# taz.de -- Rechtsradikale Partei in Griechenland: 42 Verurteilte im Prozess gegen Mitglieder der Goldenen Morgenröte
> Das Berufungsgericht in Athen verhängt Haftstrafen wegen Führung und
> Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung, Mord und versuchter Tötung.
(IMG) Bild: Magda Fyssas (M.), die Mutter des von einem Mitglied der Goldenen Morgenröte ermordeten antifaschistischen Rappers Pavlos Fyssas
Die Nacht auf Freitag verbrachte sie auf der Polizeiwache. Kurz nach 9.30
Uhr Ortszeit am Freitag verließ Eleni Zaroulia die Polizeidienststelle in
Pefki, einem gutbürgerlichen Vorort im Norden von Athen. Sie wurde dem
Staatsanwalt vorgeführt, der ohne Verzug den Strafvollstreckungsbefehl
ausstellte – eine Formsache.
Inzwischen ist Zaroulia in das Frauengefängnis in Eleona bei Theben
eingewiesen worden. Am Mittwoch hatte das Athener Berufungsgericht das
Urteil verkündet: fünf Jahre Haft wegen der Beteiligung an einer
kriminellen Vereinigung.
## 42 Urteile gegen Mitglieder der Goldenen Morgenröte
Mehr als zehn Jahre Ermittlungen, insgesamt 678 Verhandlungstage, 265
Zeugen und eine riesige Menge von über vier Terabyte an digitalem Material:
Die 64-jährige Eleni Zaroulia zählt zu den insgesamt 42 Verurteilten im
Mammutprozess um die Straftaten der Führungsriege, Mitglieder sowie
„Mitstreiter“ der berühmt-berüchtigten rechtsradikalen Ex-Parlamentspartei
Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi/XA). Das Athener Berufungsgericht
verurteilte in zweiter Instanz sechs Angeklagte wegen der Führung einer
kriminellen Vereinigung zu 13 Jahren Haft, einem weiteren Anführer wurden
zehn Jahre Gefängnis aufgebrummt.
Elf Ex-Abgeordneten wurden wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen
Vereinigung Freiheitsstrafen von fünf bis sieben Jahren auferlegt. Weitere
13 Personen, die in den [1][Mord am 18. September 2013 an dem damals
34-jährigen linken Hip-Hop-Musiker Pavlos Fyssas] verwickelt waren,
erhielten sieben bis zehn Jahre Haft.
Der Mörder Georgios Roupakias, der im Athener Arbeitervorort Keratsini mit
einem Messer den für sein antifaschistisches Engagement bekannten und unter
dem Künstlernamen „Killah P“ auftretenden Pavlos Fyssas tötete, erhielt
lebenslänglich plus zehn Jahre. Fünf weitere Personen wurden ob der
Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und versuchten Mordes an
einem ägyptischen Fischer zu Haftstrafen zwischen sechs und zehn Jahren
verurteilt. Fünf weitere Angeklagte erhielten schließlich wegen
Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung Haftstrafen von vier bis
sieben Jahren.
## Drei Straftaten in einem Verfahren
In dem Verfahren wurden gleich drei Straftaten verhandelt: der Mord an
Fyssas, die versuchte Tötung des ägyptischen Fischers Abuzid Embarak am 12.
Juni 2012 sowie die versuchten Tötungen kommunistischer Parteifunktionäre
und Gewerkschafter am 12. September 2013. Das Gericht änderte die
erstinstanzlichen Strafen, die im Oktober 2020 von einem Athener Gericht
verhängt wurden, für 32 der 42 Angeklagten nicht. Für neun von ihnen
milderte es die Strafen. Sieben der ursprünglich 50 wegen schwerer
Straftaten Verurteilten verzichteten auf die Berufung, ein Angeklagter ist
verstorben. So wurden vor dem Berufungsgericht, das knapp vier Jahre über
den Fall verhandelte, die 42 Angeklagten verurteilt. Deren Urteile sind mit
dem nunmehr abgeschlossenen Verfahren rechtskräftig.
Von den in erster Instanz Verurteilten befinden sich heute nur noch drei
hinter Gittern, darunter der Fyssas-Mörder Roupakias. Die übrigen
Verurteilten, darunter XA-Anführer Nikos Michaloliakos, wurden entweder aus
gesundheitlichen Gründen oder nach Verbüßung der Mindeststrafe auf freien
Fuß gesetzt. Erstmals ins Gefängnis muss neben drei weiteren Angeklagten
die besagte Eleni Zaroulia, Ehefrau des 68-jährigen XA-Chef Michaloliakos
und wie ihr Mann von 2012 bis 2019 Abgeordnete im Athener Parlament. Der
Grund: Ihre erstinstanzliche Strafe von sechs Jahren auf Bewährung wurde
nun in eine Haftstrafe ohne Bewährung geändert.
## Ex-Parlamentspartei immer noch aktiv
Wer jedoch glaubt, die Goldene Morgenröte gebe es nicht mehr, der irrt
gewaltig. Nach dem Urteil des Athener Berufungsgerichts gab sich die
rechtsextreme Partei kämpferisch: „Die rechtliche Existenz der Goldenen
Morgenröte bleibt von der heutigen Entscheidung unberührt. In diesem
Prozess wurde nicht die Goldene Morgenröte vor Gericht gestellt. Es ist
nicht möglich, sie für irgendetwas zu verurteilen“, erklärte die Chrysi
Avgi auf ihrer Homepage.
Das sieht die Mutter des ermordeten Pavlos Fyssas, Magda Fyssas, anders.
Für sie schließt sich mit dem Ende des Berufungsverfahrens ein großes
Kapitel in ihrem Leben. Auf dem Schild, das sie nach der Urteilsbekanntgabe
in den attischen Himmel hochhielt, stand geschrieben: „Pavlos, wir haben es
geschafft! Die Goldene Morgenröte ist rechtskräftig eine kriminelle
Vereinigung! Du hast sie blamiert“. Danach sagte sie mit Tränen in den
Augen: „Ich nehme meinen Pavlos und gehe jetzt.“
13 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ferry Batzoglou
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