# taz.de -- momentaufnahmen: Wenn es in der S-Bahn etwas zu eng zugeht
Meine Rückfahrt von Potsdam nach Hamburg führt unweigerlich über den
Berliner Hauptbahnhof. Ich nehme die S-Bahn und suche mir eine gemütliche
Zweierbucht, denn vor mir liegen 37 lange Minuten Fahrt. So sitze ich am
Fenster und schlage die Knie übereinander, damit ich mein Handy drauf
balancieren und bearbeiten kann.
Leute steigen aus und zu, und plötzlich sitzt eine Frau neben mir. Sie
lüpft kurz ihren Mantel und murrt: „Sie sitzen auf meiner Seite!“ Ich kann
das nicht erkennen, sage aber „Oh, Entschuldigung“, und rücke etwas von ihr
weg. Dabei behalte ich die Knie überschlagen, weil ich gerade was ins Handy
tippe. Ich sage noch: „Ich bin leider ziemlich groß.“ Darauf sie: „Ich bin
auch groß. Und so fett sind sie ja auch nicht.“
Autsch! Das Wort „fett“ sagt man nicht, schon gar nicht zu einer Fremden,
denke ich. Die Frau sieht bürgerlich aus. Spricht man so in Berlin? Ist das
der raue Ton der Hauptstadt? „Das finde ich etwas unhöflich“, verbalisiere
ich mein Empfinden. Darauf sie: „Sie sind unhöflich, was Sie hier machen.“
Machen? Ich sitze doch nur. Aber ich will keinen Streit. „Darf ich bitte
durch?“ Sie lässt mich. Dabei sage ich leise zu mir: „Ich bin keine
Berlinerin – und das ist wohl auch gut so.“ Kaija Kutter
14 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Kaija Kutter
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