# taz.de -- Abgang eines großen Ski-Abfahrers: Später Triumph
       
       > Mit Romed Baumann verabschiedet sich der letzte Athlet einer großen
       > deutschen Abfahrts-Ära. Bei den Frauen könnte Emma Aicher indes Großes
       > gelingen.
       
 (IMG) Bild: Ein letzter Gruß von Romed Baumann in Garmisch-Partenkirchen
       
       Den letzten Auftritt genießen, feiern, sich feiern lassen. Das war der Plan
       [1][von Romed Baumann] beim Heim-Weltcup in Garmisch-Partenkirchen. Aber
       das Wetter meinte es nicht gut mit dem 40-Jährigen, sein letztes Rennen am
       Sonntag fiel aus, wegen Nebels auf der Strecke. Die Entscheidung, die
       Karriere zu beenden, „ist gereift“, sagte Baumann. „Es hat sich richtig
       angefüllt, dass ich es hier in Garmisch mache.“ Geplant war, dass er dies
       kurz vor dem Rennstart verkündet, aber angedeutet hatte er es bereits einen
       Tag zuvor.
       
       „Ich habe nicht mehr ganz die Bereitschaft, wie ich sie noch vor drei, vier
       Jahren gehabt habe“, sagte er. Und das habe nichts mit fehlender Motivation
       zu tun. Baumann will, aber kann nicht mehr. Bei der Abfahrt am Samstag
       musste er an einem Tor fast abbremsen, nahm es dann doch noch und kam mit
       15 Sekunden Rückstand auf Sieger Marco Odermatt aus der Schweiz ins Ziel.
       „Ich habe es mir nicht zugetraut, dass ich da nochmal draufsteige“, sagte
       er. Baumann gab 2004 sein Weltcup-Debüt, schaffte in 387 Rennen zwei Siege
       und gewann zwei WM-Medaillen.
       
       Seine Entscheidung vertuschte ein wenig das Abschneiden der Deutschen beim
       Heim-Weltcup. Am Samstag landete der einzige Starter, Simon Jocher, auf
       Platz 37. Derjenige, der vor Olympia als Achter von Kitzbühel für einen
       kleinen Lichtblick gesorgt hatte, bewegte sich auf Krücken durch den
       Zielraum. Luis Vogt hatte sich beim Abschlusstraining das Kreuzband
       überdehnt und musste die Saison beenden.
       
       Während die deutschen Abfahrer gerade sprichwörtlich an Krücken gehen, gab
       es für die Frauen im andorranischen Skiresort Soldeu Erfolgserlebnisse.
       [2][Emma Aicher] verließ die Pyrenäen mit einem Sieg und einem zweiten
       Platz in den beiden Super-G-Rennen am Wochenende. Am Freitag hatte sich die
       zweimalige Silbermedaillengewinnerin [3][bei den Olympischen Spielen]
       bereits mit einem vierten Platz an die in der Weltcup-Wertung noch
       führenden Lindsey Vonn aus den Vereinigten Staaten herangepirscht. „Ein
       paar Mini-Fehler“ habe sie gemacht, und im Steilhang „nicht ganz
       durchgezogen“, aber sonst war Aicher, wie fast immer, „ganz zufrieden“ mit
       ihrem Skifahren in diesen Tagen.
       
       ## Wechsel zum deutschen Verband
       
       Mit Baumann verabschiedet sich der letzte Athlet einer großen deutschen
       Abfahrts-Ära. Der Österreichische Skiverband hatte ihn, der bei der WM 2013
       noch Kombinations-Bronze geholt hatte, aussortiert. Weil er sich mit 33
       noch zu jung fühlte, um aufzuhören, fragte er 2019 im Nachbarland an.
       Baumanns Frau ist Deutsche, er lebte ohnehin bereits im bayerischen
       Kiefersfelden. Baumann erlebte beim Deutschen Skiverband zum ersten Mal so
       etwas wie Nestwärme, das kannte er im von Konkurrenzkampf dominierten ÖSV
       nicht. Und dieses gute Betriebsklima sorgte dafür, dass er noch einmal zu
       den Besten aufschloss – und mit Silber im Super-G bei der WM in Cortina
       2021 seinen größten sportlichen Erfolg schaffte.
       
       Das Niveau konnte Baumann noch ein, zwei Jahre halten, aber dann war ihm
       immer mehr die Mühe anzumerken. Dennoch, sagte Cheftrainer Christian
       Schwaiger, sei Baumann noch ein wichtiger Teil der Mannschaft gewesen, als
       wertvoller Ansprechpartner für die Jüngeren.
       
       Noch mehr profitierte der DSV vom Nationenwechsel bei Emma Aicher, die
       schon mit 16 nach Deutschland kam und nicht erst im sehr reifen
       Skirennfahreralter. Wer schon in so jungen Jahren den Verband wechselt, ist
       meist unzufrieden, sieht woanders bessere Entwicklungsmöglichkeiten. Emma
       Aicher redet nicht groß über die Gründe, warum sie vor sechs Jahren von
       Schweden nach Deutschland zog, sagt nur, es habe wegen des deutschen Vaters
       eben die Möglichkeit gegeben. Womöglich gibt es tatsächlich keinen Anlass
       für Kritik am schwedischen Verband. Andererseits: Wenn alles ganz prima
       gewesen wäre, hätte sie sich mit dem DSV vermutlich gar nicht beschäftigt.
       
       Ziemlich sicher aber würde Aicher ohne diesen Wechsel nicht schon mit 22
       Jahren eine erfolgreiche Vier-Disziplinen-Fahrerin sein. In Schweden liegt
       der Fokus beim Nachwuchs auf Slalom und Riesenslalom. Als Andreas Puelacher
       2022 die deutschen Frauen als Cheftrainer übernahm, erkannte er auf Anhieb,
       dass Aicher auch großes Talent für Abfahrt und Super-G besitzt – und führte
       sie langsam heran. Und nun könnte sie die jüngste Gewinnerin des
       Abfahrtsweltcups seit Katja Seizinger werden. Die war einst sogar erst 19
       Jahre.
       
       1 Mar 2026
       
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