# taz.de -- taz🐾lage: Radikale Transparenz
Datenschutz in Gefahr? So lautete zunächst die Überschrift in einem
Ankündiger auf der Titelseite der E-Paper-Montagsausgabe. Kurz zur Info:
Ankündiger, das sind diese kleinen Textboxen, die durch die Zeitung
navigieren und einen kurzen Einblick ins Blatt geben sollen.
Doch dann sollte die Überschrift bei der finalen Abnahme der Seite noch mal
geändert werden. Im Chat schrieb die zuständige Seite-1-Redakteurin an die
Layouterin: „zum datenschutz ankündiger bitte diesen titel EU will Regeln
lockern.“ Und direkt danach: „Ich hoffe ist nicht zu lang.“ Die Layouterin
antwortete: „passt perfekt!“ Die Redakteurin reagierte mit einem Herz-Emoji
– damit schien die Änderung besprochen, bestätigt und erledigt.
Als das E-Paper später erschien, konnte man sehen, dass die Bitte, den
Titel zu ändern, sehr wörtlich genommen wurde. Beim Ankündiger stand nun:
„zum datenschutz ankündiger bitte diesen titel EU will Regeln lockern.“ Und
der Titel? Der blieb allerdings unverändert.
Das alles passierte ausgerechnet bei einem Ankündiger zum Thema Datenschutz
– also bei einem Text über den Schutz von Informationen und darüber, wer
was sehen darf und wer nicht. In diesem Fall wurde allerdings kein
Datensatz zu viel geteilt, sondern ein interner Redaktionssatz, der den Weg
aus dem Chat direkt auf die Seite 1 fand. So sieht eben radikale
Transparenz im Produktionsalltag aus – unbeabsichtigt, aber durchaus
lehrreich. Das passiert, besonders wenn viele letzte Handgriffe
gleichzeitig geschehen, Seiten fertig werden, Chats parallel laufen und
irgendwo zwischen Routine und Tempo ein Satz in die falsche Textbox
rutscht. Eine Sache bleibt auf jeden Fall klar: Zeitungmachen bleibt
Handarbeit, selbst im Digitalen. (dt)
17 Feb 2026
## AUTOREN
(DIR) Derya Türkmen
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