# taz.de -- Frauenboxen in Nigeria: Zur richtigen Zeit zuschlagen
       
       > Elizabeth Oshoba ist eine Profiboxerin aus Nigeria. Seit 2024 ist sie
       > Weltmeisterin, doch nun könnte sie auch zum Weltstar aufsteigen.
       
 (IMG) Bild: Durchbruch bei den Commonwealth Games 2022: Elizabeth Oshoba (li.) besiegt Tina Rahimi aus Australien
       
       Diese Boxkolumne handelt von Sichtbarkeit. Es geht um [1][Elizabeth
       Oshoba], eine nigerianische Profiboxerin, die völlig zu Recht derzeit eine
       gute Presse hat. Im Jahr 2024 wurde die heute 26-Jährige Weltmeisterin,
       korrekt formuliert: WBC Silver Federgewichts-Champion. Der Online-Dienst
       Punch schrieb jüngst: „Damit wurde sie die erste nigerianische Boxerin, die
       einen Weltmeistertitel errang.“
       
       Seit zwei Jahren Weltmeisterin und dafür heute gewürdigt? Die Erklärung
       findet sich im Jahr 2025. Da unterschrieb Oshoba nämlich einen Vertrag mit
       dem US-Boxpromoter [2][Jake Paul]. Dessen Firma MVP setzt vor allem auf
       Frauenboxen. Seine [3][Erfolge] lassen sich nicht leugnen. Elizabeth Oshoba
       passt zu MVP, nämlich so wie sie beworben wird, als „erste nigerianische
       Weltmeisterin“.
       
       Nur, das ist sie gar nicht. Vor ihr gab es Ijeoma Egbunine. Sie war 2006
       Titelträgerin im Halbschwergewicht. Ihr Verband war der im Frauenboxen
       renommierte WIBF. Wer auf die Suche nach guten nigerianischen
       Profiboxerinnen geht, wird auch über den Namen Helen Joseph stoßen, die
       zweimal, 2012 und 2015, als Herausforderin um den IBF-Federgewichtstitel
       boxte, allerdings verlor.
       
       Der Unterschied zwischen Ijeoma Egbunine und Helen Joseph auf der einen und
       Elizabeth Oshoba auf der anderen Seite? Jake Paul, der Oshoba jetzt auf
       eine Weise [4][vermarktet], wie es zu Josephs und Egbunines besten Zeiten
       noch nicht möglich war.
       
       ## Nigerianische Vorgeschichte
       
       Profiboxen gibt es in Nigeria mit seinen 230 Millionen Einwohnern zwar erst
       seit den frühen 1940er-Jahren, und das moderne Amateurboxen kam mit den
       britischen Kolonialherren ins Land, aber es gibt eine im Norden des Landes
       beheimatete verwandte Tradition, das [5][Dambe]. Jeder Kämpfer hat eine
       „Speer“ genannte Schlaghand, die umwickelt ist, und eine „Schild“ genannte
       Hand, die offen ist und der Verteidigung dient. Wie die Vorläufer des
       europäischen Sports auch, wurde Dambe im 15./16. Jahrhundert auf
       Volksfesten, etwa zum Erntedank, populär.
       
       Es ist diese Vorgeschichte, die nigerianische Weltklasseboxer
       hervorbrachte. 1957 wurde der Federgewichtler Hogan Bassey erster
       nigerianischer Weltmeister. 1962, ein Jahr vor der Unabhängigkeit, wurde
       Dick Tiger Mittelgewichts-, 1965 dann Halbschwergewichts-Champ.
       
       Auch [6][Frauen boxten] immer, aber nicht bei von Verbänden lizenzierten
       Veranstaltungen. Offiziell wurde das erst ab den 1980er/90er-Jahren – so
       [7][wie in Europa] und Nordamerika auch. Mittlerweile sind es etwa 1.000
       Amateur- und sieben bis acht Profiboxerinnen. Die Zahl stammt aus dem Jahr
       2019; es ist gut möglich, dass es mittlerweile mehr Berufsboxerinnen gibt.
       Der nigerianische Boxpromoter Saleh Fawaz sagt: „Die Einstellung gegenüber
       Boxerinnen in Nigeria hat sich definitiv verändert.“ Erfolge im
       Amateurboxen, etwa bei Olympia, den Afrikameisterschaften oder den
       Commonwealth Games, hätten für Anerkennung gesorgt, sagte Fawaz der
       südafrikanischen Journalistin [8][Ruth Hopkins]. Männliche Profis
       verdienten etwa das Doppelte von Frauen, berichtet er, „aber selbst Männer
       verdienen mitunter nur 400 US-Dollar, und das reicht kaum für die
       monatlichen Fahrtkosten.“
       
       Eine [9][boomende Sportart] also, die aber noch lange nicht ökonomisch
       stabil genug aufgestellt ist. Das erklärt, warum Elizabeth Oshoba mit ihrem
       amerikanischen Promoter so wichtig für das nigerianische Boxen ist. Sie ist
       zwar nur das geworden, was Ijeoma Egbunine schon war: Profiweltmeisterin.
       Aber sie kann anders als ihre Vorgängerinnen diejenige werden, die sichtbar
       ist. Die Boxerin, deren Erfolge eine breitere Öffentlichkeit zur Kenntnis
       nimmt. Ein Star eben.
       
       Neun Kämpfe, neun Siege, davon fünf durch K.o., ist Oshobas aktuelle
       Bilanz. Ende April boxt sie wieder.
       
       10 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://boxrec.com/en/box-pro/1108538
 (DIR) [2] /Ein-Influencer-als-Profiboxer/!6004815
 (DIR) [3] /Vorkampf-von-Paul-vs-Tyson/!6046974
 (DIR) [4] /Kampf-um-die-Zukunft-des-Frauenboxens/!5849337
 (DIR) [5] https://www.dw.com/de/kampfsport-in-nigeria-dambe-ein-weg-aus-der-armut/video-65581803
 (DIR) [6] /Teilhabe-von-Frauen-im-Boxen/!6090063
 (DIR) [7] /Geschichte-des-Frauenboxens/!5685893
 (DIR) [8] https://ruth-hopkins.com/the-rise-of-women-boxers-in-nigeria/
 (DIR) [9] /Weltklasseboxen-in-Nigeria/!6111238
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martin Krauss
       
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