# taz.de -- Schüsse vor Konsulat in der Türkei: Viele offene Fragen
       
       > Bei einem Angriff auf Israels Konsulat am Dienstag in Istanbul werden ein
       > Mensch getötet und mehrere Personen verletzt. Die Motive sind noch
       > unklar.
       
 (IMG) Bild: Nach dem Anschlag in der Nähe der israelischen Botschaft in Istanbul wird der Tatort gesichert
       
       Drei bewaffnete Männer haben am Dienstagmittag das israelische Konsulat in
       Istanbul angegriffen. Sie versuchten in den siebten Stock eines Hochhauses,
       wo sich das Konsulat befindet, vorzudringen, wurden aber von der Polizei
       gestoppt. Über zehn Minuten gab einen Schusswechsel.
       
       Am Ende war einer der Angreifer tot. Die beiden anderen wurden schwer
       verletzt, genauso wie zwei Polizisten. Nach Angaben des Gouverneurs von
       Istanbul, Davut Gül, handelt es sich bei den Angreifern um drei Männer aus
       der Nachbarprovinz İzmit. Sie seien identifiziert worden – zwei von ihnen
       seien Brüder – und würden dem islamistischen Spektrum um den IS
       zugerechnet. Die beiden verletzten Männer seien in Polizeigewahrsam.
       
       Der Angriff wirft Fragen auf. Das israelische Konsulat in Istanbul ist seit
       mehr als zwei Jahren geschlossen und das Personal abgezogen. Dennoch wird
       die gesamte Gegend von der Polizei überwacht, es handelt sich um das
       Bankenviertel Istanbuls im Bezirk Levent. Hier haben etliche Großbanken
       ihren Hauptsitz. Auch das angegriffene Gebäude wird hauptsächlich von einer
       Großbank genutzt.
       
       Es ist schwer vorstellbar, dass ein IS-Kommando versucht, ein israelisches
       Konsulat zu stürmen, ohne sich vorher mit der Situation vertraut gemacht zu
       haben. Wussten sie nicht, dass das Konsulat geschlossen ist, oder war es
       ihnen egal?
       
       ## Öl ins Feuer
       
       Allerdings könnte ein solcher Angriff tatsächlich Öl ins Feuer einer
       sowieso vergifteten Beziehung zwischen der Türkei und Israel sein. Schon
       wenige Jahre nach dem Amtsantritt der damaligen Regierung Erdoğan in den
       Nullerjahren verschlechterte sich das bilaterale Verhältnis. Spätestens
       nach dem Hamas-Überfall auf Israel im Oktober 2023 und Israels Krieg gegen
       Gaza ist das Tischtuch zwischen Erdoğan und Israels Premier Netanjahu
       völlig zerschnitten.
       
       Zwar hatte die Türkei den Hamas-Überfall zunächst verurteilt, aber bald
       klargemacht, dass sie die Hamas für eine legitime Befreiungsbewegung hält.
       Je massiver die israelischen Angriffe auf Gaza wurden, desto massiver wurde
       die Kritik aus der Türkei. Erdoğan war einer der ersten mit dem Westen
       verbundenen Staatschefs, der von Völkermord sprach.
       
       Immer wieder wurde in den vergangenen Monaten in türkischen Medien
       spekuliert, Israel könnte auch die Türkei angreifen. [1][Seit Israel und
       die USA Iran angegriffen haben, gibt es immer mehr Menschen, die fürchten,
       in diesen Krieg hineingezogen zu werden].
       
       Trotz der Kritik an Israel werden jüdische Einrichtungen in der Türkei
       streng bewacht. Man will keinesfalls den Eindruck erwecken, Juden würden in
       der Türkei nicht geschützt. Wohl deshalb sprach Istanbuls Gouverneur Davut
       Gül schon kurz nach dem vereitelten Angriff von einer Provokation.
       
       7 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Pressefreiheit-im-Irankrieg/!6159717
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jürgen Gottschlich
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Türkei unter Erdoğan 
 (DIR) Israel
 (DIR) „Islamischer Staat“ (IS)
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Istanbul
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Türkei
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Schüsse vor israelischem Konsulat: Fast 200 Festnahmen nach Schüssen in Istanbul
       
       Der IS soll für die Schüsse vor dem israelischen Konsulat in Instanbul
       verantwortlich sein. Knapp 200 Verdächtige wurden am Mittwoch festgenommen.
       
 (DIR) Pro-Hamas-Proteste in der Türkei: „Tod den Zionisten“
       
       Auf Geheiß des türkischen Präsidenten Erdoğan feiern in der Türkei
       Zehntausende den getöteten Hamas-Chef Ismail Haniyeh und protestieren gegen
       Israel.
       
 (DIR) Erdoğan gegen Israel: Schrille Rhetorik aus der Türkei
       
       Türkeis Präsident Erdoğan geriert sich als feindseliger Gegner Israels –
       und das nicht erst seit dem Raketenangriff auf die Golanhöhen.
       
 (DIR) Krieg im Gazastreifen: Israel wehrt sich gegen Boykott
       
       Die Türkei will den Handel mit Israel so lange stoppen, bis die israelische
       Regierung einem Waffenstillstand im Gazastreifen zustimmt.