss Laurie, der sie seit der zweiten Staffel
100.000 Dollar für Drogen schuldet. Sie spießt ihr Auto auf den Grenzzaun
zwischen den USA und Mexiko beim Schmuggel auf, weil die Rampe nicht
funktioniert, schluckt Augapfel große Ballons, in denen sich Fentanyl
befindet, und lässt sich von einem Zuhälter einen Apfel vom Kopf schießen.
## Der Kern geht verloren
Alles, wie immer bei „Euphoria“? Rues wahnsinnige Sidequests bleiben, doch
der Rest des Kerns geht verloren. Cassie, inzwischen Mitte zwanzig und
weiterhin auf der Suche nach Bestätigung will mit ihrem OnlyFans-Account
die geplante Hochzeit mit Nate finanzieren. Der hat die Baufirma seines
Vaters übernommen und ist so überfordert mit den Aufträgen, dass er
vergisst, den cholerischen, manipulativen Freund der letzten beiden
Staffeln zu spielen und willigt sogar in Cassies Finanzpläne ein.
Tragende Figuren, wie Cassies Frenemy Maddy und Rues Kindheitsfreundin Lexi
gehen mittlerweile brav Jobs in der Entertainment-Branche in Hollywood
nach.
Auch wenn die Suche nach sich selbst, nach Bestätigung und Liebe auch
Themen in der dritten Staffel bleiben, fehlt ein Teil der „Euphoria“-DNA.
Die zarte Liebe zwischen Jules und Rue, die wie so oft in Highschool-Dramen
zu plötzlich und zu dramatisch endet, spielt kaum eine Rolle mehr. Auch
Fragen nach wahrer Freundschaft und Ersatzfamilien stellen sich die
scheinbar erwachsenen Figuren nun kaum. „Euphoria“ emanzipiert sich vom
Teenie-Drama, dem man zurecht immer vorwerfen konnte, dass kaum einer wie
16 aussah, zu einer Mischung aus „Breaking Bad“ gepudert mit dem
Wüstenstaub eines Westerns.
Konsequent ist, dass die Highschool nicht für immer ist, das weiß auch Sam
Levinson. Vielleicht ist es also an der Zeit, sich den Glitzer aus dem
Augenwinkel zu wischen und zu schauen, was die Welt für die verlorenen
Teenie-Seelen zu bieten hat.
13 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Nacktheit-in-Serien/!5632978
(DIR) [2] /Jeanswerbung-mit-Sydney-Sweeney/!6099423
(DIR) [3] /Die-Milka-Schokolade-unter-den-Serien/!5301943/
(DIR) [4] https://www.nytimes.com/2026/04/08/arts/television/sam-levinson-euphoria-season-3.html
## AUTOREN
(DIR) Anastasia Zejneli
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