# taz.de -- Neues von Tom-Strips: ©Tom geht in Aktivrente
> Für 34 Jahre zeichnete Tom den täglichen Touché auf der Wahrheit-Seite.
> Nun ist es Zeit für einen Wandel. Ulrike Winkelmann erzählt die
> gemeinsame Geschichte von Tom und der taz.
(IMG) Bild: Schon 10 Jahre her, trotzdem schön: Tom auf der Wahrheit-Gala 2016
Aus der taz | Weil es lange her ist, kann ich es jetzt hoffentlich schadlos
erzählen: Vor vielen Jahren waren wir in der taz einmal so unvorsichtig zu
erheben, welche tazlerInnen unseren AbonnentInnen am besten bekannt sind.
Das Ergebnis war teils ein wenig bestürzend, denn auf manchen der vorderen
Ränge fanden sich KollegInnen, die entweder schon verstorben waren oder
längst woanders arbeiteten.
Ganz genau richtig und einleuchtend aber war, dass Tom dabei war,
vielleicht sogar auf dem ersten Platz, aber das weiß ich nicht mehr. Sie
kennen Tom auch, seit fast 35 Jahren zeichnet er den Touché auf der
Wahrheit-Seite, den sehr mutmaßlich beliebtesten Comicstrip unter der
Sonne.
Ganze Generationen von taz-Kindern wurden nun schon groß mit dem
Tom-Touché, längst verkauft der taz-Shop die Touché-Tassen und auch Toms
„Ziegel“, das sind die backsteinförmigen Sammelbände der „Streifen“ (so
nennt die Wahrheit-Redaktion die kleine Bilderfolge). Zu Weihnachten
wickeln wir unsere Geschenke in Tom-Geschenkpapier.
## Er geht bloß in Aktivrente
Tom heißt vollständig Tom Körner und ist aus dem taz-Kosmos wirklich kaum
wegzudenken. Er hat die taz und ihre Bildsprache, ihren Auftritt, ihren
Klang und ihren Humor geprägt. Sie können sich nicht vorstellen, aus
welchen Wolken wir fielen, als Tom vor geraumer Zeit verkündete, irgendwann
erreiche auch er das Rentenalter! Zwei Drittel der Chefinnenredaktion sind
flugs, und dann auch mehrfach, mit Tom in Kreuzberg Wiener Schnitzel samt
Gurkensalat essen gegangen, um ihm diesen Unsinn auszureden. Eine Pause ab
und zu, ja, aber Rente? Wer will den sowas? Mit – nach aktuellem Stand –
gerade einmal 66 Jahren?
Auch Michael Ringel und Harriet Wolff von der Wahrheit-Redaktion waren
natürlich alarmiert und unternahmen Dinge, aber das erzählen die Ihnen auf
ihrem eigenen Platz, sprich [1][auf ihrer eigenen Seite].
Und wissen Sie, es macht uns froh, was das Ergebnis ist: Tom bleibt, er
geht bloß in Aktivrente. Die AktivrentnerInnen unter Ihnen wissen, dass man
unter dieser Bezeichnung einfach weiterarbeitet, nur eben nicht ganz jeden
Tag. Der Plan ist jetzt also der, dass Tom ab Montag, dem 13. April, seinen
Strip nur noch für die bunte wochentaz-Wahrheit zeichnet und wir unter der
Woche den Platz für neue Talente freigeben. Die Tradition des Cartoons –
Tom spricht, analog zu „Streifen“ für „Strip“, übrigens hier gern auch von
„Pappe“ – soll weitergeführt, ja überhaupt in der taz für den gesamten Rest
der deutschsprachigen Welt gepflegt werden, denn so schrecklich viele
Comicstrips gibt’s hier ja überhaupt nicht, und schon gar nicht in der
Tagespresse.
## Schwimmaufseher mit Menschenkenntnis
Beim Blick in unser Archiv finden sich gleich mehrere Porträts und auch
Interviews über und mit Tom, in denen er nach den Wurzeln und Urgründen
seines Schaffens durchleuchtet wurde. 2020 druckten wir [2][einen Text von
Tom selbst], in dem er beschrieb, wie die „Peanuts“ des im selben Jahr
verstorbenen Charles M. Schulz ihn in seiner südwestdeutschen Kindheit
geprägt haben, und wie er aber in Abgrenzung vom großen „Snoopy“-Schöpfer
im Berlin der 90er Jahre seine eigene Ausdrucksform fand: Schulz
verfertigte die Peanuts als klassische amerikanische Vierbilderstreifen,
die laut Tom den dramaturgischen Vorteil haben, „dass die Figuren
zwischendurch mal ein bisschen herumstehen und überlegen können“. Tom aber
wollte schneller ans Ziel, beschränkte sich also auf drei Bildchen, „und
die Pointe kommt kurz und zackig“, so schrieb er.
Von den vielen Figuren, die Tom geschaffen hat, haben mich am meisten der
Bengel im Fahrradsitz seiner Mutter und die Kids mit dem Bademeister im
Schwimmbad inspiriert. Ich sehe kein Kind im Fahrradsitz mehr an mir
vorbeiziehen, ohne mit ihm in einen inneren Dialog zu treten: ‚Kannst Du
wertschätzen, wie fest Deine Mutter für Dich in die Pedale tritt, Du
Rotznase?‘, ‚Hältst Du Dein Stofftier hoffentlich fest genug, dass ihr
nicht gleich umkehren und den Rinnstein danach absuchen müsst?‘ – solche
Dinge. Aus dem Schwimmaufseher am Beckenrand spricht meines Erachtens eine
so große Menschenkenntnis, er bademeistert die sozialen Konflikte in seinem
Schwimmbecken so lebensklug – um die Güte und Weisheit in dieser Szenerie
schriftlich darzustellen, wären auf anderen taz-Seiten auch 10.000 Zeichen
nicht genug.
Aber in Toms Fall ersetzen drei Bildchen eben tausend Worte. Freuen Sie
sich also auf die wochentaz-Toms nach den Osterferien, und dann auch auf
die neuen Zeichnerinnen und Zeichner unter der Woche [3][im ePaper der
taz]! Und den „Tom-Shuffle“ auf taz.de ganz unten, der aus dem Riesenwerk
Toms per Mausklick eine Zufallsauswahl zeigt, den ergänzen wir natürlich
auch nach und nach mit dem Oeuvre der Neuen. Das wird dann ein Kunstwerk
für sich.
🐾 ©Tom geht in Aktivrente! Ab Montag, den 13. April, erscheint der tägliche
touché von ©Tom auf der Wahrheit nur noch wochenendlich. Fünf neue
Cartoonistinnen und Cartoonisten treten werktags ©Toms glorreiches Erbe an.
[4][Alle Infos zur Tom-Streifenwende hier.]
27 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Die-Wahrheit/!6166136
(DIR) [2] /Die-Wahrheit/!5712986
(DIR) [3] https://epaper.taz.de/
(DIR) [4] /streifenwende-bei-tom/!t5180734
## AUTOREN
(DIR) Ulrike Winkelmann
## ARTIKEL ZUM THEMA