# taz.de -- Kommentar von Stefan Reinecke zu dem Umgang des Kanzlers mit Trumps Krieg und den Drohungen gegen EU-Partner: Der Kniefall von Washington
Die Trump-Regierung will die EU zerstören und Europa spalten. Das steht in
der [1][Nationalen Sicherheitsstrategie]. Vielleicht kennt Kanzler
Friedrich Merz diese Strategie nicht. Vielleicht war er einfach schlecht
vorbereitet, [2][als er Trump am Dienstag im Oval Office traf].
Eigentlich wollte er beim US-Präsidenten für weniger Zölle und mehr
Unterstützung für die Ukraine werben – kein aussichtsreiches Unterfangen
angesichts des gerade begonnenen Irankriegs. Bei dem narzisstischen,
flatterhaften, launenhaften US-Präsidenten ist auch der Zeitpunkt eine
Machtfrage.
So hielt Trump im Oval Office die übliche Suada: ein Stakkato von
Selbstlob, Beschimpfungen und grotesken Lügen. Etwa: Die USA hätten in Iran
ausschließlich militärische Ziele getroffen und Iran nur zivile Ziele.
Merz saß daneben und beteuerte, Deutschland unterstütze den Krieg der USA
und Israels gegen Iran. Der Kanzler lässt die Deutschen zur Staffage werden
in einem Drama, in dem sie keine Rolle spielen. Die EU wäre von einem
instabilen Iran und Migrationsströmen direkt betroffen, ist aber
geopolitisch in diesem Krieg nicht auf dem Platz. Dabei würde es Hebel
geben. Die USA nutzen Ramstein in der Pfalz, die größte Airbase außerhalb
der USA, als militärisches Drehkreuz. Der spanische Ministerpräsident
verweigert den USA die Nutzung von Militärbasen für den
[3][völkerrechtswidrigen Irankrieg]. Die Briten haben dem US-Militär für
ihre [4][Basen in der Golfregion] immerhin Auflagen gemacht.
Merz hingegen sekundiert Trumps Hassrede gegen Spanien, verbunden mit der
Drohung, jeden Handel mit Madrid einzustellen, brav mit dem Hinweis,
Spanien müsse seinen Militäretat erhöhen. Merz hat nach Trumps
Grönlanddrohung begriffen, dass die USA unberechenbar sind. Und dass es
nichts nutzt, wie die EU es im Zollstreit versucht hat, den Potentaten
günstig stimmen zu wollen. Wie Putin hält Trump Wohlgefälligkeit für
Schwäche.
Aber beim Irankrieg spielt der Kanzler die eingeübte subalterne Rolle:
keine Kritik am völkerrechtswidrigen US-Krieg und wortlos die logistische
Unterstützung über Ramstein durchwinken. Dieser Kurs kostet
Glaubwürdigkeit, ohne etwas zu bringen.
Merz hat kürzlich angekündigt, dass Europa nun die Sprache der Machtpolitik
lernen muss. Sein Trip nach Washington dokumentiert eher eine Grammatik der
Machtlosigkeit. Der Kanzler, der stumm lächelnd neben Trump sitzt, der
gegen Spanien und Großbritannien wütet, ist dafür das sprechende Bild.
5 Mar 2026
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(DIR) Stefan Reinecke
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