# taz.de -- Schüler über Gemeinschaftsschule: „Man kennt sie alle, seit sie klein sind“
> Das Gemeinschaftsgefühl ist schon besonders – zumindest an seiner
> Gemeinschaftsschule in Berlin-Zehlendorf, sagt der Schülerpraktikant.
(IMG) Bild: Gemeinsam lernen bis zum Abi? An Gemeinschaftsschulen ist das von der ersten Klasse an möglich
taz: Matthis, was magst du an deiner Gemeinschaftsschule?
Matthis Schmidt*: Ich finde vor allem die Menschen besonders toll,
natürlich besonders meine Freunde, aber auch die ganze Gemeinschaft. Die
ist in den letzten paar Jahren auch noch mal besser geworden, da spielen
die langjährigen Beziehungen, die man mit der Zeit entwickelt, sicher eine
große Rolle. Auch mit meinen Lehrern habe ich ein gutes Verhältnis, weil
ich die auch schon so lange kenne und mit ihnen durch das Leben gegangen
bin.
taz: Was ist aus deiner Sicht besonders an deiner Schule?
Matthis Schmidt*: Vor allem, dass man die ganzen Menschen schon alle kennt,
seit sie klein sind und mit ihnen aufgewachsen ist. Man ist halt zusammen
durch verschiedene Lebensphasen gegangen. Außerdem finde ich es echt
faszinierend, dass man, obwohl man sich ja eigentlich schon seit Jahren
kennt, immer noch neue Beziehungen schließt – oder auch alte Feindschaften
begräbt. Was an meiner Schule auch besonders ist: Wir sind nicht nur in der
Grundschule, sondern auch in der Mittelstufe in jahrgangsübergreifenden
Klassen. Ich glaube, das hat die Gemeinschaft noch einmal anders geprägt.
Denn durch die verschiedenen Alter hat man immer verschiedene Perspektiven
– was ich als sehr positiv empfinde.
taz: Die Grünen nennen die Gemeinschaftsschulen „Schulen der Zukunft“.
Würdest du deine Schule so nennen?
Matthis Schmidt*: Ich weiß nicht, ob ich das wirklich so nennen würde. Für
mich müsste eine Schule der Zukunft individualistischer auf die Bedürfnisse
und Interessen der Einzelnen eingehen, aber natürlich ohne das
Gemeinschaftsgefühl zu schwächen. Bei uns wird durch das längere
Zusammensein die Gemeinschaft auf jeden Fall gestärkt, aber das mit dem
Eingehen auf die individuellen Schüler könnte besser sein.
taz: Was gefällt dir nicht so?
Matthis Schmidt*: Es gibt Lehrer, mit denen ich, und auch andere, einfach
nicht klarkommen. Dann der Hausaufgabenstress – ich finde das stressiger,
als irgendwie etwas lernen zu müssen. Außerdem fände ich es toll, wenn es
teilweise andere Themen geben würde. Das ist aber natürlich schwer, weil es
so viele verschiedene Interessen gibt, das meine ich auch mit mehr
Individualität. Der Geschichtsunterricht beispielsweise ist voll von dem,
was in Deutschland im Zweiten Weltkrieg passiert ist, aber was in Asien los
war, kommt nicht vor. Außerdem könnte es auch interessant sein, neue Leute
kennenzulernen, was in einer Gemeinschaftsschule aber eben weniger
stattfindet.
taz: Kennst du Schüler*innen, die Stress hatten beim Übergang von einer
Schulform auf eine andere?
Matthis Schmidt*: Ich kenne jemanden, die ist in die 11 auf eine andere
Schule gewechselt und hatte Schwierigkeiten, sich mit den neuen Leuten
zurechtzufinden. Ein anderer Freund hatte bei seinem Wechsel auf ein
Gymnasium kaum Probleme. Ich kenne allerdings auch jemanden, der von seinem
Wechsel auf ein Gymnasium sehr überfordert war. Deshalb ist es, glaube ich,
sehr schwer, generelle Sachen über diese Übergänge zu sagen, denn die
Menschen und deren Vergangenheit sind so verschieden. Das Einzige, was ich
generell sagen kann, ist, dass ich mehr Stabilität hatte.
* Name geändert, damit er ganz offen über seine Schule reden kann
4 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Uta Schleiermacher
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