# taz.de -- Ende der Ära Serpil Midyatli: SPD-Landeschef ist jetzt Kämpfer
> Kiels Bürgermeister Ulf Kämpfer löst Serpil Midyatli an der
> SPD-Landesspitze ab und teilt gegen die CDU aus. Seine Vorgängerin hat
> das Amt ebenso geführt.
(IMG) Bild: Friedlicher Amtswechsel: Serpil Midyatli klatscht für den frisch gewählten Ulf Kämpfer als neuen Landesvorsitzenden
Krönungsmesse und Abschiedsgala gleichermaßen feierte die SPD
Schleswig-Holstein am Wochenende: Bei einem Sonderparteitag wählten die
Delegierten den bisherigen Kieler Oberbürgermeister Ulf Kämpfer zum neuen
Landesparteichef. Mit einer großen Rede verabschiedete sich seine
Vorgängerin Serpil Midyatli. Sie hatte im November die [1][Urwahl um die
Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl gegen Kämpfer] verloren.
Zu den Klängen von „I am a Fighter“ federte Ulf Kämpfer auf die Bühne. Der
53-Jährige bemühte sich um Wahlkampf-Sound, griff die Bundes- wie die
Landes-CDU scharf an. „Zynismus“ warf er Friedrich Merz und dem
Wirtschaftsflügel der CDU vor, für die „jeder Beschäftigte ein
Standortrisiko“ sei. Im Land versage die Regierung in Fragen der
Energiewende oder bei der Rettung von Arbeitsplätzen: Ministerpräsident
Daniel Günther (CDU) „springt als Tiger los und landet als Bettvorleger“.
Kämpfer rief die SPD zu Stolz auf ihre 160-jährige Geschichte auf. Nun
liege eine „historische Aufgabe“ vor ihnen: „Wir müssen die AfD stoppen.“
Doch selbst wenn das gelinge, sei die Arbeit nicht beendet: „Der Frust, der
die AfD nährt, ist nicht weg. Wir als Sozialdemokratie müssen im
demokratischen Maschinenraum Flagge zeigen.“ Das Wahlergebnis von 16
Prozent bei der jüngsten Landtagswahl sei „nicht das, wo wir hingehören“,
sagte der Jurist, der [2][bislang in mehreren Landesministerien sowie als
Richter und Mediator gearbeitet] hat.
Er wünsche sich ein Schleswig-Holstein, in dem kein Jugendlicher ohne
Abschluss die Schule verlasse, jeder eine gut bezahlte Arbeit fände,
niemand obdachlos sei und jeder in Würde alt werden könne. Um diese Ziele
zu erreichen, beschloss der Parteitag einen „Masterplan Arbeit und
Wirtschaft“, der bis zur Landtagswahl weiter ausgearbeitet werden soll.
## Bitte um Vertrauen
Kämpfer bat die Delegierten um Unterstützung und Vertrauen. Er selbst
versprach, bei der kommenden Wahl im Wahlkreis Kiel-West ein Direktmandat
zu erringen. Mit 93,9 Prozent gaben die Mitglieder ihm den erhofften
Rückhalt: „Daniel Günther, zieh dich warm an – die SPD ist auf dem Platz“,
rief der Kandidat in den Saal. Seine neue Stellvertreterin ist Christina
Schubert. Die 35-jährige Vorsitzende der Kieler SPD-Ratsfraktion war
Kämpfers Wunschkandidatin. Die zweite Bewerberin, die Bundestagsabgeordnete
Nina Scheer, zog unerwartet zurück.
Den emotionalen Höhepunkt des Tages bildete die Verabschiedung von Serpil
Midyatli. Die jetzt 51-jährige Kielerin mit türkischen Wurzeln löste 2019
Ralf Stegner im Vorsitz ab, der die Landespartei seit 2007 geführt hatte.
Trotz Stegners bundesweiten Bekanntheitsgrades hatte die SPD eine Wahl nach
der anderen verloren, auch intern war er umstritten. Am Ende machte er den
Weg für Midyatli frei. Sie galt als sein Protegé, [3][er hatte sie in den
Landtag geholt, nannte sie eine „starke Kandidatin,] die mit Herz und
Verstand Politik macht“.
Selbstbewusst trat Midyatli, die damals schon Vizechefin der
Landtagsfraktion und erste Muslima im Kieler Landtag war, das neue Amt an.
Kein leichtes, daran erinnerte sie in ihrer Abschiedsrede: „Die Partei war
im Krisenmodus, es wurde gestritten und kritisiert.“ Sie habe „Raum für
Debatten“ gegeben und Reformen eingeleitet. Auch die Finanzen der damals
überschuldeten Partei brachte sie ins Plus zurück.
Aber bei den Wahlen auf kommunaler und auf Landesebene stürzte die SPD ins
Bodenlose: Bei der Landtagswahl 2022 überließ sie die Spitzenkandidatur dem
weitgehend unbekannten Thomas Losse-Müller, der krachend verlor. Selbst
seit Jahrzehnten rote Wahlkreise in Kiel oder Lübeck fielen an CDU oder
Grüne. Midyatli selbst traf in der Doppelrolle als Parteichefin und
Oppositionsführerin nicht immer den Ton, wenn sie die im Land beliebte
Regierung unter Daniel Günther (CDU) angriff.
## Ein Dank an die Basis
In ihrer Abschiedsrede, in der sie einen großen Bogen spannte und der Basis
dankte – „ihr habt meine Akkus aufgeladen, ihr habt Haltung gezeigt“ – ging
sie auch auf diesen Stil ein: „Wir kritisieren, weil es nötig ist.“ Der
Ministerpräsident trete bei Talkshows auf, doch wenn es um echte Probleme
gehe, „hat Schleswig-Holstein von der Regierung nichts zu erwarten“. Sie
freue sich auf den Tag des Amtseids von Ulf Kämpfer, sagte Midyatli: „Dann
wird nicht nur endlich gut regiert, dann wird überhaupt mal wieder
regiert.“
Mit Standing Ovations dankte ihr die Partei. Midyatli sei für die Gen Z so
etwas wie Angela Merkel: „Wir können uns eine SPD Schleswig-Holstein ohne
dich nicht vorstellen“, sagte eine junge Genossin. Als Frau mit
Migrationshintergrund habe Midyatli neue Wege gebahnt. Sie bleibt
Fraktionsvorsitzende im Landtag und Vize-Chefin der Bundes-SPD.
15 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /SPD-Chefin-Midyatli-tritt-zurueck/!6128859
(DIR) [2] https://www.spd-schleswig-holstein.de/2025/11/08/kaempfer-fuer-alle-ulf-kaempfer-ist-spitzenkandidat-der-spd-schleswig-holstein/
(DIR) [3] ttps://vorwaerts.de/parteileben/wechsel-der-landesspitze-ralf-stegner-zieht-sich-zuruck
## AUTOREN
(DIR) Esther Geisslinger
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