# taz.de -- Nepal nach dem Regierungswechsel: Aufbruchsstimmung in Kathmandu
> Im Himalajastaat will die neue Regierung von Balendra Shah mit einem
> 100-Punkte-Plan die Korruption beseitigen und die tödlichen Proteste
> aufarbeiten.
(IMG) Bild: Nicht allen gefällt der Kurswechsel: Anhänger des festgenommenen maoistischen Ex-Premiers Oli protestieren Ende März in Kathmandu
Was im Wahlkampf noch improvisiert wirkte, nimmt jetzt Gestalt an. Nepals
neue Regierung unter [1][Premierminister Balendra Shah] (RSP) hat nach
ihrem deutlichen Wahlsieg im März begonnen, ihr Reformprogramm umzusetzen.
Zentrale Punkte sind Korruptionsbekämpfung, Digitalisierung, ein
effizienterer Staatsapparat sowie mehr soziale Gerechtigkeit in dem Land
mit rund 30 Millionen Einwohnern.
Der 36-jährige Rapper, Ex-Bürgermeister der Hauptstadt Kathmandu, und sein
Kabinett verlieren seit der Amtseinführung Ende März keine Zeit, die
Versprechen umzusetzen, die die alten Eliten herausfordern könnten. Eine
der ersten Aktionen war ein Verbot von [2][Studierendenwahlen]. Für
Schlagzeilen sorgte ebenfalls, dass noch am Abend seiner Ernennung zum
Innenminister der ehemalige DJ [3][Sudan Gurung] die Polizei anwies, den
maoistischen Ex-Premier KP Sharma Oli (CPN-UML) sowie den Ex-Innenminister
Ramesh Lekhak (Nepali Congress) zu [4][verhaften].
Die Festnahmen stehen im Zusammenhang mit den tödlichen Protesten im
September 2025. Die Schuldfrage ist bis heute offen. Während Angehörige der
Opfer Aufklärung fordern, protestieren Befürworter der damaligen Regierung
Oli gegen dessen Untersuchungshaft.
Innenminister Gurung erhielt dafür sowohl Lob als auch fachliche Kritik.
„Dass der Innenminister selbst Haftbefehle ausstellt und in den sozialen
Medien darüber berichtet, deutet darauf hin, dass sich die politische
Führung in die Polizeiarbeit einmischt“, meint der ehemalige hochrangige
Polizeiinspektor Hemanta Malla Thakuri.
## Hoffnungsträger einer Generation
Erst wenige Wochen vor der Wahl waren Shah und Gurung der jungen
Einheitspartei Rashtriya Swatantra Party (RSP) beigetreten. Beide Politiker
gelten als Hoffnungsträger einer Generation, die sich neue Gesichter in der
Politik wünscht.
Einige der jüngsten Entscheidungen wirkten pragmatisch, andere
populistisch, sagen [5][Beobachter:innen]. Die 2022 gegründete, früher
kleine Partei RSP dominiert inzwischen die Politik. Viele junge
Wähler:innen hatten die etablierten Kräfte bei der Wahl abgestraft.
Das zeigt sich auch personell: Die meisten neuen Minister:innen sind
zwischen 29 und 51 Jahre alt. Damit wird eine weitere Forderung der jungen
Bevölkerung nach einer diverseren Repräsentation erfüllt. Erstmals in der
politischen Geschichte Nepals ist nun zudem ein [6][Drittel der
Ministerposten mit Frauen] besetzt, die verschiedene Gemeinschaften
repräsentieren: Khas-Arya, Dalit, Madhesi und Tharu. Besonders beachtet
wurde die Ernennung von Nepals erster Ministerin aus der Gemeinschaft der
Dalits („Kastenlosen“). Die etwa 30-jährige Sita Badi (RSP) ist jetzt
zuständig für Soziales.
Doch die regierende RSP geht noch einen Schritt weiter: Anfang April
[7][entschuldigte] sich Parteigründer Rabi Lamichhane im Namen der
Regierung und der Partei bei den Dalits und kündigte eine Wiedergutmachung
für die historische Diskriminierung an.
## Ausgesprochene Entschuldigung und versprochene Jobs
„Kein Nepalese wird sich jemals wieder im Namen der Kaste verneigen
müssen“, sagte Lamichhane vor dem Parlament. Die Entschuldigung soll mit
konkreten Maßnahmen untermauert werden, etwa durch Arbeitsplätze, um die
Abwanderung junger Menschen zu bremsen.
Auch der Zugang zu Gesundheitsversorgung und Bildung für ärmere
Bevölkerungsschichten soll verbessert werden. Shahs Wahlsieg weckt auch im
Ausland Erwartungen. Indiens Premierminister Narendra Modi suchte früh den
Kontakt, den Shah erwiderte. Die vorherige Regierung unter Oli war dagegen
für ihre Nähe zu Peking und Sticheleien gegenüber Delhi bekannt.
8 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] /35-jaehriger-Ex-Rapper-wird-Premierminister-in-Nepal/!6160911
(DIR) [2] https://kathmandupost.com/politics/2026/03/31/planned-ban-on-student-unions-sparks-debate-on-fundamental-right
(DIR) [3] https://kathmandupost.com/national/2026/04/03/new-home-minister-s-unconventional-approach-to-governance-raises-eyebrows
(DIR) [4] /Nach-toedlichen-Protesten-im-September/!6166728
(DIR) [5] https://kalamweekly.substack.com/p/one-week-of-the-balen-shah-government?utm_campaign=email-half-post&r=12aag7
(DIR) [6] https://en.nepalkhabar.com/news/detail/17730/
(DIR) [7] https://kathmandupost.com/national/2026/04/07/ruling-party-apologises-to-dalits-for-historical-injustice-but-communities-demand-real-change
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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