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       > Genau zwei Jahre nach dem Tod des Kremlkritikers erklärt ein Bericht, wie
       > Nawalny vergiftet wurde. Die Ukraine kämpft derweil um Aufmerksamkeit
       
 (IMG) Bild: Zwei Jahre nach seinem Tod sind sich fünf europäische Staaten sicher: Alexej Nawalny wurde vergiftet
       
       Aus Berlin und München Tanja Tricarico und Hansjürgen Mai
       
       Groß war das Entsetzen, als Moskau 2024 den Tod von Kremlkritiker Alexej
       Nawalny gleich zu Beginn der Münchner Sicherheitskonferenz bekannt gab. Die
       frisch verwitwete Julia Nawalnaja sprach nur wenige Stunden später vor den
       Teilnehmer:innen des hochkarätigen Treffens. Damals forderte sie eine
       harte Strafe für den russischen Präsidenten Wladimir Putin und seine
       Verbündeten. Das Publikum in München ehrte die bewegende Ansprache mit
       stehenden Ovationen.
       
       Genau zwei Jahre später veröffentlichen Großbritannien, Schweden,
       Frankreich, die Niederlande und Deutschland eine gemeinsame Erklärung dazu,
       dass [1][Nawalny vergiftet] wurde. Zu diesem Schluss sei man auf der
       Grundlage von Analysen gekommen, die in Gewebeproben das Gift Epibatidin
       nachgewiesen haben. Die Neuigkeit zur Todesursache Nawalnys tauchte auf
       etlichen Panels der Münchner Sicherheitskonferenz am Samstag auf – und
       natürlich der Verantwortliche: Wladimir Putin.
       
       „Epibatidin ist ein Toxin, das in Pfeilgiftfröschen in Südamerika zu finden
       ist. In Russland kommt es in der Natur nicht vor“, heißt es weiter in der
       Erklärung. 2024 hatte Russland behauptet, Nawalny sei in einem sibirischen
       Straflager eines natürlichen Todes gestorben. 2026 stellt
       Bundesaußenminister Johann Wadephul in München klar: „Nawalny verstarb in
       Haft, Russland hatte also die Mittel, ein Motiv und die Möglichkeit, ihm
       das Gift zu verabreichen.“
       
       Nun will man den russischen Aggressor zur Verantwortung ziehen – und alle
       zur Verfügung stehenden politischen Hebel nutzen. Was dies allerdings genau
       bedeutet, darauf wollte sich das Auswärtige Amt auf taz-Anfrage nicht
       weiter äußern. Die USA haben sich der Erklärung nicht angeschlossen. Laut
       Außenminister Rubio würden die USA die Ergebnisse aber nicht infrage
       stellen.
       
       Die Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse zu Nawalnys Tod auf den Tag zu
       legen, an dem US-Außenminister Marco Rubio über das zerschredderte
       Verhältnis der USA zu Europa sprach, ist durchaus bemerkenswert. Noch
       bemerkenswerter jedoch ist, dass Rubio in seiner mit Anspannung und
       Nervosität erwarteten Rede kein Wort über die Ukraine verlor. Ohnehin bekam
       der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der sich in wenigen Tagen zum
       vierten Mal jährt, relativ wenig Aufmerksamkeit in München.
       
       Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj appellierte erneut – vor
       allem an die EU-Staaten – sein Land mit militärischem Gerät auszustatten.
       Dazu zählt auch der reichweitenstarke Marschflugkörper Taurus aus
       Deutschland. Ein sichtlich ermüdeter Selenskyj trat im Bayerischen Hof auf
       die Bühne und beteuerte die Stärke der Ukrainer:innen. Für die nahm der
       ukrainische Präsident auch den Ewald-von-Kleist-Preis entgegen, eine
       Ehrung, die „Mut und Widerstandskraft“ der ukrainischen Bevölkerung loben
       soll. Priorität hat die Ukraine aber offensichtlich derzeit nicht, weder in
       den USA noch bei den Europäern, die beide mit den Lehren aus ihrem
       miserablen Verhältnis beschäftigt sind.
       
       [2][Unterstützung und Finanzierung der Ukraine stehen also unter Druck.]
       Fast in einem Nebensatz gab Nato-Generalsekretär Mark Rutte bekannt, dass
       Russland derzeit „wahnsinnige Verluste“ hinnehmen müsse. Etwa 65.000
       Soldaten hätte die russische Armee in den vergangenen zwei Monaten
       verloren. Es könne keine Rede vom russischen Bären sein, sondern laut Rutte
       eher von einer Gartenschnecke. Der Nato-Chef meinte damit das Tempo, in dem
       die russischen Truppen versuchen, ukrainisches Gebiet einzunehmen. Russland
       werde es derzeit nicht wagen, die Nato anzugreifen.
       
       „Wir werden jeden Kampf gegen Russland gewinnen, wenn sie uns jetzt
       angreifen“, sagte Rutte. Was dies jedoch mittel- und langfristig bedeuten
       wird, blieb offen. Selenskyjs erneute Forderung nach einem Nato-Beitritt
       seines Landes verhallte wenig überraschend. Und das obwohl, wie er sagte,
       die Ukraine derzeit über die „größte Armee Europas“ verfüge.
       
       Keine Absage, aber auch kein Tempo wird es für einen EU-Beitritt der
       Ukraine geben. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas offenbarte in ihrer Rede am
       Sonntag, dass die EU-Mitgliedsstaaten derzeit nicht bereit seien, einen
       [3][konkreten Zeitpunkt für einen Beitritt] zu nennen. Selenskyj hatte
       genau dies am Samstag erneut gefordert, als Teil von Sicherheitsgarantien
       für einen Friedensplan mit Russland. Ein EU-Beitritt könnte in der Tat die
       wirtschaftliche Resilienz der Ukraine stärken.
       
       Allerdings blockiert etwa Ungarn seit geraumer Zeit den Beitrittsprozess.
       Dass US-Außenminister Rubio unmittelbar nach seinem Besuch in München
       zunächst zum ukrainekritischen Robert Fico nach Bratislava reiste und
       anschließend den ungarischen Regierungschef Viktor Orbán treffen will, ist
       ein weiteres Zeichen dafür, wie die Fliehkräfte innerhalb der EU weiter
       befeuert werden.
       
       Die Versuche Russlands, Selenskyj im Amt zu delegitimieren, schmetterte der
       ukrainische Präsident in München fast comedianhaft ab. [4][Gebt uns einen
       Waffenstillstand, dann können wir eine Wahl organisieren.] Auch Russland
       können wir einen Waffenstillstand anbieten, damit dort gewählt werden kann,
       sagt er. Die verzweifelten Lacher zu diesen Äußerungen hatte Selenskyj auf
       seiner Seite.
       
       [5][Neben allen diplomatischen Bemühungen] braucht die Ukraine weitere
       Waffen – und mehr Druck auf Russland. Unterstützung könnte tatsächlich in
       den kommenden Wochen aus dem US-Kongress kommen. Und zwar in Form eines
       russischen Sanktionspakets. Der republikanische Senator Lindsey Graham, der
       zusammen mit seinem demokratischen Kollegen Richard Blumenthal das
       Sanktionspaket unterstützt, erklärte am Samstag ebenfalls in München, dass
       der republikanische Senatsführer John Thune ihm versichert habe, dass über
       das Paket schon bald abgestimmt werden soll.
       
       „Ich bin davon überzeugt, dass eine deutliche Mehrheit für dieses Gesetz
       stimmen wird. Das wird einen enormen Einfluss auf die Ukraine haben“, sagte
       Graham in einer Erklärung. Das Paket würde es der US-Regierung erlauben,
       Zölle von bis 500 Prozent gegen Nationen zu verhängen, die russisches Öl,
       Erdgas oder Uran beziehen. Dazu zählen vor allem China und Indien.
       
       Auch spricht sich Graham für die Lieferung von Tomahawk-Langstreckenraketen
       an die Ukraine aus. Diese könnten weit in russische Gebiet eindringen und
       dort für den Krieg wichtige Infrastrukturziele zerstören, sagte der
       Republikaner in München.
       
       US-Präsident Trump hatte sich bisher geweigert, Tomahawk-Raketen an die
       Ukraine zu liefern, da dies angeblich die Friedensverhandlungen mit Putin
       erschweren würde, hieß es aus dem Weißen Haus. Bereits in dieser Woche
       wollen sich Delegationen Russlands, der USA und der Ukraine in Genf
       treffen, um für ein Abkommen zum Kriegsende voranzukommen.
       
       16 Feb 2026
       
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