# taz.de -- Colonia Dignidad: Rolle rückwärts
> Chiles Präsident stoppt den Gedenkstättenbau des ehemaligen Sektenortes.
> Das reiht sich in einen revisionistischen Trend ein.
(IMG) Bild: Villa Baviera: Erinnerungsstein an die ehemalige Siedlung Colonia Dignidad. Der Bau einer Gedenkstätte wurde gestoppt
Die ehemalige Colonia Dignidad steht wie kaum ein anderer Ort auf der Welt
für die systematische Verletzung von Menschenrechten, für sexualisierte
Gewalt an Kindern, psychische und körperliche Misshandlungen, Folter und
Mord. Über Jahrzehnte wurden dort Menschen gequält, viele der
Bewohner*innen waren erst Opfer und wurden dann selbst zu
Täter*innen gemacht. In der Zeit der Pinochet-Diktatur wurde das vom
deutschen Kinderschänder Paul Schäfer gegründete Anwesen zur geheimen
Folter- und Ermordungsstätte des Geheimdienstes.
Weder juristisch noch politisch ist die Geschichte der [1][Sektensiedlung
vollständig aufgearbeitet. Ein wichtiger Schritt war im vergangenen Jahr
von der damaligen chilenischen Regierung gegangen worden: Sie
verabschiedete den Plan, die 117 Hektar zu enteignen und] dort eine
Gedenkstätte für die Opfer zu errichten. Jetzt hat der Pinochet-Verehrer
José Kast das Präsidentenamt übernommen und prompt [2][macht seine
Regierung die Entscheidung rückgängig] – mit dem fadenscheinigen Verweis
auf Geldmangel.
Doch das ist offensichtlich vorgeschoben: Die Kast-Regierung reiht sich ein
im globalen Kampf der gar nicht mal so neuen Rechten um die Geschichte und
ihre Deutung. Donald Trump tilgt in den USA die Themen Sklaverei und
Rassismus aus den Geschichtsbüchern und Museen. Argentiniens Präsident
Javier Milei relativiert die Verbrechen der dortigen Militärdiktatur. In
Deutschland will die AfD den „Schuldkult“ beenden.
Überall sind es die Opfer oder ihre Nachfahren gewesen, die sich Orte und
Öffentlichkeit erkämpfen mussten, damit ihre Geschichte anerkannt wurde.
Wie eine Barriere, man könnte sagen, wie eine Brandmauer, standen die
Menschen, die Orte und die erzählten Erinnerungen vor einer Neuauflage der
alten verbrecherischen Ideen. Diese Erinnerungskultur zu bewahren oder
überhaupt erst zu etablieren, ist keine Investition in die Vergangenheit,
sondern in eine demokratische Zukunft. Und das wird niemals mit, sondern
nur gegen die neue extreme Rechte zu machen sein.
31 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ehemalige-Colonia-Dignidad-in-Chile/!6096035
(DIR) [2] https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-03/chile-colonia-dignidad-sekte-enteignung-ruecknahme
## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
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