# taz.de -- Neues Linksbündnis in Spanien: Gemeinsam zu rettenden Ufern
       
       > Um bei Spaniens nächsten Wahlen 2027 einen Sieg der Rechten abzuwenden,
       > schließen sich mehrere linke Parteien zusammen. Nicht dabei: Podemos.
       
 (IMG) Bild: Der baufälligen spanischen Linken steht das Wasser bis zum Hals. San Esteban De Gorma, 14. Februar
       
       „Nicht nur durchhalten, sondern weiter voranschreiten“, lautet das Motto,
       das Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García unter Applaus ausgab. Die
       Politikerin der linksalternativen Oppositionspartei [1][Más Madrid] in
       Spaniens Hauptstadtregion sprach auf einer Veranstaltung, auf der sich vier
       spanische Linksparteien verpflichteten, gemeinsam zu den nächsten Wahlen
       anzutreten.
       
       [2][Más Madrid], [3][En Comú] aus Katalonien, die spanienweit operierende
       [4][Vereinigte Linke (IU)] sowie das bestehende Bündnis [5][Sumar] wollen
       dann – sollte die Ergebnisse reichen – erneut mit den Sozialisten von
       Ministerpräsident Pedro Sánchez eine Koalition eingehen.
       
       Die laufende Legislaturperiode in Spanien endet regulär Mitte 2027. Das
       bisherige Linksbündnis heißt Sumar und ist mittlerweile selbst Partei. Wie
       das künftige Bündnis heißen wird und wie es organisiert wird, ist noch
       nicht klar. Nur eines steht fest: Es soll „das gemeinsame Haus für alle“
       werden, über diejenigen hinaus, die das Projekt am Samstag verstellten.
       
       „Ein Schritt nach vorn“ hieß das Motto der Veranstaltung. Neben García
       sprachen die Minister:innen für Kultur, Konsum sowie Jugend und
       Kindheit. Arbeitsministerin [6][Yolanda Díaz], die einstige
       Spitzenkandidatin von Sumar, fehlte.
       
       ## „Die Melancholie hat ein Ende“
       
       Der 400 Menschen fassende Saal im Madrider Kulturverein reichte nicht. Im
       angrenzenden Kino verfolgten weitere 200 Menschen das Meeting auf einer
       Leinwand. Dutzende blieben auf der Straße. Zehntausende folgten den Reden
       per Streaming. Drinnen gab sich alles die Hand und Küsschen, was bei
       Spaniens Linker Rang und Namen hat.
       
       Die einstige linksalternative Bürgermeisterin Barcelonas, [7][Ada Colau,]
       war ebenso dabei wie Vertreter der nationalistischen Linksparteien aus dem
       Baskenland, Katalonien und Galicien. Auch die Vorsitzenden der beiden
       großen Gewerkschaften Unai Sordo (CCOO) und Pepe Álvarez (UGT) gaben sich
       die Ehre.
       
       „Die Melancholie auf der Linken hat ein Ende“, beteuerte der Chef der
       postkommunistischen IU, Antonio Maíllo. Die Redner priesen, was die
       Linkskoalition bereits erreicht hat: Der Mindestlohn stieg um über 60
       Prozent, das öffentliche Gesundheitswesen wurde gegenüber dem
       privatisierten Teil gestärkt, die Regionen erhielten Zuschüsse für
       Vorschulerziehung.
       
       Das große Problem, das Spaniens Regierung nicht in den Griff bekommen hat,
       ist die Wohnungsnot. Sie zu lösen, soll beim neuen Linksbündnis ganz oben
       auf der Liste der Politikziele stehen.
       
       ## Spaniens Linke ist derzeit schwach
       
       Der politische Moment könnte schwerer nicht sein. Die Umfragen in Spanien
       sagen seit Monaten einen Sieg der rechten Partido Popular (PP) gemeinsam
       mit der rechtsextremen VOX vorher. Die letzten beiden Regionalwahlen [8][in
       der Extremadura] und in Aragón bestätigten dies. Auch wenn dort die
       alternative Linke zulegte, verloren die Sozialsten stark, PP und VOX
       erlangten eine überwältigende Mehrheit.
       
       „Wenn wir wollen, dass sich alles ändert, müssen wir uns ändern“, mahnte
       Lara Hernández, Sprecherin von Sumar. Das neue Wahlbündnis sei kein
       „Schlussstrich und Neuanfang“, sondern der Versuch, „ein Morgen aufzubauen
       auf der Basis solider Fundamente“, versprach sie. Es war viel von einem
       Projekt die Rede, das „begeistern“ müsse.
       
       „Wir wissen, wer der politische Gegner ist“, erklärten mehrere Redner, so
       auch Gesundheitsministerin García: Es gelte nach „oben zu schauen und nicht
       auf den Nachbarn“, beteuerte sie und allen war klar, wen sie meinte:
       [9][Podemos]. Die linkspopulistische Partei, die vor nicht einmal zehn
       Jahren kurz davor stand, die Sozialisten zu überholen, ist mittlerweile nur
       noch ein Schatten ihrer selbst.
       
       Podemos war bei den letzten Wahlen ebenfalls Teil von Sumar, stieg dann
       aber mit ihren fünf Abgeordneten aus der Fraktion aus, wohl weil sie keinen
       Ministerposten bekam.
       
       Auch jetzt will Podemos nichts von einer gemeinsamen Kandidatur wissen.
       „Wir werden niemandem die Tür verschließen“, sagte dazu Kulturminister
       Ernest Urtasun. Konkurrierende linke Listen, das wissen alle, öffnen in
       Spanien die Tür für die Rechte und Ultrarechte.
       
       22 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [8] /Regionalwahl-in-Spanien/!6140728
 (DIR) [9] https://podemos.info/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Reiner Wandler
       
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