# taz.de -- Die Pet Shop Boys im Konzert in London: Warum leben wir nicht zusammen?
> Seit über 40 Jahren gibt es die Pet Shop Boys jetzt schon. Jetzt gaben
> sie erstmals Clubkonzerte. Funktioniert das? Ein Besuch in London.
(IMG) Bild: Neil Tennant von den Pet Shop Boys während der Live-Shows in London am 6. April
Der Electric Ballroom ist eine Institution in der Musikszene Londons.
Früher traten hier [1][Joy Division], die Ramones und die [2][Talking
Heads] auf. Mittlerweile hat der Punk diesen Teil [3][Camden Town]s zwar
leider verlassen und eine durchformatierte triste Fußgängerzone entstand.
Aber der vergilbte Charme, die bierklebrigen Holzböden, die ausladenden
Bartheken, die großzügige Empore und die verblassten Konzertplakate dieser
Halle erinnern an den früheren Aufruhr, der von den Konzerten hier ausging,
als Krawall statt Kommerz in den Straßen von Camden regierte.
Warum sich an diesem Aprilabend so viele Menschen in der ausverkauften
Halle drängen, hat einen einfachen Grund. Die Pet Shop Boys, üblicherweise
Gast in gigantischen Hallen wie der Uber Arena in Berlin, haben sich
entschlossen, dass sie fünf intime Konzertabende hosten. Sie spielen nicht
die Singles, sondern eine Setlist ihrer B-Seiten und weniger
hitverdächtigen Songs in einem zweistündigen Konzert.
„Obscure“ heißt das kokett. Wobei der Großteil der an diesem Abend
gespielten Songs aus dem Backkatalog des mittlerweile über 40-jährigen
Schaffen des Duos zwar in der Definition keine genuinen Hits sind, aber
doch eindeutig allesamt eingängig sind.
„Suburbia“ vom ersten Album „Please“ kennen viele Menschen. Die ebenso gute
B-Seite dieser Single, „Jack the Lad“ dagegen wenige Eingeweihte. „Fan
Favorites“ nennt es Neil Tennant. Mitsingen können hier alle. Die rund
1.000 Tickets für jedes Konzert waren am ersten Tag weg. Das Publikum ist
gefühlt zu 70 Prozent mitgealtert. Viele weiß- und grauhaarige Fans stehen
in der Menge. Neil Tenannt ist 71 Jahre alt, Chris Lowe 66.
## Gesellschaftliche Veränderungen
Die Menge ist bei 1980er-Jahre-Stücken wie „King’s Cross“, „It couldn’t
happen here“ und „Why don’t we live together“ restlos begeistert, goutiert
aber auch die ruhigen Pianostücke mit fulminantem Applaus. Ein Höhepunkt
dabei ist das Lied „My funny uncle“. Es ist ein autobiografischer Bericht
über die Beerdigung eines Freundes, den Neil Tennant anlässlich dessen Tods
nach einer HIV-Erkrankung besuchte: „One mother’s son. His father’s distant
gaze, regretting Where they went wrong. He always found it too upsetting.“
Die über 40 Jahre der Existenz der Pet Shop Boys waren von
außergewöhnlichen gesellschaftlichen und politischen Veränderungen geprägt.
Viele Songtexte an diesem Abend reflektieren das: der Niedergang der
britischen Gesellschaft unter der Sparpolitik der Thatcher-Ära, die
grassierende Angst, in Großbritannien zur Zeit von Paragraf 28 als
homosexuell geoutet zu werden, der Zusammenbruch des europäischen
Kommunismus und später das Aufkommen einer hoffnungsvollen internationalen
queeren Bewegung.
Dass die Pet Shop Boys immer auch politisch waren – sie äußern regelmäßig
in sozialen Medien ihre Solidarität mit der Ukraine -, beweist auch der
letzte Song an diesem Abend: „I dream of a better tomorrow“. Der Erzähler
träumt von eben diesem „better tomorrow“, aber fordert die anderen dazu auf
„Wake up and make it all true.“ So endet dieser nostalgische Abend mit
einer positiven Botschaft für unsere Zukunft.
12 Apr 2026
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## AUTOREN
(DIR) Annette Walter
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