# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es um Hunger oder Heimat geht
Das Briesetal ist ein verwunschener Ort. Kahle Erlenstämme ragen mystisch
aus dem träge fließenden Flüsschen, über das Biber reihenweise Holzbrücken
gelegt haben. Verzückt wandern wir durch den lauschigen Mischwald, der vom
Frühling offenbar noch nichts gehört hat und weiter sein graues Gewand
trägt. Aber nach einer Weile des forschen Ausschreitens legt sich uns das
Grau in Grau von Landschaft und Himmel doch auf die Seele. Vielleicht auch,
weil unsere Gespräche zumeist um Trauriges wie Weltlage und Klimakrise
kreisen. Oder werden unsere Themen von der grauen Landschaft beeinflusst?
Jedenfalls: Der Weg bis zur Gaststätte, die als Ziel auserkoren ist, wird
immer länger. Obwohl uns inzwischen der Magen knurrt, lassen wir die
Bockwurst am Forsthaus aus, weil die Speisekarte der Bahnhofsgaststätte
Zühlsdorf so verlockend geklungen hat.
Als wir endlich dort ankommen, stellen wir fest: Entweder haben wir noch
Zeit fürs Essen oder wir nehmen den Bus zurück nach Berlin. Der fährt nur
alle zwei Stunden. Immerhin, könnte man sagen – aber so lange wollen wir
doch nicht mehr im Grauen bleiben. Und fahren hungrig heim. Susanne
Memarnia
18 Apr 2026
## AUTOREN
(DIR) Susanne Memarnia
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