# taz.de -- Kritische Fußball-Influencerinnen: Kompetenz wird zum Problem
> Eine neue Generation junger deutscher Fußball-Influencerinnen macht sich
> auf Social Media bemerkbar. Allerorten sind sie Anfeindungen ausgesetzt.
(IMG) Bild: Profifußballerin und Influencerin des alten Schlags: die Schweizer Nationalspielerin Alisha Lehmann – hier gegen Nordirland
„Altherrenfußball juckt mich auch nicht“, sagt Meira Werner in die Kamera.
Die Content-Creatorin, Moderatorin und Amateurfußballerin aus Berlin
reagiert in einem Reel auf die jüngsten Auslassungen von Ex-Profi Mario
Basler. Auf seine Bild-Kolumne von 2011 angesprochen, wiederholte er jüngst
in einem SWR-Interview die Aussage, Fußball sei kein Sport für Frauen.
Werner führt den sexistischen Ausfall auf den Relevanzverlust des alternden
Fußballers zurück.
Für Basler scheint die Zeit schon deutlich vor 2011 stehen geblieben zu
sein. Nicht nur auf dem Rasen haben sich die Kräfteverhältnisse allerdings
verschoben. Auch auf Social Media gewinnen junge weibliche Stimmen mit
Fußball-Inhalten an Einfluss.
Story-Posts aus der Kurve oder Einblicke in den Profialltag: Influencer
sind mittlerweile ein fester Bestandteil der Medienökonomie rund um den
Fußball. Anders als im klassischen Sportjournalismus wird Fußball meist
durch die Brille des Fans, Spielers oder Unternehmers erzählt. Hier
verschmelzen die Grenzen zuweilen. Allerdings ist auch dieser Bereich der
Berichterstattung weitgehend männlich geprägt. Mit einer neuen Generation
junger weiblicher Creatorinnen ändert sich dieses Bild zunehmend.
[1][Meira Werner] etwa hat ihre Wurzeln im Amateurbereich und sammelte
journalistische Erfahrungen beim Berliner Traditionsmedium Fußball-Woche.
Für Content fuhr sie quer durch die Hauptstadt und stand in der
Regionalliga am Spielfeldrand, Currywurst-Romantik inklusive. Heute
erreicht sie auf ihren eigenen Kanälen eine wachsende Community mit
Inhalten zwischen Stadion-Vlogs und gesellschaftspolitischen Takes. Da
ordnet sie dann zum Beispiel die geplante Fifa-Club-WM der Frauen in Katar
kritisch ein. Neben ihrer digitalen Präsenz ist Werner selbst als Spielerin
für die 1. Eintracht Spandau aktiv – dem neu gegründeten Frauen-Team des
von Influencerinnen geführten Vereins.
## Weg von der ästhetischen Perfektion
Auch Trainerin Nina Lange, eine ehemalige Spielerin des 1. FC Union Berlin,
[2][ist auf Social Media aktiv.] Seitdem sie 2023 ihre Spielerinnenkarriere
verletzungsbedingt beendete, berichtet sie online über Frauenfußball. In
ihren Videos analysiert Lange hinter einem Streaming-Mikrofon aktuelle
Themen der Branche. Ihre Beiträge fanden schnell ein wachsendes Publikum;
auf Tiktok folgen ihr rund 102.400 Menschen.
Dass Spielerinnen online Einblicke in ihren Alltag geben, ist eine
etablierte Praxis, wie das Beispiel [3][des Premier-League-Stars Alisha
Lehmann zeigt,] die ihre über 15 Millionen Follower vorwiegend mit
professionell inszenierten Hochglanzinhalten bedient.
Die neue Generation deutscher Fußball-Creatorinnen wählt hingegen einen
anderen Ansatz, der den allgemeinen Trend bei Gen-Z-Influencern
widerspiegelt: Statt ästhetischer Perfektion stehen hier zunehmend eigene
Meinungen und persönlich wirkende Einblicke im Vordergrund. So filmt sich
etwa Creatorin und FC-St.-Pauli-Spielerin Jeannie Wagner tanzend in der
Umkleidekabine oder betont familiär mit ihrem Vater im Millerntor-Stadion.
Diese Frauen stehen paradigmatisch für eine Verschiebung im Fußballkosmos.
Es geht nicht mehr nur um eine sportliche Annäherung der Geschlechter, auch
die Medien orientieren sich langsam um. Allerdings setzen sich Probleme aus
der klassischen Sportberichterstattung online fort. Werner erklärt: „In der
Fußball-Creator-Branche achten Moderatorinnen und Creatorinnen oft krass
auf ihre Ästhetik und ihren Look.“ Frauen werden somit weiterhin auf ihr
Äußeres reduziert. Besonders wenn Creatorinnen mit fachlicher Kompetenz
auftreten und bisher männlich assoziierte Themen – wie Fankultur oder
Amateurfußball – besetzen, erfahren sie Ablehnung. Der Hass reiche in die
analoge Welt hinein: Bei ihren Spielen werde Werner durchgehend angefeindet
und beleidigt. Auch anderen Amateurspielerinnen mit Social-Media-Präsenz
gehe es so.
Gerade für Kanäle, die typischen Influencer-Content mit kritischen
Einordnungen kombinieren, stellt sich die Frage nach Interessenkonflikten.
Werner ist sich dieses Spannungsfeldes bewusst. Bei Markenkooperationen
wäge sie immer ab. Erst vor Kurzem habe sie einen Deal mit einem großen
Player abgelehnt. Der habe nicht zu ihren Werten gepasst. Es ist der
Versuch, zwischen inhaltlichem Anspruch und Marktlogik zu navigieren.
Steigende Reichweite jedenfalls allein bedeutet keine strukturelle
Gleichstellung. Werner sagt: „Wir brauchen mehr Frauen in
Expertinnen-Rollen, denen man fachliche Kompetenz zuschreibt.“
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.instagram.com/meira.wer/
(DIR) [2] https://www.instagram.com/nina.lange/?hl=de
(DIR) [3] /Fussball-Influencerin-Alisha-Lehmann/!6096752
## AUTOREN
(DIR) Antonia Augsbach
## TAGS
(DIR) Influencer
(DIR) Frauen
(DIR) Fußball
(DIR) Influencer
(DIR) Laufen
(DIR) Fußball-EM der Frauen 2025
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Rollschuhtänzerin über Sport: „Ich wünsche mir, dass Rollkunstlauf auch frei sein kann“
Influencerin und Rollschuhtänzerin Oumi Janta wirbt für ein weniger
leistungsorientiertes Sportverständnis. Und mehr nicht kommerzielle
Sporträume.
(DIR) Ultralauf: Riskanter Hype
Der Extremsport Ultralauf liegt auf Instagram und Tiktok zunehmend im
Trend. Doch viele Influencer:innen verschweigen die Gefahren.
(DIR) Fußball-Influencerin Alisha Lehmann: Frauenfußball Sichtbarkeit geben
Alisha Lehmann erreicht weltweit so viele Menschen wie keine andere
Fußballerin – und nähert Frauenfußball an den geldgetriebenen Männerfußball
an.