# taz.de -- Aprilwetter: Die Zu-Verschenken-Kiste schwimmt an uns vorbei
       
       > Unter Menschen schreiben kann unsere Autorin nicht. Viel zu anregend ist
       > das, was im Schöneberger Café um sie herum passiert.
       
       Eines schönen Apriltages treffe ich G. an der Schönhauser Allee. Wir feiern
       das paradiesische Wetter mit einer Kugel Eis, denn der Frühling ist da.
       Blauer Himmel, die Sonne lacht, die Tauben tanzen brünftig. Von der
       Dänenstraße schlendern wir zur Schönfließer Brücke und lassen die Blicke
       über die Fassaden-Graffitis gleiten. In der Kopenhagener Straße dann die
       ersten Zu-Verschenken-Kartons, aus denen wir Bücher pflücken. Dabei spüre
       ich jetzt einen schüchternen Regentropfen auf der Haut. Dann einen zweiten,
       einen dritten.
       
       Unbeirrt ziehen wir weiter. Als der Regen stärker wird, setzen wir uns auf
       eine Bank, die vor einem Laden steht und von einem Balkon überdacht ist.
       Wie für uns dort hingestellt. Wir warten geduldig und drehen Zigaretten.
       April halt. Ist sicher gleich vorbei.
       
       Ein Wind zieht auf und wir müssen auf den Fenstersims gleich hinter der
       Bank klettern. So kauern wir jetzt da auf den letzten trockenen
       Zentimetern, als vor uns ein waschechter Hurricane losbricht. Binnen
       Sekunden entsteht ein reißender Fluss zu unseren Füßen samt eindrucksvoller
       Gulli-Fontänen. Wir versuchen uns zu beraten, wie man jetzt hier rauskommt,
       aber der Geräuschpegel ist so hoch, dass du nichts hörst außer Rauschen.
       Unweigerlich denke ich, mich wohl in Zukunft an so was gewöhnen zu müssen.
       Zumindest wenn Politik und Kapital weiterhin eifrig daran arbeiten, den
       3-Grad-High-Score zu knacken.
       
       Der Sturm erreicht die Sintflutmarke und außer Regen fallen nun auch
       Blumentöpfe und sonstige Balkonutensilien vom Himmel. Im Fluss treibt eine
       Zu-Verschenken-Box vor uns vorüber, einem Passanten wird das Fahrrad
       entrissen. Und hat sich gerade dieser PKW dort bewegt?
       
       Nach einer Viertelstunde ist alles wie auf einen Schlag vorbei. Als hätte
       Gott gelangweilt zum nächsten Reel gescrollt. Ein paar völlig durchnässte
       Menschen kriechen aus den Ecken. Der Himmel ist wieder blau, die Vögel
       singen weiter, G. und ich wechseln einen verstörten Blick. Dann spazieren
       wir weiter.
       
       13 Apr 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Maik Gerecke
       
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