# taz.de -- Krise der Chemieindustrie: BASF will Tausende Werkswohnungen verkaufen
> Der Chemiekonzern will sich auf das Kerngeschäft konzentrieren. Deshalb
> macht das Unternehmen seine 4.400 Wohnungen zu Geld. Gewerkschaft übt
> heftige Kritik.
(IMG) Bild: Branchenkrise: BASF will sich von einem Großteil ihrer Werkswohnungen trennen
rtr | Der Chemiekonzern BASF will sich angesichts der Branchenkrise von
einem [1][Großteil seiner Werkswohnungen] trennen und erntet dafür heftige
Kritik von der [2][Gewerkschaft IGBCE]. Insgesamt sollen 4.400
Wohneinheiten veräußert werden, wie das Unternehmen am Montag in
Ludwigshafen mitteilte. Die Gewerkschaft warf dem Konzern vor, sich von
seinen Werten zu verabschieden und langjährige Mitarbeiter zu verunsichern.
BASF begründete den Schritt mit dem schwierigen Marktumfeld. Das erfordere
einen hohen Fokus auf das Kerngeschäft, erklärte der Leiter der
Europäischen Verbundstandorte, Helmut Winterling. Insbesondere im
Stammwerk Ludwigshafen [3][kämpft BASF seit Jahren] mit hohen Energiekosten
und einem weltweiten Überangebot an Basischemikalien. Dort fiel allein 2024
ein operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro an. Die Bilanz für das
vergangene Jahr wird am Freitag veröffentlicht.
Die Veräußerung der Wohnungen sei eine „schwierige, aber notwendige
Entscheidung“, die helfe, die Bilanz zu stärken, sagte Winterling. Eine
Sozialcharta solle die Rechte der Mieter sichern, unter anderem durch ein
lebenslanges Mietrecht für über 70-Jährige und einen zehnjährigen
Kündigungsschutz bei Eigenbedarf. Der Verkauf soll bis zum ersten Quartal
2027 abgeschlossen sein. Ein Teil des Wohnungsbestands in der Nähe des
Stammwerks soll im Eigentum von BASF bleiben. Die zum Verkauf stehenden
Einheiten verteilen sich dem Unternehmen zufolge mehrheitlich über das
Stadtgebiet von Ludwigshafen, Frankenthal, Limburgerhof, Mannheim und
Maxdorf.
## Für die Gewerkschaft ein Offenbarungseid
Die IGBCE verurteilte die Pläne. In den Wohnungen lebten größtenteils
aktive oder ehemalige Beschäftigte, die jahrzehntelang loyal zum
Unternehmen gestanden hätten. Diese würden nun dem Druck der
Immobilienwirtschaft ausgesetzt. „Das aktuelle Vorgehen meiner BASF, sich
von ihren Werten zu verabschieden, ist nicht nachvollziehbar und wirkt auf
mich rein finanzgetrieben“, sagte der Vorsitzende der IGBCE-Vertrauensleute
bei BASF, Stephan Güldner. Es entstehe der Eindruck, dass ohne Not das
„Tafelsilber“ veräußert werde.
Die Gewerkschaft sieht den Verkauf zudem als weiteres Signal für
mangelndes Vertrauen des Vorstands in den Standort Deutschland. Sie verwies
auf den massiven Stellenabbau und die Verlagerung von Tätigkeiten. Der
eingeschlagene Weg sei ein „Offenbarungseid und ein Zeichen der Hilf- und
Ideenlosigkeit“. Der IGBCE-Bezirksleiter Ludwigshafen, Steffen Seuthe,
sprach von „Sprengstoff für die Gesellschaft und die politische
Landschaft“, insbesondere mit Blick auf die anstehende Betriebsratswahl
und die Chemie-Tarifrunde.
23 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wohnungen-fuer-Mitarbeiter/!5646783
(DIR) [2] /Gewerkschaften-in-Deutschland/!6005070
(DIR) [3] /Stellenabbau-bei-Chemiekonzern-BASF/!5918067
## TAGS
(DIR) BASF
(DIR) Wohnungen
(DIR) Wohnungsbau
(DIR) Wohneigentum
(DIR) chemieindustrie
(DIR) Gewerkschaft
(DIR) Konjunktur
(DIR) Wohnraummangel
(DIR) Charité
(DIR) Wohnungsbau
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Trotz besserer Konjunktur: Unternehmen wollen weiter Jobs abbauen
Laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo nimmt die
Zurückhaltung am Arbeitsmarkt wieder zu. Fast alle Branchen planen,
Stellen zu streichen.
(DIR) Fachkräftemangel trifft auf Wohnungsnot: Das Revival der Werkswohnungen
Wegen Wohnungsmangels kümmern sich Firmen beim Ringen um Fachkräfte
vermehrt um deren Unterkünfte. Drei Beispiele aus Berlin, Wolfsburg und
Friesoythe.
(DIR) Werkswohnungen für die Charité: Mit Wohnungen gegen Fachkraftmangel
Mit eigenen Wohnungen für Beschäftigte wirbt Berlin um ausländische
Pflegekräfte. Raed Saleh (SPD) und Stefan Evers (CDU) besuchen das neue
Projekt.
(DIR) Gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen: Günstiger bauen, billiger vermieten
1990 wurde sie abgeschafft, nun kommt die Förderung gemeinnütziger
Wohnungsunternehmen wieder. Expert:innen hoffen auf erschwinglichere
Mieten.