# taz.de -- tazđŸŸlage: So lange es eben dauert
       
       Seien wir mal ehrlich: Wer will noch etwas ĂŒber die Ukraine lesen –
       angesichts all des Elends in und stÀndiger Schreckensmeldungen aus aller
       Welt? Diese Frage stellt sich den Ukrainer*innen nicht wirklich.
       SchwĂ€cheln, sich gehen oder einfach alles laufen lassen – wenngleich
       nachvollziehbar – sind keine Optionen. FĂŒr sie geht es vier Jahre nach dem
       Beginn von Russlands vollumfĂ€nglicher Invasion ums nackte Überleben.
       TagtÀglich sind vor allem Objekte der Energieversorgung Ziel russischer
       Angriffe. Den Menschen soll buchstĂ€blich „das Licht ausgeblasen“ werden.
       
       Zugegeben: Viele Journalist*innen dĂŒrften ebenfalls eine wachsende
       ErmĂŒdung verspĂŒren – sei es bei ihrer Arbeit in der Ukraine oder
       heimatlichen Redaktionsstuben. Auch sie stehen „unter Beschuss“. Das Thema
       Ukraine sei nicht mehr sexy, es werde doch irgendwie immer wieder dasselbe
       geschrieben, ist von einigen Kolleg*innen zu hören.
       
       Doch nicht nur das geht an die Substanz. Bestimmte Texte oder Bilder
       schleichen sich in die TrÀume ein und rauben den Schlaf. Panik kommt auf,
       wenn ein/e Kollege/in des weit verzweigten taz-Netzwerks freier
       Mitarbeiter*innen in der Ukraine plötzlich nicht mehr erreichbar ist.
       Um drei Uhr morgens klingelt das Handy – der Mann aus Charkiw ist dran. Er
       mĂŒsse reden, gerade sei der Balkon einer Wohnung seines Nachbarhauses
       weggebombt worden. Und dann sagt er noch: „Danke, dass ihr uns nicht
       vergessen habt und ich eine Stimme in der taz habe.“ Wie hieß es seinerzeit
       so schön: So lange es eben dauert. Das kann derzeit niemand wissen. Und
       genau deshalb lautet unsere Devise: Wir bleiben dran. Barbara Oertel
       
       24 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Barbara Oertel
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA