# taz.de -- Hanau-Gedenken in Berlin: Trauern und kämpfen
       
       > Tausende gedenken am Donnerstagabend im Wedding den Ermordeten aus Hanau.
       > Der rassistische Anschlag jährt sich in diesem Jahr zum sechsten Mal.
       
 (IMG) Bild: Gedenken am Oranienplatz vor drei Jahren
       
       „Erinnern bedeutet zu kämpfen“, ruft eine Rednerin von einem
       Lautsprecherwagen in die Menge auf dem prallgefüllten Leopoldplatz im
       Wedding. Tausende haben sich dort am Donnerstagabend zum sechsten Jahrestag
       des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau zusammengefunden.
       
       Auf dem Platz ist kurzfristig eine Gedenkstätte eingerichtet worden. Dort
       zeigen Bilder die neun Menschen, die bei dem rechtsterroristischen Anschlag
       in Hanau am 19. Februar 2020 von einem Rechtsextremisten ermordet wurden:
       Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza
       Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan
       Velkov.
       
       Immer wieder werden von den Demo-Teilnehmenden die Namen der in Hanau
       Ermordeten gerufen. Und auch Ibrahim Akkuş Name fällt in diesem Jahr in
       Redebeiträgen immer wieder. Im Januar dieses Jahres erlag Akkuş im Alter
       von 70 Jahren den Spätfolgen der Verletzungen, die ihm bei dem Anschlag in
       Hanau zugefügt worden waren.
       
       „Solange wir atmen, kämpfen wir“, steht auf einem Banner am
       Lautsprecherwagen. Unter diesem Slogan hatte die Berliner Ortsgruppe der
       Migrantifa, einem bundesweiten Netzwerk, das sich nach dem Anschlag in
       Hanau gründete, in diesem Jahr zum Hanau-Gedenken und anschließenden
       Demonstrationszug durch den Stadtteil Wedding mobilisiert.
       
       Mit der Demonstration will das Bündnis langfristig auch einen
       „antirassistischen Kampftag“ etablieren. Als solcher lief die Demonstration
       in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge. Bisher fand die Demo jedes Jahr an
       einem anderen Ort statt, im letzten Jahr in Neukölln.
       
       ## Ganz bewusst im Wedding
       
       Dass die Veranstaltung in diesem Jahr im Wedding stattfindet, gehört zum
       Konzept der Demonstration: Hanau und den Wedding trenne „nur der Zufall“,
       erklärt eine Rednerin auf dem Lautsprecherwagen. „Es hätte auch unsere
       Freunde oder Nachbarn treffen können“, sagt sie.
       
       In einem Redebeitrag des „Stadtteilkomitees Wedding“, eines linken und
       kollektiv verwalteten Kiezladens, heißt es mit Blick auf den Wedding dann
       auch, ein „ganzer Stadtteil“ stehe „unter Generalverdacht“. Zudem werde der
       Stadtteil immer wieder falsch dargestellt, etwa als Hotspot von
       Kriminalität. Dieser Zustand spitze sich „immer mehr zu“, etwa durch die
       Einführung von Waffenverbotszonen. Diese seien ein „Freifahrtschein für
       racial Profiling“.
       
       „Lasst uns über die Toten trauern und für die Lebenden kämpfen!“, ruft eine
       Rednerin dann. Rund zwei Stunden werden Redebeiträge gehalten, auch
       Gedichte und Musik gehören zum Programm. Erinnert wird darin auch an die
       zahlreichen weiteren Opfer extrem rechter und rassistischer Gewalttaten,
       wie etwa in Mölln oder Solingen im Jahr 1993. Von mindestens 222
       Todesopfern rechter Gewalt seit der Wiedervereinigung geht die Amadeu
       Antonio Stiftung aus.
       
       Abschließend formiert sich ein Demonstrationszug mit etwa 2.000
       Teilnehmenden, aus dem heraus zwischenzeitig auch Bengalos gezündet werden.
       „Widerstand überall, Hanau war kein Einzelfall“, skandiert die Menge an
       diesem Abend wohl mit Abstand am häufigsten. Aber auch Parolen wie „Kein
       Mensch ist illegal“, „Bleiberecht überall“ und „No justice, no peace,
       abolish the Police!“ werden immer wieder angestimmt. Der Demonstrationszug
       endet am Gesundbrunnen.
       
       Auch in zahlreichen anderen Städten fanden am Donnerstag
       Gedenkveranstaltungen und Demonstrationen statt. Im Hanau selbst fiel das
       öffentliche Gedenken von Seiten der Stadt in diesem Jahr aus.
       
       Hintergrund ist auch eine Rede der Mutter des Ermordeten Sedat Gürbüz. Sie
       hatte in einem Redebeitrag auf dem Gedenken im letzten Jahr die Stadt Hanau
       deutlich für die Versäumnisse bei der Aufarbeitung des Anschlags
       kritisiert. [1][Die Hanauer Rathauskoalition aus FDP, CDU und SPD
       kritisierte die Rede in einer Pressemitteilung].
       
       20 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Konflikt-um-Hanau-Gedenken-Wer-ist-hier-undankbar/!6150955
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nicolai Kary
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Anschlag in Hanau
 (DIR) Rechte Gewalt
 (DIR) Antirassismus
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Anschlag in Hanau
 (DIR) Rechte Gewalt
 (DIR) Schwerpunkt Rechter Anschlag in Hanau
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Rassistischer Anschlag von 2020: Streit über Gedenken in Hanau
       
       Die Stadt Hanau will des rassistischen Anschlags vom 19. Februar 2020 nicht
       mehr offiziell gedenken. Angehörige und Initiativen werden erinnern.
       
 (DIR) Erinnerungsarbeit: Webseite für Opfer rechter Gewalt
       
       Betroffene bekommen in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit. Eine neue
       Webseite soll das ändern. Noch stehen aber Fragezeichen hinter der
       Finanzierung.
       
 (DIR) Rechtsextremer Anschlag: Trauma nach Hanau
       
       Fast fünf Jahre nach dem rassistischen Attentat in Hanau kämpfen Betroffene
       weiter um Unterstützung. Eine Studie zeigt nun, wie wichtig Beratung ist.