# taz.de -- „Es wird durch einen hindurchgeschaut“
Dirk Knipphals, Ressortleiter Kultur, Jahrgang 1963:
Sehr interessant, wie es sich herstellt, dass man (!) sich nicht
hundertprozentig richtig an einem Ort fühlt. Mittags habe ich im hinteren
Raum unserer taz-Kantine einmal reingeschaut, in dem die Flinta*s saßen,
streikten, ihr Ding machten, sich austauschten und dabei offensichtlich
guter Dinge waren. Weder wurde ich doof angesehen, noch habe ich
Frotzeleien erfahren, herabwürdigende schon gar nicht. Und doch war das
Signal eindeutig: Du bist hier jetzt nur Gast, lautete es. Schau dich ruhig
um, kein Problem, aber verhalte dich ruhig. Hier geht es jetzt nicht um
dich.
Voll okay, klar, nur halt tatsächlich interessant. Es funktioniert über
Aufmerksamkeitsmanagement, es wird durch einen hindurchgeschaut. Man spielt
in dem Moment schlicht keine Rolle. Zum Teil mag es auch internalisiertes
Auftreten meinerseits sein, man benimmt sich in solchen Situationen auch
von sich aus erst einmal vorsichtig.
Mit Streiks allgemein hatte ich in Berlin zuletzt einige Male zu tun. Die
Schule streikt gefühlt einmal im Monat, dann müssen die Kinder vorzeitig
abgeholt und betreut werden. Neulich hat auch der Nahverkehr gestreikt, was
– es war zudem zu glatt zum Radfahren – auch mühsam war. Die prinzipielle
Idee hinter den Streiks verstehe ich selbstverständlich, weiß nur nicht, ob
die Auswirkungen bei den richtigen Leuten ankommen. Bei mir kommen sie voll
an, dabei könnte meinetwegen doppelt so viel Geld in Bildung und
Infrastruktur gesteckt werden.
Und dieser Frauenstreik? Bei jedem anderen Betrieb würde ich ihn
wahrscheinlich voll unterstützen. Ob er ausgerechnet in der taz noch nötig
ist, weiß ich, ehrlich gesagt, nicht.
10 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Dirk Knipphals
## ARTIKEL ZUM THEMA