# taz.de -- Wahlen in Nepal: Rapper Balendra Shah wird Premierminister
> Die Parlamentswahlen in Nepal sorgen für einen Macht- und
> Generationenwechsel. Die Reformpartei RSP erringt eine klare Mehrheit,
> ihr Kandidat gewinnt.
(IMG) Bild: RSP-Kandidat Balendra Shah feiert in Kathmandu seinen Wahlsieg
Mit der gezackten Nationalflagge in der Hand feierte Nepals wohl nächster
Premierminister [1][Balendra Shah] am Samstagabend auf dem Dach eines Autos
bereits seinen Sieg. Hunderte jubelten dem 35-Jährigen zu wie einem Popstar
– und für viele junge Nepales:innen ist er das auch. Nur einen Tag
zuvor hatten rund 19 Millionen Wahlberechtigte im Himalajastaat ein neues
Parlament gewählt.
Der Mann mit Kurzhaarschnitt, Bart und dunkler Sonnenbrille begann seine
politische Karriere mit Anfang 30. Bekannt wurde Shah zunächst als Rapper,
der in seinen Songs Korruption, Arbeitsmigration und soziale Ungleichheit
kritisierte. Anfang der 2020er Jahre wechselte er in die Politik. Von 2022
bis Anfang 2026 war er als parteiunabhängiger Bürgermeister von Kathmandu
im Amt. In dieser Zeit gelang es ihm zwar nicht, Korruption grundlegend
einzudämmen, doch blieb er selbst frei von Skandalen und setzte einige
sichtbare Reformen durch.
Nun kandidierte Shah unter dem Banner der jungen Reformpartei Rastriya
Swatantra Party (RSP) [2][im Wahlkreis Jhapa-5] und forderte damit den
langjährigen Premierminister KP Sharma Oli direkt heraus. Mit rund 68.000
Stimmen setzte er sich deutlich gegen den 74-jährigen Oli durch, der in
seiner bisherigen Hochburg nur rund 19.000 Stimmen erhielt. Der frühere
mehrfache Premierminister war nach den landesweiten Protesten im Herbst
2025 zurückgetreten, bei denen nach offiziellen Angaben 77 Menschen
starben.
Der Wahlsieg Shahs steht symbolisch für einen politischen Umbruch. Die RSP
gewann 125 der 165 Direktmandate im Parlament und wurde stärkste Kraft.
Beobachter:innen sehen darin einen Ausdruck des Unmuts vieler
Nepales:innen über die alte politische Elite. Nach den
[3][Gen-Z-Protesten vom September 2025] forderten vor allem junge Menschen
einen politischen Neustart. Nun werden erstmals seit Jahren deutlich
jüngere Generationen in die Volksvertretung einziehen.
## Viele junge Leute sehen in Shah eine Alternative
Der Machtwechsel könnte bereits in wenigen Tagen vollzogen werden. Mit dem
klaren Wahlsieg der RSP gilt Shah als sicherer Kandidat für das Amt des
Premierministers. Viele der bisherigen politischen Schwergewichte werden
künftig im Parlament keine Rolle mehr spielen. Stattdessen rücken jüngere
Politiker nach – darunter der Aktivist Sasmit Pokharel, 29, und der
Sozialaktivist und DJ Sudan Gurung, 38, beide Verbündete Shahs innerhalb
der RSP.
Shah selbst gilt als charismatischer Quereinsteiger, der allerdings auch
polarisiert. Seinen Wahlkampf führte er ohne große Ausgaben, besuchte
Menschen in der Provinz persönlich und fuhr seinen Wagen selbst. Er nutzt
soziale Medien intensiver als traditionelle Medien, doch seine Nachrichten
hinterlassen manchmal Interpretationsbedarf. Interviews gibt er dagegen nur
selten.
Shah wurde in Kathmandu geboren und gehört der ethnischen Minderheit der
Madheshi an, die indische kulturelle Wurzeln hat und sich lange in Nepals
Politik marginalisiert sah. Ausgebildet als Bauingenieur, [4][studierte er
in Südindien], wo man heute stolz auf ihn ist. Dort beschäftigte er sich
mit Erdbebentechnik – ein wichtiges Thema im Himalajastaat. Parallel dazu
baute er vor über zehn Jahren eine Karriere als Rapper auf und
veröffentlichte Songs, in denen er die sozialen Probleme des Landes
thematisiert.
Als Bürgermeister machte Shah mit einer Reihe von Reformen auf sich
aufmerksam. Er führte Live-Übertragungen von Stadtratssitzungen ein,
reformierte Teile der Müllabfuhr und ging gegen illegale Bauprojekte vor.
Kritiker warfen ihm jedoch auch ein hartes Vorgehen gegen Straßenhändler
und informelle Siedlungen vor.
Trotz eines teilweise vagen Wahlprogramms gelang es Shah, eine breite
Unterstützerbasis zu mobilisieren. Viele junge Wähler:innen sehen in ihm
eine Alternative zur jahrzehntelang dominierenden politischen Elite. Kurz
vor der Wahl wünschte Shah seinem Land „Glück“. Am Wahltag bedankte er sich
öffentlich bei der Übergangspremierministerin Sushila Karki: „Die
Demokratie hat heute unter Ihrer Führung gesiegt.“
9 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahlen-in-Nepal/!6159697
(DIR) [2] https://kathmandupost.com/politics/2026/03/08/balendra-shah-s-thumping-win-caps-another-big-day-for-rsp
(DIR) [3] /Nepals-Zukunft/!6122661
(DIR) [4] https://www.ndtv.com/world-news/nepal-general-elections-balendra-shah-rastriya-swatantra-party-bengaluru-campus-to-nepals-political-power-the-untold-story-of-balen-shah-11189116
## AUTOREN
(DIR) Natalie Mayroth
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