# taz.de -- Die Wahrheit: Major ©Tom and the next generation​
       
       > Streifenwende: Der beliebte Wahrheit-Zeichner geht in die Aktivrente,
       > bleibt der Wahrheit aber als Teil eines Teams erhalten. ​
       
 (IMG) Bild: ©Tom
       
       Wir schreiben das Jahr 1991 Sternenzeit auf Terra. Der junge Major ©Tom
       erkundet auf dem Sternenkreuzer „Grober Unfug“ im Sektor Kreuzberg die
       unendlichen Weiten des Comic-Universums. Als Sales Officer steht er an der
       Theke und versorgt die meist jugendliche Kundschaft mit Cartoons und Comics
       aus allen Ecken und Enden der Milchstraße. Nebenher zückt er den Stift und
       versucht sich in ersten eigenen Werken.
       
       Major ©Tom hat nie die Sternenakademie besucht, ist Autodidakt und bringt
       sich fast alles selbst bei. Doch seine Schöpfungen drängen an die
       Öffentlichkeit, und als er erfährt, dass das ebenfalls in Kreuzberg
       agierende Raumschiff taz ein kleines Shuttle namens „Die Wahrheit“ am 3.
       September 1991 auf eine Mission zur Verbreitung des kompletten Unfugs in
       den Weltraum losschickt, da beschließt das Greenhorn, Teil der Mission zu
       werden. Major ©Tom schickt einen ersten Cartoon an die Kommandanten der
       „Wahrheit“: Der Papst besucht Grönland, küsst den Boden und bleibt mit den
       Lippen an einer Eisscholle hängen.
       
       Den Wahrheitistas gefällt sehr, was sie da sehen, und als der Grünschnabel
       sich mutig entschließt aufs Ganze zu gehen und ihnen gleich einen Streifen
       in drei Bildern nach dem Vorbild amerikanischer Zeitungsstrips anzubieten,
       greifen sie zu. Am 6. Dezember 1991 erscheint der erste touché, und Major
       ©Tom erhält die Order: Mach ruhig weiter …
       
       Wer hätte damals gedacht, dass von nun an mehr als drei Jahrzehnte lang
       jeden Tag der Streifen erscheinen wird und dass aus dem blutjungen Major
       fast 35 Jahre später Admiral ©Tom wird, der beliebteste Mitarbeiter in der
       Raumflotte der taz.
       
       Dazwischen liegen harte Jahre des learning by doing. Anfangs stimmen die
       Proportionen der Figuren, die ©Tom peu à peu erfindet, nicht recht. Ihre
       Nasen wirken seltsam geschwollen, und ein Hintergrund ist gar nicht
       vorhanden. Erst ein Besuch der Volkshochschulsternenakademie beim
       Tannhäuser Tor bringt Abhilfe, wenn er lernt, zwei schwarze Schwingen, die
       wie Vögel wirken, ins Weiß des Rahmens zu setzen, um einen plastischen
       Hintergrund zu schaffen.
       
       Zudem will der klassische Dreisprung des Dreibildwitzes gelernt sein:
       Exposition, Entwicklung, Pointe. Langsam gewinnen auch seine Charaktere
       Format: Von der Postoma bis zum Höllenteufel entwickeln sie ihren eigenen
       Witz, der ganz auf ©Toms Humor beruht. Seine Helden müssen
       Kleinkatastrophen überstehen und haben absurde Probleme im Alltag, aber
       ©Tom und seine Leser lachen immer mit ihnen, nie über sie.
       
       Geholfen haben ihm dabei seine Vorbilder, allen voran der Commander Charles
       M. Schulz, dessen „Peanuts“ er schon auf dem Schulhof kennenlernte, wie er
       einmal erklärte: „Wir alle waren wie dieser kugelköpfige Junge Charlie
       Brown, der zwar ziemlich depressiv war, sich aber mit den wirklich
       wichtigen Dingen des Lebens beschäftigte: Freunde, Fußball, Fernsehen,
       Vor-sich-Hinstarren …“
       
       Doch die biologische Uhr tickt auch für einen Offizier der Sternenflotte,
       was an ©Toms Stirn abzulesen ist, wo sich wie die Jahresringe eines Baums
       vom Grübeln über den passenden Witz tiefe Furchen in den Kopf gegraben
       haben. Und so zeichnete es sich schon seit einiger Zeit ab, dass ©Tom
       kürzer treten möchte. Das Gute ist, er darf es nach einem Gesamtwerk von
       annähernd 10.000 Streifen ruhigen Gewissens tun, das noch Bessere ist: Er
       bleibt der Wahrheit erhalten. Denn ©Tom wird weiterhin für die
       Wochentaz-Ausgabe am Samstag seinen Streifen liefern. Und er wird Teil
       eines neuen Teams, das frisch von der Sternenakademie für die Wahrheit
       verpflichtet wurde, um neue unendliche Weiten in ihrer Sternenzeit zu
       erkunden.
       
       Unter der Woche werden ab dem 13. April jeweils von Montag bis Freitag fünf
       neue Cartoonistinnen und Cartoonisten das glorreiche Werktagserbe von ©Tom
       antreten. Ihnen eine große Ehre sei das, bestätigen unisono Dorthe
       Landschulz, Oliver Ottitsch, Ruth Hebler, Rattelschneck und Holger
       Weyrauch, die die Wahrheit verpflichten konnte, ihre ganz eigenen
       Strip-Welten auf dieser, unserer einzigen Satireseite einer Tageszeitung
       weltweit entstehen zu lassen. Freuen Sie sich schwarzweiß-scheckig auf Frau
       Sonntag, auf den TingelTangel Jungle und auf Trompi, auf die wöchentliche
       Stripvisite und auf P'Timort & Lilsis.
       
       Hereinspaziert in die Bildwelten dieser Künstlerinnen und Künstler, die
       allesamt bereits jetzt schon in regelmäßigen Abständen für die Wahrheit
       zeichnen. Einige von ihnen haben wir entdeckt über die famose
       „Sommerakademie Komische Kunst“ der Caricatura Galerie in Kassel. Da wären
       also nochmal kurz zum Mitschreiben, wir stellen die neuen Cartoonistas noch
       ausführlicher demnächst vor: Holger Weyrauch, geboren in Wesel, studierter
       Architekt und Gestalter, Ruth Hebler, nach eigener Aussage Eifelmädchen und
       Kölnerin, das Duo Rattelschneck aus Berlin und Stockholm, Oliver Ottitsch,
       steirischer Österreicher, und Dorthe Landschulz, die
       Wahrheit-Streifen-Bereicherung aus der französischen Bretagne! 
       
       Major ©Tom and the next generation: Die neuen Strips, sie mögen ab dem 13.
       April beginnen! Allen Beteiligten und Ihnen, verehrte Wahrheit-Leserschaft,
       viel Vergnügen dabei. Und ein 35-fachiges Hip-Hip-Hurra plus 35 Trilliarden
       mal Dank auf und an ©Tom, das er uns auch weiter auf der Wahrheit inklusive
       seines Touché-Bestiariums erhalten bleibt.
       
       27 Mar 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Ringel
 (DIR) Harriet Wolff
       
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