# taz.de -- Rolle des dritten Torhüters: Einsatzfreude auf der Bank
       
       > Carlo Pinsoglio ist bei Juventus Turin schon eine halbe Ewigkeit dritter
       > Torhüter. Er schätzt seinen Job, zumal er immer herausfordernder wird.
       
 (IMG) Bild: Hat gut lachen: Carlo Pinsoglio hat sich mit seinem Schattendasein gut arrangiert
       
       Nur einige 100 Meter vom Trainingsgelände entfernt kam er zur Welt. Mit
       Unterbrechungen ist er fast 20 Jahre im Verein, davon fast neun Jahre mit
       der ersten Mannschaft bei insgesamt vier Vertragsverlängerungen. Nur sechs
       Spiele hat er in dieser Zeit bestritten, aber immerhin acht Titel gefeiert.
       Das ist die verrückte Geschichte von Carlo Pinsoglio, dritter Torwart
       [1][bei Juventus Turin]. Seine jüngste Vertragsverlängerung hat in Italien
       eine charmante Debatte um die Rolle des dritten Keepers ausgelöst.
       
       Für die einen handelt es sich um die Traumrolle: „Kein Druck, trotzdem ein
       beachtliches Gehalt, genug Freizeit für allerlei Blödsinn, fettes Grinsen
       von morgens bis abends, ein bisschen Fitnessstudio, viel Vergnügen,
       Restaurantbesuche, Partys“, fasste ein humoristisch veranlagter X-User
       seine Sicht der Dinge zusammen.
       
       Als dritter Keeper ist man mittendrin im prestigeträchtigen Geschäft, Tag
       für Tag auf Tuchfühlung mit den Stars. Die Wochenenden sind meist frei
       verplanbar. Geld bekommt man trotzdem, wenngleich im Falle Pinsoglio die
       Erfolgsprämien nach gewonnenen Meisterschaften (deren drei) das Grundgehalt
       (ca. 300.000 Euro jährlich) beträchtlich übersteigen dürften.
       
       Andererseits gleicht ein dritter Keeper dem zweiten Ersatzrad. Vollkommen
       überflüssig, kaum eine Chance, ins Fernsehen zu kommen, Wettkampfpraxis
       kaum vorhanden.
       
       ## Bankzeit dient der Gesundheit
       
       Vorteile der Torhüterreservistenrolle sind wiederum wissenschaftlich
       belegt. Eine Studie des Journal of Science and Medicine in Sport aus dem
       Jahr 2013 fand heraus, dass Keeper sich im Training weniger verletzen als
       Feldspieler, [2][die Verletzungshäufigkeit im Wettkampf] aber etwa gleich
       sei. Torhüter sein und nicht spielen müssen, ist der Gesundheit also
       dienlich.
       
       Sven Ulreich, dritter Keeper bei Bayern München, bestätigte kürzlich mit
       seiner Verletzung im Ersteinsatz nach langer Pause gegen Leverkusen die
       Studie eindrücklich. Er musste ran, und schon riss ein ganzes Muskelbündel.
       
       Eine kleine Verletzungshistorie hat allerdings selbst Pinsoglio. Im Herbst
       musste er wegen einer Muskelverletzung mehrere Wochen pausieren. Auch eine
       Coronainfektion steht zu Buche.
       
       Der Dauerreservist sieht seine Rolle übrigens in einem interessanten Wandel
       begriffen. „Früher war sie tatsächlich wenig bedeutsam. Heutzutage muss man
       sich aber um viele Dinge kümmern“, reflektierte er vor etwa fünf Jahren
       sein spezielles Metier. In erster Linie seien das Fanarbeit und
       Unterstützung der spielenden Kollegen von der Bank aus. Das machte er
       zuletzt so leidenschaftlich, dass er sich im Champions-League-Match gegen
       Galatasaray eine Gelbe Karte wegen Protesten einfing. Er sorgt damit in
       Europas Königsklasse für die spezielle Marke von null Spielminuten und
       einer Verwarnung – ein besonderer Leistungsnachweis für einen dritten
       Keeper.
       
       Bei seinem Verein wird er geschätzt. Juventus lobte anlässlich der
       Vertragsverlängerung: „Er verkörpert perfekt den Juve-Stil. Er ist
       verlässlicher Bezugspunkt für die Mitspieler, auch dank seines positiven
       Führungsstils und ein Musterbeispiel für Einsatzfreude.“
       
       Der Legende nach zählt er zu den wenigen Menschen, die dem stets ernsten
       [3][Musterprofi Cristiano Ronaldo] mit kleinen Scherzen beim extra
       Schusstraining das eine oder andere Lächeln ins Antlitz zauberte.
       Gemeinsame Abendessen waren der Lohn. „Und bezahlt hat immer er“, erzählte
       Pinsoglio.
       
       Wichtige Aufgabe ist auch, die jeweils neuen Spieler zu integrieren. Im
       Sommer, wenn die Gerüchte sich bewahrheiten, den noch derzeitigen FC
       Bayern-Profi Leon Goretzka. Selbst wird er bis mindestens Juni 2027
       Juve-Angestellter sein. Und wahrscheinlich ist wieder der letzte Spieltag
       für seinen Kurzeinsatz auf dem Rasen vorgemerkt. Seine sechs
       Pflichtspieleinsätze ab 2017 kamen allesamt auf diese Art zustande.
       
       19 Mar 2026
       
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