# taz.de -- Schriftsteller Lobo Antunes gestorben: Revolutionär der portugiesischen Literatur
> Der Portugiese schrieb mehr als drei Dutzend Bücher. Er galt lange als
> Nobelpreiskandidat. Jetzt ist er mit 83 Jahren in Lissabon gestorben.
(IMG) Bild: António Lobo Antunes ist am Donnerstag, den 5. März in Lissabon gestorben
dpa | Der portugiesische Star-Schriftsteller António Lobo Antunes war ein
„ewiger“ Kandidat auf den Literaturnobelpreis. Die erhoffte Auszeichnung
aus Stockholm wird der Autor – anders als sein Landsmann [1][José Saramago]
(1922–2010) – nicht mehr bekommen. Denn Lobo Antunes starb am Donnerstag,
den 5. März [2][in Lissabon] im Alter von 83 Jahren.
Die portugiesische Regierung rief für Samstag eine Staatstrauer aus. Die
renommierte Zeitung Público nahm Abschied vom „Revolutionär der
portugiesischen Literatur“. Ministerpräsident Luís Montenegro schrieb auf
X, Lobo Antunes werde „uns auch über seinen Tod hinaus weiter inspirieren“.
Nach Medienberichten waren Trauer und Bestürzung über den Tod auch auf den
Straßen, in Cafés und Büros in Lissabon, Porto und anderen Städten des
Landes zu spüren.
Lobo Antunes lebte nach eigenen Worten „nur für die Bücher“. Selbst im
hohen Alter dachte er nicht ans Aufhören. In den letzten Jahren hatte er
sich allerdings in seinem Haus in Lissabon völlig aus der Öffentlichkeit
zurückgezogen. Berichte sprachen davon, dass eine fortschreitende
Demenzerkrankung ihn daran zuletzt gehindert hatte, weiterzuschreiben und
öffentlich aufzutreten.
## Für seine Eigenwilligkeit bekannt
Für Öffentlichkeitsarbeit war Lobo Antunes kaum zu haben. Der gelernte
Psychiater verbrachte sein Leben vor allem mit Schreiben und Lesen. Er
veröffentlichte mehr als drei Dutzend Bücher, die meisten davon Romane, die
über Jahrzehnte hinweg fast im Jahresrhythmus erschienen waren. Sein
letzter Roman auf Portugiesisch war „O Tamanho do Mundo“ („Die Größe der
Welt“) aus dem Jahr 2022.
Seine Werke erschienen in rund 60 Sprachen. Literaturkritiker bescheinigten
ihm einen unverwechselbaren Stil: kunstvoll, komplex, häufig mit
Perspektiv- und Tempuswechseln – manchmal beinahe labyrinthisch.
Ein prägendes Erlebnis seines Lebens war der Kolonialkrieg in Angola Anfang
der 1970er Jahre. Der junge Arzt aus einer wohlhabenden Familie war vom
Regime dorthin geschickt worden. „Das war schrecklich, bei einem Krieg gibt
es nur Verlierer. Es war eine radikale Erfahrung, die mein Leben verändert
hat“, sagte er später.
27 Monate dauerte der Einsatz. Danach arbeitete Lobo Antunes zunächst als
Psychiater in Lissabon und schrieb in seiner knappen Freizeit. 1979 gelang
ihm mit seinem zweiten Roman „Os cus de Judas“ („Der Judaskuß“) der
internationale Durchbruch. In dem stark autobiografischen Monolog eines
Kriegsveteranen schilderte er Schmerz, Erinnerungen und Bitterkeit.
## Angst, Gewalt und Melancholie
Sein eigenes Leben war von Krankheit geprägt. Als Kind musste er wegen
Tuberkulose ein Jahr lang ans Bett gefesselt verbringen. 2007 überlebte er
eine schwere Krebserkrankung, später noch zwei weitere. Themen wie Angst,
Tod, Gewalt und Melancholie prägen deshalb viele seiner Bücher – ebenso wie
Erinnerungen und Beobachtungen aus dem Alltag.
Als literarische Vorbilder nannte Lobo Antunes unter anderem Sartre,
Hemingway, Malraux, Camus, Faulkner und Tolstoi. Auch den deutschen
Nobelpreisträger Günter Grass bewunderte er „als Schriftsteller, aber auch
als Menschen“.
Sein eigenes Werk wollte er allerdings nicht in gängige Kategorien
einordnen. „Das, was ich schreibe, kann man nicht Romane nennen“, schrieb
er einmal. Ihn interessiere nur der Versuch, „das ganze Leben zwischen die
zwei Deckel eines Buches zu stecken“.
5 Mar 2026
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