# taz.de -- Formsuche von BVB-Stürmer Guirassy: Wieder mit allen im Reinen
> Serhou Guirassy, einst als Dortmunds „Lebensversicherung“ gelobt, trifft
> nach einer rätselhaften Flaute wieder. In Bergamo soll das auch so sein.
(IMG) Bild: Geht doch: Serhou Guirassy feiert beim Hinspiel gegen Bergamo seinen Treffer
Grundsolide sind die Ergebnisse von Borussia Dortmund in den vergangenen
Wochen. Die 19 Punkte aus den jüngsten sieben Bundesligapartien sind
eigentlich sogar richtig stark, und der 2:0-Hinspielsieg gegen Atalanta
Bergamo in den Champions-League-Playoffs ist eine gute Grundlage für das
Erreichen des Achtelfinales im Rückspiel am Mittwochabend (18.45 Uhr, live
bei DAZN). Wäre da nicht dieses 2:2 in Leipzig vom vorigen Samstag, das ein
wenig aufs Gemüt drückt, und in dem ein entscheidender Erfolgsfaktor der
Siegesserie zuvor fehlte: Serhou Guirassy hat nicht getroffen.
Der Stürmer hatte nicht einmal eine Torchance, was mit Sorge beobachtet
wird im Dortmunder Umfeld. Denn der Torjäger aus Guinea ist zuletzt wieder
gewesen, was Trainer Niko Kovač in der [1][atemberaubend guten Vorsaison]
als „Lebensversicherung“ bezeichnete. Und eine Lebensversicherung braucht
diese Mannschaft vor dem entscheidenden letzten Saisondrittel dringend.
Im Pokal ist der BVB längst raus, mit einem Ausscheiden aus der Champions
League bliebe nur noch die Bundesliga. Und dort beträgt der Vorsprung auf
Rang fünf bereits komfortable elf Punkte, während beim Blick zur Spitze am
Samstag im Duell mit Bayern München bereits die letzte Titelchance
verspielt werden könnte. Guirassy als Lebensversicherung wäre also eine
recht gute Sache.
Im Hinspiel gegen Bergamo hatte er selbst getroffen und ein Tor
vorbereitet, in der Bundesliga waren ihm vor dem vergangenen Spieltag nach
einer langen und zähen Krisenzeit sechs Treffer in sechs Partien gelungen.
„Die Reaktion ist sensationell gut. Die Mannschaft hilft ihm dabei und er
hilft der Mannschaft. Wir brauchen seine Tore“, sagt Kovač.
## Verlust der wichtigsten Vorlagengeber
Diesem Durchbruch ging allerdings eine lange und etwas rätselhafte Zeit der
Entfremdung voraus. Zwischen dem 4. und dem 19. Spieltag gelangen Guirassy
nur zwei Tore, zwischenzeitlich spielte er wie ein verkrampfter,
überforderter und auch charakterlich schwieriger Exzentriker.
Wer sich ein wenig umhört im Umfeld des Teams, erfährt, dass eine
unangenehme Mischung verschiedener Störfaktoren entstanden sei. Die
Dortmunder Kaderplaner hatten mit Fabio Silva eine zweite Nummer neun
eingestellt, was als Zeichen des schwindenden Vertrauens in die gemeinsame
Zukunft mit Guirassy verstanden werden konnte. Dann war Jamie Gittens
verkauft worden, Pascal Groß wurde kaum noch eingesetzt, womit der
Torschützenkönig der Saison 2024/2025 seine wichtigsten Vorlagengeber
verloren hatte. Außerdem ist der immer perfekter [2][auf defensive
Stabilität ausgerichtete Kovač-Fußball] grundsätzlich nicht
stürmerfreundlich.
Auf der großen Bühne ließ sich beobachten, wie sehr Guirassy litt, wie
kränkend viele Vorkommnisse für ihn gewesen sind. „Wenn ein Stürmer über
mehrere Wochen nicht trifft, dann macht das etwas mit ihm“, sagt
Sportdirektor Sebastian Kehl und versichert, dass diese Stürmerkrise sich
kaum von den Formkrisen anderer Torjäger unterschieden habe. „Serhou lässt
sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Ich habe ihn immer sehr
fokussiert und klar erlebt“, erzählt Kehl. Die Contenance hat Guirassy
trotzdem mehrfach verloren, was eher auf eine emotional ungewohnt
aufwühlende Karrierephase hindeutet.
Zu Beginn der Saison beschädigten Gerüchte über einen angeblichen
Wechselwunsch nach Saudi-Arabien sein Image. Beim Champions-League-Spiel in
Turin stritt er vor den Augen der Öffentlichkeit mit dem vom Trainer für
Elfmeterschüsse ausgewählten Ramy Bensebaini über die Ausführung eines
Strafstoßes. Das wurde später als Akt des mannschaftsschädlichen Eigensinns
dargestellt. Einige Wochen später lehnte Guirassy nach einer Auswechslung
[3][in Leverkusen] den Handschlag mit Kovač ab.
Erstaunlicherweise setzte der Trainer jedoch den ebenfalls mit allerlei
Eskapaden auffällig gewordenen Karim Adeyemi auf die Bank, während Guirassy
weiterspielte. „Es ist wichtig, dass man einen Stürmer ein Stück schützt
und unterstützt“, sagt Kovač, der offenbar einen guten Umgang mit seinem
wichtigsten Offensivspieler gefunden hat.
Das ist eine große Leistung für einen Trainer, der zumindest in seiner
Münchner Zeit nicht für seine Empathiefähigkeit bekannt war. Denn Guirassy
ist sensibel und nicht für jeden zugänglich. „Er ist jetzt kein
Lautsprecher, charakterlich habe ich ihn in der Kabine eher als
introvertiert wahrgenommen“, sagt Marco Höger, der zwischen 2017 und 2019
zwei Jahre lang beim 1. FC Köln mit dem Angreifer zusammengespielt hat.
Guirassy lässt Tore sprechen und manchmal auch seine Übersprungshandlungen.
Aber gerade in diesem wegweisenden Februar deutet vieles darauf hin, dass
er sehr mit sich, seinem Trainer und seinem Team im Reinen ist.
24 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Daniel Theweleit
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