# taz.de -- Aktivist für die Himalaya-Region: Sonam Wangchuk, Gesicht einer Bewegung
       
       > Ingenieur, Klimaaktivist, Hungerstreikender für das indische
       > Unionsterritorium Ladakh: Nach einem halben Jahr kommt Sonam Wangchuk aus
       > dem Gefängnis.
       
 (IMG) Bild: Sonam Wangchuk spricht auf einem Seminar in Kalkutta, Indien
       
       Als Sonam Wangchuk im vergangenen Herbst medienwirksam in den Hungerstreik
       trat, wollte er Aufmerksamkeit für die Zukunft seiner Heimat Ladakh
       schaffen. Das gelang ihm, doch es folgten die schwersten Proteste im
       indischen Unionsterritorium seit Jahrzehnten.
       
       Die Bewegung forderte politische Mitsprache für die Himalaja-Region, die
       seit 2019 direkt von Delhi aus regiert wird, sowie entweder volle
       Staatlichkeit oder verfassungsmäßigen Schutz für die Stammesgemeinschaften
       Ladakhs. Dazu kam es bislang nicht.
       
       Wangchuk selbst stammt aus der buddhistischen Bevölkerung Ladakhs, einer
       kulturellen und religiösen Minderheit, die einst Teil des muslimischen
       geprägten Bundesstaates Jammu und Kaschmir war, im insgesamt hinduistisch
       geprägten Indien. Bekannt wurde der Ingenieur vor allem durch seine
       Bildungsarbeit.
       
       Nachdem im September vergangenen Jahres die [1][Proteste jedoch eskaliert
       waren], vier Menschen starben und Dutzende verletzt wurden, wurde Wangchuk
       ohne Prozess nach dem Gesetz zur nationalen Sicherheit (NSA) zur
       „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“ verhaftet. Das lässt zu, eine
       verdächtige Person bis zu zwölf Monate ohne Anklage zu inhaftieren.
       
       ## Wangchuk: „Mein Engagement für Ladakh ist ungebrochen“
       
       Ob die Vorwürfe gegen ihn nun fallen gelassen wurden, ist noch unklar. Am
       Wochenende wurde der prominente Aktivist jedenfalls nach rund sechs Monaten
       Haft aus dem Gefängnis im westindischen Jodhpur freigelassen. Das indische
       [2][Innenministerium] teilte mit, man habe beschlossen, die Haft „mit
       sofortiger Wirkung“ zu beenden. Zugleich erklärte die Regierung, sie bleibe
       „dem Ziel verpflichtet, Frieden, Stabilität und gegenseitiges Vertrauen in
       Ladakh zu stärken“ und wolle einen „sinnvollen Dialog mit allen
       Interessengruppen“ führen.
       
       Die Regierung unter [3][Narendra Modi (BJP)] hatte die Gewalt damals auf
       „provokative Reden“ Wangchuks zurückgeführt. Für viele Menschen in Ladakh
       ist der 59-jährige Umweltaktivist dagegen ein Visionär. Er gründete 1988
       die Organisation SECMOL, die alternative Schulen aufbaute und Jugendlichen
       aus abgelegenen Bergdörfern Bildung ermöglicht.
       
       Für Delhi ist er eher ein unbequemer Kritiker in einer geopolitisch
       sensiblen Grenzregion mit China und Pakistan. Die Lage hat sich inzwischen
       beruhigt, der Konflikt um politische Mitsprache bleibt jedoch.
       
       Die Regierung hob die Haft kurz vor einer Anhörung des Obersten
       Gerichtshofs auf, nachdem seine Frau Gitanjali J. Angmo eine Petition
       eingereicht hatte. „Gestern habe ich den letzten Brief an den
       Gefängnisdirektor geschrieben, um die Erlaubnis zu erhalten, Sonam Wangchuk
       zu treffen und ihn über seine Entlassung zu informieren“, schrieb sie am
       Sonntag auf der [4][Plattform X]. Sie dankte Unterstützern und sprach von
       einer „Tortur von 170 Tagen im Gefängnis“ für ihren Mann. Anschließend
       postete sie [5][zwei Fotos], die beide wiedervereint zeigen.
       
       Ein paar Tage zuvor [6][hatte Wangchuk angekündigt], er werde sich nicht
       aus dem Aktivismus zurückziehen: „Mein Engagement für Ladakh ist nach wie
       vor ungebrochen.“ Doch Aktivismus müsse einem größeren Ziel dienen: „einer
       gerechten, nachhaltigen Zukunft für Ladakh“.
       
       Stimmen aus der Politik meldeten sich ebenfalls: So hinterfragte der
       Oppositionelle Ashok Gehlot (Kongress-Partei) und frühere Ministerpräsident
       von Rajasthan, wo Wangchuk einsaß, wer die Haft zu verantworten habe. Omar
       Abdullah, Ministerpräsident von Jammu und Kaschmir, erklärte, Wangchuk
       hätte „nie verhaftet werden dürfen“.
       
       15 Mar 2026
       
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 (DIR) [4] https://x.com/GitanjaliAngmo/status/2033048727309660300
 (DIR) [5] https://x.com/GitanjaliAngmo/status/2033083826411622866
 (DIR) [6] https://x.com/Wangchuk66/status/2031950972713394526
       
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